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Erinnerung an Walenty FabijańskiZwangsarbeiter starb 1945 bei Luftangriff auf Kall

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Zwei Männer knien vor einem Grab, auf dem Blumen stehen.

Legten am Grab von Walenty Fabijański Blumen nieder: Emmanuel Kunz (l.) und Marcin Korneluk.

Marcin Korneluk übergab in Kall Dokumente seines Urgroßvaters Walenty Fabijański, der als Zwangsarbeiter in Kall eingesetzt war und  ums Leben kam. 

„Wir können vergeben, aber nicht vergessen.“ Dieser Spruch wurde am Freitag zur Überschrift einer Gedenkveranstaltung, in der es um die Geschichte des polnischen Zwangsarbeiters Walenty Fabijański ging, der 1945 bei einem Luftangriff in Kall ums Leben gekommen war. Sein Urenkel Marcin Korneluk war mit Partnerin Katarzyna Wojtczak nach Kall gekommen, um nach den Spuren seines Urgroßvaters zu suchen und Dokumente an das Gemeindearchiv zu übergeben. Dabei erinnerte er auch an den Spruch seiner Urgroßmutter.

„Vor einigen Wochen meldete sich über unser Archiv der Urenkel eines ehemals in Kall lebenden und arbeitenden Zwangsarbeiters aus Polen“, erzählte Alice Gempfer von der Stabsstelle Kommunikation und Beteiligung bei der Gemeindeverwaltung. Korneluk habe wissen wollen, ob es ein Ehrenmal für ehemalige Zwangsarbeiter gebe, da das Grab eines Urgroßvaters nach seinen Recherchen nicht mehr existierte. Fabijański war zunächst auf dem ehemaligen katholischen Friedhof an der Aachener Straße beigesetzt worden, später dann aber nach Mariawald umgebettet worden.

Vier Männer und eine Frau in der Mitte stehen vor einem Haus.

Andreas Züll (v.l.), Emmanuel Kunz, Katarzyna Wojtczak, Marcin Korneluk und Ralf Schumacher stehen vor dem Haus, in dem Walenty Fabijański umkam.

Das Bild ist ein schwarz-weiß Foto. Ein Mann steht vor einer Halle.

Walenty Fabijański steht 1941 vor einer Autowerkstatt in Kall.

Sein Urenkel wollte seinem Vorfahren nun irgendwo die Ehre erweisen und Nachfahren der damaligen Firma Michael Schumacher kennenlernen, wo sein Urgroßvater gearbeitet hatte. „Mit Unterstützung unseres Kaller Lokalhistorikers Andreas Züll und des Autors Franz Albert Heinen ist es gelungen, die aktuelle Grabstätte auf dem Ehrenfriedhof in Mariawald zu finden“, so Gempfer. Unterstützt wurden Züll und Heinen von den Archivarinnen Heike Pütz und Nicole Gutmann sowie Johanna May vom Kloster Steinfeld.

Geschichte von Zwangsarbeitern in den Vordergrund rücken

„Es ist ein besonderer Moment. Wir kommen heute zusammen, um an einen Menschen zu erinnern, dessen Lebensweg eng mit der Geschichte unseres Ortes verbunden ist“, erklärte Bürgermeister Emmanuel Kunz. Es sei wichtig, dass man gerade die Geschichte von Zwangsarbeitern in den Vordergrund rücke.

Drei Männer und drei Frauen schauen in ein Buch mit Fotos.

Ein Buch mit vielen Fotos zur Unternehmensgeschichte hatte Ralf Schumacher (3.v.l.) mitgebracht.

„Die Vergangenheit vergeht nicht. Die Ereignisse wirken über Generationen nach“, sagte Kunz. Die Dokumente und Briefe würden helfen, die Dinge besser zu verstehen und sie langfristig zu bewahren. Hinter den Zahlen steckten Schicksale. „Die Gemeinde ist auch weiterhin bereit, sich ihrer Geschichte und ihrer Verantwortung zu stellen“, betonte der Bürgermeister.

