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FußballSo geht der TuS Zülpich in die entscheidenden Wochen – Neuer Kunstrasenplatz kommt

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Das Bild zeigt vier Fußballer des TuS Zülpich, die sich über einen Treffer freuen.

Die Mannschaft des TuS Zülpich eilt derzeit von Sieg zu Sieg und steht vor dem Sprung in die Mittelrheinliga.

Der TuS Zülpich träumt von der Mittelrheinliga. Trainer David Sasse versucht, das Umfeld zu erden. Der Verein investiert in die Infrastruktur.

Es gibt sie im Fußball immer wieder: kometenhafte Aufstiege in Sphären, die Vereinen langfristig nicht guttun. Nicht selten verglühen solche Erfolgsgeschichten so schnell wie eine Sternschnuppe. Auch der TuS Zülpich hat in den vergangenen Jahren eine rasante Entwicklung genommen. Der Reserve fehlt nur noch ein Sieg zum Aufstieg in die Bezirksliga, die erste Mannschaft steht im zweiten Jahr der Landesliga-Zugehörigkeit vor dem möglichen Sprung in die Mittelrheinliga.

Eine Entwicklung, die so nicht unbedingt zu erwarten war – die aber auf grundsoliden Füßen steht. Auch deshalb, weil die Verantwortlichen aus eigener Erfahrung wissen, wie schnell ambitionierte Projekte scheitern können. Sie haben selbst in Vereinen gearbeitet, die heute kaum noch eine Rolle spielen – gewissermaßen verglüht sind.

Jugend beim TuS Zülpich hängt noch hinterher

In der Jugend hinkt der TuS qualitativ noch hinterher. Ein Unterbau, der kontinuierlich eigene Leistungsträger hervorbringt, ist bislang nur in Ansätzen vorhanden. In solchen Situationen gibt es im Fußball meist zwei Wege: Entweder man verfügt über große finanzielle Mittel – oder man überzeugt Talente aus der Region mit klaren Perspektiven und guten Rahmenbedingungen.

Beim TuS Zülpich ist Letzteres der Fall. Trainer David Sasse versteht es, Spieler gezielt weiterzuentwickeln. Nicht jede Neuverpflichtung schlägt sofort ein, doch die Quote an Akteuren aus unteren Ligen, die innerhalb von zwei Jahren zu Leistungsträgern gereift sind, ist bemerkenswert hoch. Intern wird sie auf rund 75 Prozent geschätzt.

Enge Verzahnung zwischen erster Mannschaft und der Reserve

Ein wichtiger Bestandteil der Entwicklung ist die enge Zusammenarbeit mit der zweiten Mannschaft. „Das Verhältnis zur Zweiten war so gut wie noch nie“, betont Sasse. Als er die Reserve übernahm, stand sie noch kurz vor dem Abstieg aus der Kreisliga B. „Am Ende sind wir ungeschlagen aufgestiegen.“

Das Bild zeigt den Trainer des TuS Zülpich, wie er in die Kamera lächelt.

Daumen hoch: Für David Sasse und den TuS Zülpich läuft es derzeit.

Klare Absprachen hätten dabei geholfen: „Es war festgelegt, dass maximal zwei Spieler aus der ersten Mannschaft aushelfen – nicht fünf oder sechs.“ Diese Linie wurde konsequent eingehalten. Zugleich hat sich die Reserve personell weiterentwickelt. Mehrere ehemalige Spieler der ersten Mannschaft laufen inzwischen dort auf. Gründe dafür seien unterschiedlich: fehlende Perspektive, Alter oder private Umstände. Dennoch bleibt die Unterstützung bestehen. Immer wieder helfen Spieler aus – und entscheiden Spiele.

Die Jugend soll vom neuem Kunstrasenplatz profitieren

Auch strukturell wurde nachgebessert: Die Trainingszeiten beider Teams wurden aufeinander abgestimmt, um die Zusammenarbeit zu intensivieren, etwa bei der Torwartbesetzung. Da die erste Mannschaft am kommenden Spieltag spielfrei hat (1. FC Düren II hat die Mannschaft zurückgezogen), richtet sich der Fokus aktuell vollständig auf die Reserve. „Wir werden wieder punktuell unterstützen“, so Sasse. Insgesamt beschreibt er das Modell als funktionierendes Prinzip: „Ein Geben und Nehmen im Verein.“

Parallel zur sportlichen Entwicklung investiert der Verein in seine Infrastruktur. Geplant ist unter anderem ein zusätzlicher Kunstrasenplatz. „Es entsteht ein Feld mit rund 75 Metern Länge und etwa 45 bis 50 Metern Breite“, erklärt Sasse. Vor allem der Trainingsbetrieb und die Jugend sollen davon profitieren. Ein entsprechender Förderbescheid über fast 500.000 Euro ist bereits bewilligt.

Aktuell teilen sich Senioren, Damen und mehr als 20 Jugendmannschaften die vorhandenen Räume – das ist auf Dauer zu viel.
David Sasse, Trainer des TuS Zülpich

Auf dem Vereinsgelände haben zudem bereits Bauarbeiten begonnen. Ein neues Kassenhaus, ein erweiterter Verkaufsbereich sowie zusätzliche Material- und Lagerräume entstehen. Ziel ist es, Abläufe zu entzerren und den wachsenden Anforderungen gerecht zu werden. „Aktuell teilen sich Senioren, Damen und mehr als 20 Jugendmannschaften die vorhandenen Räume – das ist auf Dauer zu viel“, sagt Sasse.

Auch deshalb sind weitere Maßnahmen geplant, darunter zusätzliche Sanitäranlagen. Ein Schritt wurde bereits umgesetzt: Seit Dezember verfügt die Anlage über modernes LED-Flutlicht. Zudem gibt es seit der Rückrunde regelmäßige Pressekonferenzen nach den Spielen – ein weiterer Schritt in Richtung Professionalisierung. Die infrastrukturellen Voraussetzungen für höhere Spielklassen sind laut Sasse: erfüllt. „Das war auch eine Voraussetzung für meine Zusage als Trainer.“

Der TuS Zülpich setzt auf den Fokus in den verbleibenden Spielen

Trotz der sportlich vielversprechenden Ausgangslage bleibt Sasse bewusst zurückhaltend. „Natürlich darf im Umfeld darüber nachgedacht werden, dass nächste Jahr Mittelrhein- und Bezirksligafußball bei den Herren und Landesligafußball bei den Frauen gespielt wird– das ist legitim. Aber wir stehen im Mai, nicht im Juni.“

Sein Fokus gilt ausschließlich den kommenden Aufgaben, insbesondere dem Spiel in Helpenstein. Gleichzeitig mahnt er zur Vorsicht: „Der Fußball ist zu schnelllebig.“ Auch die Konkurrenz, etwa aus Hürth oder Breinig, zeige konstant starke Leistungen.

„Stand jetzt entscheidet sich vieles erst am vorletzten Spieltag“, so Sasse. Für ihn steht fest: „Alle dürfen vom Doppelaufstieg träumen – Fans, Umfeld, Mannschaft. Aber ich bin für die Fakten und die tägliche Arbeit zuständig.“ Ein mögliches Aufstiegsszenario im Juni interessiert ihn daher bewusst nicht. Noch nicht.