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Wasser aus BrunnenNitrat-Grenzwert wurde in jeder dritten Probe aus Zülpich überschritten

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Harald Gülzow analysiert eine Brunnenwasserprobe im Labormobil des VSR-Gewässerschutzes mit einer großen Pinzette.

Das Wasser aus den Zülpicher Brunnen haben Mitarbeiter des VSR, hier Harald Gülzow, untersucht.

Wasserproben aus 48 Brunnen in Zülpich und Umgebung hat der Verein VSR-Gewässerschutz untersucht. Er fordert die Politik zum Handeln auf.

Wasserproben aus 48 Brunnen in Zülpich und Umgebung hat der Verein VSR-Gewässerschutz untersucht. Das Ergebnis: In jeder dritten Probe war der Grenzwert für Nitrat überschritten.

Im Juli hatte der VSR – eine Umweltschutzorganisation mit Sitz in Geldern – auf dem Zülpicher Marktplatz Wasserproben von privaten Brunnenbesitzern entgegengenommen und für jede Probe ein Gutachten erstellt. „Damit möchten wir dazu beitragen, dass im Garten das oberflächennahe Grundwasser genutzt wird und die Trinkwasservorräte geschont werden“, sagt Harald Gülzow, der das Projekt koordiniert.

Hohe Nitratwerte können durch zu viel Düngemittel verursacht werden

Der Grenzwert für Nitrat im Trinkwasser liegt in Deutschland bei 50 Milligramm pro Liter. Bei der Probe aus einem Gartenbrunnen in Müddersheim stellten die Prüfer mit 101 mg einen mehr als doppelt so hohen Wert fest. Bei einem Brunnen in Zülpich ergab der Test 95 mg/l, aus Ülpenich, Dahlem und Linzenich gab es Proben mit 88 mg/l. Nicht ganz so stark belastet, aber ebenfalls über dem Grenzwert waren Wasserproben aus Kirchheim und Lommersum (jeweils 59 mg/l) sowie aus Elsig (52 mg/l).

Nitrat ist eine Stickstoffverbindung, Stickstoff wiederum ein wichtiger Pflanzennährstoff. Der größte Teil des Nitrats im Grundwasser stammt aus Mineraldünger, der nicht von den Pflanzen aufgenommen worden ist. Wie es dazu kommen kann, dass Landwirte unabsichtlich zu viel düngen, erklärt Kreislandwirt Helmut Dahmen am Beispiel dieses Jahres. Im Mai habe es so ausgesehen, als gebe es sehr gute Erträge. Entsprechend haben die Bauern gedüngt, damit viele große Pflanzen genügend Nährstoffe erhalten. Der trockene, heiße Juni habe das Wachstum aber ausgebremst: „Also haben die Landwirte unwissentlich zu viel gedüngt.“

Ein Traktor mit einem Schleppschuhverteiler, mit dem Gülle bodennah ausgebracht werden kann, steht auf einem gepflasterten Hof.

Moderne Maschinen sorgen dafür, dass beispielsweise Gülle zielgerichtet in den Boden gebracht wird.

Interesse, mehr Dünger als nötig aufs Feld zu bringen, habe nicht zuletzt angesichts der Preise kein Landwirt. Moderne Maschinen sorgten außerdem dafür, dass Mineraldünger oder auch Gülle punktgenau und sparsam auf den Acker gebracht wird.

Harald Gülzow sieht das Problem in der Nitratrichtlinie. Bis zum vergangenen Jahr wurden besonders belastete Regionen als „Rote Gebiete“ ausgewiesen, in denen nur unter dem errechneten Bedarf gedüngt werden durfte. Doch nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts hat das Land Nordrhein-Westfalen seine Landesdüngeverordnung im März dieses Jahres erst einmal aufgehoben.

Landwirte fordern Planungssicherheit bei Düngeregeln

Harald Gülzow sagt: „Wir sind fassungslos, wie schlampig die Umsetzung der Nitratrichtlinie angegangen wird.“ Um das Grundwasser zu schützen, müssten mehrere landwirtschaftliche Maßnahmen kombiniert werden. Der VSR-Gewässerschutz fordere den verpflichtenden Anbau von Zwischenfrüchten, außerdem dürfe kein Acker über Winter ohne Bewuchs sein.

