Aus dem Wiederaufbaufonds sollen auch überregionale Projekte zum Schutz vor Hochwasser finanziert werden. Das fordern die Kreise Euskirchen, Ahrweiler und Vulkaneifel.
Brief an MerzWofür Kreis Euskirchen und seine Nachbarn Geld aus Wiederaufbaufonds brauchen

Viele Orte an der Ahr waren schwer von der Flut betroffen. Der Wiederaufbau kostet Milliarden, der Hochwasserschutz ebenso.
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Weil Hochwasser nicht an Kreisgrenzen haltmacht, muss auch der Hochwasserschutz großräumig gedacht – und umgesetzt – werden. Vor diesem Hintergrund haben sich der Euskirchener Landrat Ramers und seine Kolleginnen Cornelia Weigand (Kreis Ahrweiler) und Julia Gieseking (Kreis Vulkaneifel) an den Bundeskanzler gewandt. In einem Schreiben an Friedrich Merz appellieren sie, Geld aus dem Aufbauhilfefonds auch für übergreifende Hochwasserschutzmaßnahmen freizugeben.
Sie fordern keine zusätzlichen Mittel, sondern lediglich, dass das vorhandene Geld anders eingesetzt werden darf. Schon jetzt ist die Förderung aus dem Fonds nicht strikt an den Wiederaufbau gebunden. Allerdings gibt es Geld zum Schutz vor einer erneuten Flut bislang nur für einzelne Objekte.
Das reiche nicht aus, um die Bevölkerung zu schützen, finden die Landräte und verweisen auf die Erfahrungen mit der Flutkatastrophe. Im Juli vor fünf Jahren hatte die Flut vor allem im Süden von NRW und im Norden von Rheinland-Pfalz ganze Landstriche verwüstet. 185 Menschen wurden getötet. Die Spuren der Katastrophe an Gebäuden und Infrastruktur sind in vielen Orten, vor allem an der Ahr, bis heute zu sehen.
Es soll nicht nur ersetzt werden, was bei der Flutkatastrophe zerstört wurde
„Wir dürfen beim Wiederaufbau nicht nur ersetzen, was zerstört wurde. Wir müssen aus der Katastrophe lernen und den Schutz der Menschen konsequent verbessern“, zitiert der Kreis Euskirchen in einer Pressemitteilung Cornelia Weigand. Und das gehe nur, wenn der Hochwasserschutz übergreifend, ohne Rücksicht auf Stadt-, Kreis- oder Landesgrenzen, organisiert werde. Am Hochwasserschutz sind diverse Akteure beteiligt, zwei Beispiele liefert der Kreis Euskirchen für die Erft sowie für Urft und Olef.

Sie haben an Friedrich Merz geschrieben: Julia Gieseking (v.l.), Cornelia Weigand und Markus Ramers.Kreis Euskirchen
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Die Interkommunale Hochwasserschutzkooperation Erft (hwsErft) hat unter Federführung des Erftverbands eine ganz Liste von Regenrückhaltebecken und anderen Maßnahmen an der Erft und ihren Nebenflüssen erarbeitet, die nun Schritt für Schritt umgesetzt werden sollen. Der erste Baustein, der Hochwasserabschlag in den Zülpicher See, ist fast fertig. 18 Kommunen und drei Kreise gehören der hwsErft an – die Vorbildrolle dieser Kooperation wurde gerade auch vom NRW-Umweltministerium gelobt. An Urft und Olef dürfte es zum Jahresende spannend werden.
Nur wenige mögliche Standorte für die neue Talsperre sind noch übrig
Unter Federführung des WVER (Wasserverband Eifel-Rur) gibt es für die Flüsse und ihre unzähligen Nebengewässer auch dort eine Kooperation, zu der sich die Anrainerkommunen und der Kreis mit dem Verband zusammengeschlossen haben.
In wenigen Monaten soll die Machbarkeitsstudie für das Königsprojekt der Hochwasserschutzmaßnahmen in der Region fertig sein: die Platißbach-Talsperre bei Hellenthal. Hier hält sich der WVER mit Details maximal bedeckt, hat bislang lediglich durchblicken lassen, dass weniger als eine „Handvoll poten“zieller Standorte noch übrig sei.
Die Bäche rund um Urft und Olef wurden vermessen
Ebenso ist für das Jahresende die Vorstellung des Hochwasserschutzkonzeptes vorgesehen. 140 Ideen wurden dafür entwickelt, die Bäche sind vermessen, Simulationen werden durchgeführt, und nun steht noch die Priorisierung der möglichen Maßnahmen an.
Der Kreis Euskirchen rechnet für Rückhaltemaßnahmen, die überörtlich wirken sollen, mit Kosten in dreistelliger Millionenhöhe. Im Kreis Ahrweiler gehe es sogar um rund zwei Milliarden. Summen dieser Größenordnung könnten die betroffenen Regionen nicht allein stemmen.
Es geht darum, Leid zu verhindern und unsere Orte widerstandsfähiger zu machen.
„Wenn wir die Menschen im Kreis Euskirchen und darüber hinaus künftig wirksam schützen wollen, brauchen wir überörtliche Lösungen, die dort ansetzen, wo Wassermassen entstehen und zurückgehalten werden können“, so Markus Ramers. Weiter sagt er: „Deshalb muss der Aufbauhilfefonds auch für solche Maßnahmen geöffnet werden. Es geht darum, Leid zu verhindern und unsere Orte widerstandsfähiger zu machen.“
Julia Gieseking nennt den Wiederaufbau eine Generationenaufgabe. Sie könne nur gelingen, wenn Bund, Länder und Regionen gemeinsam handelten und die vorhandenen Mittel so eingesetzt würden, dass sie den größtmöglichen Schutz entfalteten: nämlich für Vorhaben, die nicht nur örtlich die Gefahr verringern, sondern auch im weiteren Verlauf der Bäche und Flüsse Wirkung zeigen.
Nur so könne dem Zweck des Fonds, künftige Schäden zu vermeiden und die investierten Milliarden an Steuergeldern nachhaltig zu schützen, Rechnung getragen werden, heißt es in dem Schreiben an Friedrich Merz. Und schließlich: „Dies sind wir den flutbetroffenen Menschen, aber auch den nachfolgenden Generationen schuldig.“
