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Car FridayAuch ein Film-Taxi auf dem Weg zum Nürburgring aus dem Verkehr gezogen

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Ein Polizeibeamter winkt mit einer Kelle Autos auf einen Parkplatz.

Auf der B258 wurden die Fahrzeuge zur Kontrollstelle geleitet.

Am Karfreitag trifft sich die Tuning-Szene zum Car-Friday auf dem Nürburgring. Doch einige der aufgemotzten Autos zog die Kreispolizei Euskirchen im Ahrtal aus dem Verkehr. 

Wenn die Christen am Karfreitag in die Kirchen gehen, zieht es die Fans von besonderen Autos in die Eifel. Dann ist „Car-Friday“ angesagt, und von nah und fern reisen die Tuningbegeisterten zu dem alljährlichen Szenetreffen an den Nürburgring. Für einige gestaltet sich der Tag allerdings anders als geplant, wenn sie unversehens in die Polizeikontrolle auf der B258 zwischen Neuhof und Ahrbrück geraten.

Für die erfahrenen Eifeler ist das keine Überraschung, hier die Beamten im Einsatz zu sehen. „Als ich mit fünfzehn Jahren zum ersten Mal an den Nürburgring gefahren bin, wurde hier schon kontrolliert, damals noch in Grünweiß“, sagte Volker Braun lächelnd. Mittlerweile ist er Leiter des Verkehrsdienstes der Kreispolizei in Mechernich und verbringt jetzt selbst seine Karfreitage an dieser Stelle. Unterstützt worden seien die Beamten des Verkehrsdienstes von den Kollegen aus den Polizeiwachen in Euskirchen und Schleiden, sagt er.

Knallgeräusche eines Ford Focus aus Frankreich bringen es auf 113 Dezibel

Ideale Bedingungen haben die Beamten an dem Parkplatz nahe der Ahr bei Blankenheim, denn auf beiden Straßenseiten ist ein Gelände vorhanden, so dass die technischen Untersuchungen und Lärmmessungen problemlos realisiert werden können. Auch gibt es kurz vorher in Neuhof eine Zone, in der die Geschwindigkeit auf 50 km/h begrenzt wird und problemlos kontrolliert werden kann.

An diesem Morgen braucht es aber keine Geschwindigkeitsmessung, um Kandidaten für eine intensive Untersuchung zu finden. „Wir haben die ersten Fahrzeuge bereits auf der Anfahrt zur Kontrollstelle herausgefiltert“, so Braun. Darunter ein Ford Focus aus Frankreich, der mit satten Knallgeräuschen 113 Dezibel auf dem Messgerät erreicht und damit, bei eingetragenen 80 Dezibel, einen frühen Höchstwert setzt.

Der schwarze Käfer mit rotem Stoffdachz steht mit geöffneten Türen auf dem Parkplatz.

Liebevoll restauriert ist dieser VW-Käfer aus dem Jahr 1957, dessen Fahrer allerdings zu schnell unterwegs war.

Weber schaut unter eine Auto. Im Vordergrund ein Lärmmessgerät.

Einen Blick unter die Autos wirft Christoph Weber, Kfz-Meister in Diensten der Polizei.

Was folgt, ist für die Beamten Routine, für den Fahrzeughalter aber ein Desaster: Das Fahrzeug wird stillgelegt und abgeschleppt. Dann wird wegen der erloschenen Zulassung ein Gutachten erstellt. Kosten im vierstelligen Bereich kommen damit auf den Besitzer zu, ganz zu schweigen davon, dass er ohne Auto mit seiner weiblichen Begleitung und dem Gepäck auf einem Parkplatz im Nirgendwo steht.

Markantes Requisit aus der Actionkomödie „Taxi“ von 1998

Er wird an diesem Tag nicht der Einzige bleiben. Zwei Sicherstellungen und eine Untersagung sprechen die Beamten bis Mittag auf. Seltsamerweise sind es in diesem Jahr französische Fahrzeuge, die so eklatante Mängel zeigen, dass sie nicht weiterfahren dürfen, während es im vergangenen Jahr vor allem niederländische Autos waren, die von den Beamten konfisziert werden mussten.