„Zwischenfrüchte und Bewuchs sind bei uns längst Standard“, kontert Helmut Dahmen. Beides seien Maßnahmen, die zur Humusbildung und zum Speichern von Wasser beitragen. Zwischenfrüchte nehmen überschüssige Nährstoffe auf, allerdings brauchen auch sie Wasser. Wenn die Politik der Landwirtschaft vorschreibe, dass die Zwischenfrucht bis zum 15. August gesät werden solle, es aber wie in diesem Jahr gerade dann so trocken sei, dass gar nichts wachsen könne, säßen die Landwirte in der Klemme.

Dahmen fordert vielmehr betriebsbezogene Regelungen. Er kritisiert, dass bisher in den „Roten Gebieten“ alle Bauern nur eingeschränkt düngen durften – auch die, die genau dokumentieren konnten, dass sie bedarfsgerecht gearbeitet haben.

Planungssicherheit für Landwirte – das dürfte eine Forderung sein, auf die sich alle Beteiligten einigen können. Die bisherigen Messwerte zeigten, dass die „ständigen Änderungen bei den Düngeregeln“ nicht dazu beigetragen hätten, die Nitratbelastung zu reduzieren, heißt es vom VSR.

Auch der Kreis Euskirchen nimmt die Politik an höherer Stelle in die Pflicht: „Der Bund ist nun gefordert, eine neue, rechtssichere Grundlage für die Ausweisung belasteter Gebiete zu schaffen“, heißt es.

Helmut Dahmen geht davon aus, dass es noch in diesem Jahr neue, vermutlich strengere Regeln geben wird. Dass dann die Nitratwerte rund um Zülpich zügig sinken werden, schließt er aber aus: Je nach Bodenbeschaffenheit könne es bis zu 30 Jahre dauern, bis die Stoffe, die aus den oberen Bodenschichten ausgeschwemmt werden, im Grundwasser landen – oder eben nicht mehr dort landen.


Kreis sieht Handlungsbedarf

Handlungsbedarf in Sachen Nitratbelastung sieht auch der Kreis als Untere Wasserbehörde. Er begrüße es grundsätzlich, dass Brunnenwasser untersucht werde: Solche Analysen könnten dazu beitragen, auf mögliche Belastungen aufmerksam zu machen und das Bewusstsein für den Schutz des Grundwassers zu stärken.

Für eine belastbare Bewertung seien allerdings standardisierte Probenahmen, eine fachgerechte Probenaufbereitung und geeignete Transportbedingungen – vor allem Kühlung – entscheidend. Ansonsten seien die Proben nur eingeschränkt verwertbar, heißt es von der Behörde. Brunnenwasser, das den Grenzwert überschreite, könne weiterhin im Garten zum Gießen verwendet werden.

Teile des Kreises seien „Rotes Gebiet“, vor allem in der Region Zülpich. Die erhöhten Nitratwerte dort seien bekannt, der Handlungsbedarf unstrittig. „Dort bestehen bereits besondere Anforderungen an die Düngung“, heißt es aus der Kreisverwaltung: Außerdem gebe es Kontrollen und Gewässerschutzkooperationen. Da die Proben, die der VSR-Gewässerschutz untersucht habe, aus Zülpich und Umgebung stammten, könnten die Ergebnisse nicht auf das Kreisgebiet übertragen werden.

Bezirksregierung und Lanuk (Landesamt für Natur, Umwelt und Klima) kontrollierten die Messstellen in den belasteten Gebieten mindestens einmal im Jahr.

Bedenken meldet der Kreis noch aus einem anderen Grund an: Die Nitratwerte aus den Brunnenproben sagten nichts über sonstige Belastungen des Wassers – mit Keimen beispielsweise – aus. Zum Trinken oder Kochen benutzen sollte man es ohne weitergehende Untersuchungen nicht.