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Analyse vor OrtExperten sind in Zülpich Schadstoffen im Brunnenwasser auf der Spur

6 min
Aus einem Brunnen tropft Wasser, im Hintergrund sind Häuser und Bäume zu erkennen.

Wasser ist bei der anhaltenden Trockenheit ein knapper werdendes Gut.

Im trockenen Sommer wird zum sparsamen Umgang mit Trinkwasser aufgerufen. Ein Brunnen kann helfen. Experten erklären, was zu beachten ist.

Viel Sonne, kaum Regen – was Sommer-Fans freut, wird für die Natur aktuell zur Belastungsprobe. Das Verbandswasserwerk Euskirchen und die e-regio haben dazu aufgerufen, sparsam mit Trinkwasser umzugehen. Zur Gartenbewässerung soll man möglichst auf gesammeltes Regenwasser zurückgreifen. Da der letzte starke Regen aber schon eine ganze Weile zurückliegt, dürfte dieser Vorrat bei den meisten ziemlich erschöpft sein. Wohl dem, der einen Brunnen hat.

Zwar mache sich die anhaltende Trockenheit auch beim Grundwasserspiegel bemerkbar, berichtet eine Brunnenbesitzerin aus Zülpich. Doch zum Gießen ihrer Gemüsepflanzen reiche es bei ihr noch aus. Um sicher zu gehen, dass sie ihr Brunnenwasser auch genau dafür benutzen kann, hat sie an diesem Dienstagvormittag eine Wasserprobe auf den Marktplatz nach Zülpich gebracht.

Experte empfiehlt die Brauchwasseranalyse

Hier stehen Heinz-Theo van Wickeren und sein Kollege vom VRS-Gewässerschutz und bieten verschiedene Analysen an. Von der ganz schnellen Vorort-Analyse für Nitratwert, Leitfähigkeit und pH-Wert bis hin zur großen Kombi-Wasseranalyse mit Schwermetallanalyse für 159 Euro ist alles dabei.

Van Wickeren empfiehlt fast allen die Garten-Brauchwasseranalyse, die mit 39 Euro zwar deutlich teurer als die schnelle Vorortanalyse ist, allerdings auch auf Bakterien testet. Und das sei gerade dann sinnvoll, wenn das Wasser zum Gießen von Gemüse und zum Befüllen von Planschbecken genutzt werde, so der Experte.

Menschen stehen in einer Schlange vor dem Wagen des VSR-Gewässerschutz, um Proben ihres Brunnenwassers abzugeben.

Vor dem Mobil des Vereins für Gewässerschutz war einiges los.

Heinz-Theo von Wickeren zeigt die Messgeräte im Mobil des VSR-Gewässerschutz.

Kleine Analysen kann Heinz-Theo van Wickeren auch vor Ort durchführen.

Ins Planschbecken steige sie zwar nicht mehr, berichtet die Zülpicherin, aber an heißen Tagen nutze sie das kalte Wasser aus der Erde schon gerne, um sich per Fußbad oder Dusche etwas abzukühlen. Daneben hat der Brunnen für sie aber noch einen anderen Wert: Autarkievorsorge. In Zeiten gefährdeter Infrastruktur sei es ihr wichtig, im Notfall selbst an Wasser zu kommen. Sie habe auch entsprechende Filter, um das Brunnenwasser in Trinkwasser umzuwandeln.

Denn Erhitzen reicht laut van Wickeren dafür nicht aus. „Sie können zwar Bakterien abkochen, aber keine Pestizide oder Chlorkohlenwasserstoffe“, erklärt er. Van Wickeren und seine Kollegen fahren mit ihrem Mobil durch die ganze Republik und bieten die Analysen zum Selbstkostenpreis an – alles ehrenamtlich. Der Verein profitiere dabei von den Daten.

Sie können zwar Bakterien abkochen, aber keine Pestizide oder Chlorkohlenwasserstoffe.
Heinz-Theo van Wickeren

Denn dank der Proben aus vielen heimischen Brunnen könne man sich teure Bohrungen ersparen und habe trotzdem einen guten Überblick über die Belastung des Grundwassers. Außerdem treibe sie als gemeinnütziger Verein noch etwas anders an: „Die Idee ist, dass wir Trinkwasser sparen wollen.“ Und mit den Analysen gebe man den Menschen, die Sicherheit, dass sie ihr Wasser zum Gießen, Planschen oder sogar trinken nutzen können.

Viele wollen Wasser untersuchen lassen

Ein Ehepaar aus Euskirchen macht dies bereits seit 50 Jahren. Die beiden haben überhaupt keinen Wasseranschluss, berichten sie. Eigentlich müsse dann die Kommune jährlich Trinkwasseranalysen von staatlichen Instituten verlangen, sagt van Wickeren. Dazu seien sie noch nie aufgefordert worden, berichten die Eheleute.