Ein weißer Peugeot 406 mit Taxi-Schild und einem großen, scharfkantigem Frontspoiler.

Im Film „Taxi“ von 1988 sei dieses Fahrzeug als Requisite eingesetzt worden, so der Besitzer, das allerdings wegen der scharfen Kanten nicht weiterfahren durfte.

Die Weiterfahrt untersagt wird dem Besitzer eines wirklichen Hinguckers: Ein Peugeot 406, der nach Aussage des Halters als Requisit in dem Film „Taxi“ diente, einer Actionkomödie nach einem Drehbuch von Luc Besson aus dem Jahr 1998, was die exaltierten Spoiler, das nur mit Gummiband befestigte Nummernschild und das Schaltpult im Handschuhfach erklärt.

Für Golf GTI ohne Katalysator ist die Fahrt im Ahrtal zu Ende

Während der Wagen noch so eben die Lärmmessung übersteht, bleibt Braun in Hinsicht auf die Verkehrssicherheit unnachgiebig. „Die Spoiler und die Anbauten sind so scharfkantig, dass damit Verletzungen verursacht werden können“, sagt er. Es sei ihm schleierhaft, wie so ein Fahrzeug eine Straßenzulassung bekommen könne, auch in Frankreich. Der aus Clermont-Ferrand angereiste Besitzer ordert schließlich einen Anhänger, der ihn zu seinem Ziel, dem Tunertreffen auf dem Nürburgring bringen soll. „So ist es richtig“, lobt Braun den Entschluss. Das Auto gehöre auf so ein Treffen, aber auf keinen Fall auf die Straße.

Die Fahrt ist ebenso für den Besitzer des roten Golf GTI auf dem Parkplatz beendet. 88 Dezibel dürfte er absondern, doch nicht die 107 Dezibel, die gemessen werden. Das unschuldige Gesicht des Halters täuscht: Der Katalysator ist ausgebaut, so dass nur ein Rohr die Abgase in die Außenwelt entlässt. Dazu ist eine Auspuffklappe verbaut, die fernsteuerbar ist. Die Fernbedienung habe er allerdings zu Hause gelassen, gibt der Mann an. Doch auch so wird der Trip ein teurer Spaß: 1284,75 Euro werden inklusive Abschleppen, Gutachten und Bußgeldern fällig.

Lassen Sie das schnell machen. Die Substanz vom Auto ist noch gut. Es wäre schade drum.
Kfz-Meister Christoph Weber zu dem Besitzer eines BMW-Oldtimers, der Rostschäden aufweist

Die meisten der Autofahrer, die zur Kontrolle auf den Parkplatz geleitet werden, sehen dies gelassen. Vor allem die erfahrenen Tuner greifen sofort zu dem Aktenordner, in dem alle Genehmigungen und Zulassungsbescheinigungen abgeheftet wurden. So haben die Beamten an diesem Tag auch wenig zu bemängeln.

Mitunter drücken sie auch mal ein Auge zu. Wie bei dem Dreier-BMW mit Oldtimer-Kennzeichen, der wenige Tage vorher seine TÜV-Plakette bekommen hat. „Der hat aber ein Mäuseproblem“, sagt Kfz-Meister Christoph Weber, der in Diensten der Kreispolizei steht, als er unter die Motorhaube sieht. Auch Roststellen entdeckt er schnell und hat für den Besitzer einen guten Rat bereit: „Lassen Sie das schnell machen. Die Substanz vom Auto ist noch gut. Es wäre schade drum.“

Am Ende des Tages hatte die Polizei 74 Verwarngelder ereilt und 58 Ordnungswidrigkeitenanzeigen geschrieben sowie zwei Fahrzeuge wegen verbotenem Tuning sichergestellt und eines zur Gefahrenabwehr stillgelegt.