„Walenty Fabijański wurde am 14. Februar 1903 in Pilica geboren“, erzählte Korneluk, der als Journalist und Filmemacher tätig ist. Sein Uropa habe sehr ausgeprägte technische Fähigkeiten gehabt und deshalb auch Maschinenschlosser gelernt. Danach habe er bei der polnischen Armee als Unteroffizier den Fuhrpark repariert und verbessert. In der Funktion habe er auch einmal bei Ford in New York angerufen und Verbesserungen an den Autos vorgeschlagen. Einige seiner Vorschläge seien auch umgesetzt worden.

Fabijański sollte an einem Manöver teilnehmen

Fabijański lebte mit seiner Frau und zwei Kindern in einem Haus in der Kaserne. „Im August 1939 hat meine Uroma eine Notiz in den Kalender gemacht, dass ihr Mann für zwei Wochen an einem Manöver teilnehme“, erklärte Korneluk. Von dem Manöver sei er nie mehr zurückgekommen. Nach schweren Kämpfen in Zentralpolen sei sein Urgroßvater in deutsche Gefangenschaft geraten. Danach sei er in zwei Lagern eingesperrt gewesen, ehe er in Kall in der Firma von Michael Schumacher als Fahrer gearbeitet habe.

Seine Familie habe in der Zeit tragische Momente unter der sowjetischen Besatzung erlebt. Fabijańskis Frau und die beiden Kinder hätten sich verstecken müssen und seien später nach Lublin geflohen.

„Die Briefe haben die Familie in all den Jahren zusammengehalten“, erklärte der Urenkel. Der erste Brief mit dem Stempel von Kall stamme vom 15. Februar 1941. Fabijański habe danach auch Geld geschickt, weil Zwangsarbeiter in Kall bezahlt worden seien, was selten der Fall gewesen sei. Auch hätten sie an Gottesdiensten teilnehmen dürfen. Ein Junge – der spätere Kaller Bürgermeister Werner Schumacher – habe ihm Süßigkeiten geschenkt. Dessen Neffe Ralf Schumacher hatte am Freitag ein Buch mit der Geschichte des Unternehmens mitgebracht. In späteren Briefen habe Fabijański die Hoffnung geäußert, wieder nach Hause zu kommen: „Ich träume von euch und von unserem Zuhause.“

Bombenangriff auf Kall fielen 21 Menschen zum Opfer

„Doch dann kam an einem Sonntag der Bombenangriff, dem 21 Menschen in Kall zum Opfer fielen“, sagte Züll. Der Sterbefall von Fabijański sei erst 1950 beurkundet worden: „Er wird als Arbeiter bezeichnet, der gefallen ist.“ Nur die polnische Geburtsstadt und die Tatsache, dass keine Eltern angegeben waren, ließen erahnen, dass es sich um einen Zwangsarbeiter handelte.

„Zwangsarbeit war ein Massenphänomen, und es gehörte jahrzehntelang zu den am besten verschwiegenen Verbrechen des NS-Regimes“, erklärte Franz Albert Heinen. Allein in Kall seien die Namen von 218 zivilen Zwangsarbeitern bekannt, von denen einige bei Angriffen umgekommen seien. Polnische Gefangene hätten seit dem Frühjahr 1940 als zivile Zwangsarbeiter arbeiten dürfen, weil man die Lager für andere Kriegsgefangene benötigt habe.

Heinen regte an, einen Stolperstein für Fabijański zu verlegen, was die Gemeinde aber ohnehin schon geplant hat. Auch ein Mahnmal oder eine Erinnerungstafel für die Zwangsarbeiter sei nötig. Abschließend trugen sich die Gäste ins Goldene Buch der Gemeinde ein und besuchten die Orte, an denen Fabijański gearbeitet hatte, wo er gestorben war und wo er beerdigt war und ist. Da konnte dann Übersetzerin Anja Joniec endlich durchatmen, die sehr engagiert war und sonst in Kall einen Kindergarten leitet.