Als sie nun bei der Hitze einmal nachgefragt hätten, ob man sie nicht ans Wassernetz anschließen könne, sei man bei der Stadtverwaltung sehr verwundert gewesen, dass das nicht längst passiert sei. Van Wickeren empfiehlt den beiden für die eigene Sicherheit die teurere Trinkwasseranalyse, auch wenn diese bei Behörden kein Gewicht habe, weil sie eben ein gemeinnütziger Verein und kein staatliches Institut seien.

Das Wasser wird bei Bedarf in die Gießkanne gepumpt

Zwischendurch hat sich an dem Mobil eine regelrechte Schlange gebildet. Gerade in ländlichen Randgebieten seien Brunnen durchaus noch üblich, berichtet van Wickeren. Deshalb versuche der Verein, etwa einmal im Jahr irgendwo in der Region Station zu machen. Im vergangen Jahr seien sie beispielsweise in Nideggen gewesen.

Wer an Brunnen denkt, sieht häufig das Bild von einem gemauerten Schacht mit einer eisernen Handpumpe vor seinem inneren Auge. Doch nicht all Brunnen sehen heute noch so aus. Sie habe keinen offenen Schacht und statt einer Handpumpe eine elektrische, mit der sie das Wasser nach Bedarf direkt in die Gießkanne pumpen könne, berichtet die Zülpicher Brunnenbesitzerin. Auch in der Tiefe unterscheiden sich Brunnen, je nach Lage.

Schadstoffe können erst nach Jahren im Brunnenwasser nachzuweisen sein

Grundsätzlich könne man dazu sagen: „Je tiefer, desto besser filtert das Erdreich“, so van Wickeren. Das bedeute aber auch, je tiefer, desto länger dauere es, bis Verunreinigungen im Grundwasser und damit im Brunnen ankommen. So sei es möglich, dass Verunreinigungen durch die Flutkatastrophe 2021 jetzt erst oder sogar erst in ein paar Jahren im Brunnenwasser nachweisbar seien.

Im Grunde beschreiben der Sommer 2021 und der aktuelle Sommer die beiden großen Fragen, um die es in Zukunft laut van Wickeren gehen wird: Wie kann man bei Starkregen Wasser zurückhalten, dass keine Flutwellen entstehen, und wie kann man bei Trockenheit das Wasser länger im Boden halten?

„So einen Platz wie hier sehen wir ungern“, sagt der Experte und deutet auf den großen, versiegelten Marktplatz. Oberflächenwasser könne hier kaum versickern und laufe einfach den Berg hinunter. Aber wer weiß, vielleicht macht es die Stadt Zülpich ja eines Tages Frankreichs Hauptstadt Paris gleich und entsiegelt und begrünt die Fläche. Das würde sicherlich auch den Menschen in heißen und trockenen Sommern helfen. 


Die Nitratbelastung ist ein Problem

Den Verein zum Schutz des Rheins und seiner Nebenflüsse (kurz VSR) gibt es bereits seit mehr als 40 Jahren. Gegründet wurde er laut Heinz-Theo van Wickeren, um die Nitratbelastung von Rhein und Nebenflüssen zu untersuchen, da diese damals sehr hoch waren und ein Problem für den Rhein und in Folge auch die Nordsee darstellten. Mit der Zeit habe sich aber der Arbeitsbereich des Vereins verändert, heute engagiere er sich für den Schutz von Gewässern in ganz Deutschland.

Eine hohe Nitratbelastung ist nach Angaben des Vereins deshalb ein Problem, weil sie langfristig dazu führen, dass das Gewässer sauerstoffärmer wird. „Im Extremfall kommt es zu Todeszonen“, heißt es in einer Mitteilung des Vereins. Dies sei leider in Teilen der Ostsee schon der Fall. Die Ökosysteme in Gewässern seien durch zu hohen Nitratgehalt in Gefahr, und auch für Menschen gebe es Gesundheitsrisiken.

Man fängt wieder an, auf dem Feld Bäume zu pflanzen
Heinz-Theo van Wickeren

Intensive Landwirtschaft ist laut dem Verein Hauptverursacher der Nitratbelastung im Grundwasser, insbesondere durch übermäßigen Einsatz von Dünger auf Ackerflächen. Van Wickeren ist es aber wichtig, nicht mit dem Finger auf die Schuldigen zu zeigen, sondern vor allem nach Lösungen zu suchen.

Ein Ansatz sei Aggro-Forst. „Man fängt wieder an, auf dem Feld Bäume zu pflanzen“, erklärt er das Prinzip knapp. Bäume reduzierten die Verdunstung und Erosion des Bodens. Außerdem könnten sie über ihre Wurzeln viel von dem Nitrat aufnehmen, das sonst im Grundwasser landen würde. Man könne sie zudem so pflanzen, dass man noch mit großen Maschinen daran vorbei passe.