KaltblüterDirk Zöll ist mit „Wotan“ und „Rocky“ zweifacher NRW-Meister im Holzrücken

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Mit seinen Pferden Rocky (links) und Wotan gewann Dirk Zöll aus Udenbreth zwei NRW-Meistertitel im Holzrücken.

Udenbreth – Reich dekoriert ist Dirk Zöll mit seinen Pferden „Wotan“ und „Rocky“ von den NRW-Meisterschaften in Cobbenrode in die Eifel zurückgekehrt. Sowohl im einspännigen als auch im zweispännigen Holzrücken konnte er den Titel des NRW-Meisters erringen. Die Freude darüber war groß, denn im Vorfeld musste Zöll sich mit Schwierigkeiten herumschlagen.

Zöll ist mit seinen beeindruckenden Blauen Belgiern eine bekannte Erscheinung in der Eifel. Seit Jahren geht er vor allem im Raum Düren und Aachen in die Wälder, um dort, wo Maschinen nicht eingesetzt werden, gefällte Baumstämme an die Wege zu ziehen. Doch dass die rund 800 Kilo schweren Kaltblüter mehr können, zeigt er immer wieder, wenn er sich mit seinen Pferden auf den Wettbewerben der versammelten Konkurrenz stellt.

Auch wenn Zöll den Titel des Landesmeisters mit nach Hause gebracht hat, musste er sich im Wettbewerb einem Konkurrenten beugen. Doch das ficht ihn nicht an. Denn derjenige, der in der Offenen Meisterschaft die Nüstern ein paar Zentimeter vorn hatte, ist der Doppel-Europameister von 2015, Jean-Paul Heck aus Dorscheid in Luxemburg. „Gegen den kann man verlieren“, sagt Zöll lachend.

Vorbereitung binnen weniger Tage

Auch dass bei den Zweispännern sein bayerischer Freund Reinhard Hunsdorfer besser abschnitt, ist für ihn in Ordnung – immerhin ist dieser amtierender Vize-Europameister. Und da beide nicht aus NRW kommen, war Zöll der Titel des Landesmeisters nicht zu nehmen.

Dabei sah es am Anfang bei den Zweispännern nicht so gut aus. Erst eine Woche vor dem Wettbewerb stellte sich heraus, dass Zöll neben seinem zwölfjährigen „Wotan“ nicht den erfahrenen „Irco“ einsetzen konnte. Binnen weniger Tage musste er „Rocky“ auf die Veranstaltung vorbereiten, der eigentlich mit Zölls Partnerin Julia Zenner antreten sollte. „Rocky ist erst seit einem Jahr im Training“, erläuterte Zöll. Während „Wotan“ Wettbewerbsatmosphäre kennt und mit vielen Titeln bereits auf den heimatlichen Hof in Udenbreth zurückgekehrt ist, ist der siebenjährige „Rocky“ ein Newcomer. „Wir mussten ihn ins kalte Wasser werfen“, beschreibt es Zöll schmunzelnd – eine durchaus interessante Vorstellung bei rund 850 Kilo Lebendgewicht des Wallachs.

Das Abenteuer gelang

Doch das Abenteuer gelang. Während „Wotan“ auch im einspännigen Wettbewerb brillierte, zeigte sich „Rocky“ im Zweispänner als begabtes Talent. Und nicht nur die Fähigkeiten als Holzrückepferd machen ihn interessant – als gebürtiger Belgier trägt er stolz einen gezwirbelten Schnäuzer, der aussieht, als sei er direkt Hercule Poirot, dem von Agatha Christie erfundenen Detektiv nachempfunden worden.

Mit den 800 Kilo schweren Kaltblütern ist Zöll oft im Wald im Einsatz.

„Wir leben diese Pferde, wir leben diese Tradition“, zeigt Zöll seine Begeisterung für das Holzrücken. Gelernt hat er sein Handwerk bei Georg Heinrichs aus Rocherath. „Er hat gesagt: Guck mir zu. Und wenn Du etwas wissen willst, musst Du fragen“, erinnert sich Zöll an die wortkarge Ausbildung.

Seine ersten Einsätze mit den Kaltblütern waren bei dem Förster Thorsten Wohlleben in Hümmel. Seitdem ist der Einsatzort der Wald. Und auf den Wettbewerben kann er sich stets Hoffnungen auf vordere Platzierungen machen. „Das Pferd ist so gut, das geht schon, wenn ich es nicht vermassele“, sagt er lachend und mit freundlichem Blick auf sein Paradepferd „Wotan“.

Die Aufgaben

Bei den Meisterschaften der Holzrücker kommt es auf die ruhige und konzentrierte Zusammenarbeit zwischen Mensch und Pferd an. Dabei muss ein Baumstamm von der Pferd-Mensch-Kombination in einer vorgegebenen Zeit durch einen Hindernisparcours gezogen werden, um am Schluss zentimetergenau „aufgepoltert“, also auf zwei liegende Stämme gestapelt werden.

Enge Tore, ein Wassergraben oder eine Holzbrücke stellen dabei die Schwierigkeiten dar. Auch muss der Baumstamm auf einer Querleiste genau in die Schwebe gebracht werden. Als Wotan bei seiner Einspännerprüfung hier den Baumstamm wenige Zentimeter zu weit zog, ließ Dirk Zöll den erfahrenen Wallach den Stamm mit den Hufen zurückschieben. Nach einer Ausscheidung am Samstag traten die qualifizierten Teams am Sonntag im Finale gegeneinander an.

Eine Zugleistungsprüfung stand darüber hinaus für die Teams auf dem Programm. Dabei wird den Pferden eine Kutsche mit einer Last von 70 Prozent ihres Körpergewichts auferlegt, die immer weiter durch aufsteigende Personen erschwert wird. Hier belegte Zöll im Zweispänner einen dritten, mit Rocky im Einspänner einen vierten Platz. (sev)

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