Feuerwehrleute aus dem Kreis Euskirchen trainierten im Flamersheimer Wald mit der Firma Concavallo die Einsätze mit verunfallten Großtieren.
Übung der FeuerwehrPferdedummy „Sam“ wurde in Flamersheim aus jeder Lage gerettet

Zusammen funktioniert es: Mit vereinten Kräften wird „Sam“, der Pferdedummy, aus dem Graben gezogen.
Copyright: Stephan Everling
„Da könnte ich mich dran gewöhnen“, rief die Feuerwehrfrau, als sie von ihren Kameraden auf der Rutschplatte über die Flächen am Flamersheimer Wald gezogen wurde. Dass sie dabei bei „Sam“ saß und darauf achtete, dass seinem Kopf nichts geschah, erhöhte den Spaß wahrscheinlich noch. Denn dies war kein Einsatz auf Leben und Tod, sondern eine Übung, mit der sich die Einsatzkräfte auf eine besondere Lage vorbereiteten: die Rettung von Großtieren.
Wobei Großtier klar definiert ist: „Alles, was größer ist als ein Schäferhund“, so Ausbilder Lutz Hauch. Er ist einer der führenden Fachleute auf dem Gebiet der technischen Großtierrettung und Gründer der Firma „Comcavallo“, die die Feuerwehrleute auf die Einsätze vorbereitet und in der Handhabung der Werkzeuge ausbildet.
Wenn ein Pferd in einen Graben oder eine Kuh in eine Güllegrube fällt und sich nicht selbst aus der Zwangslage befreien kann, stehen die Feuerwehrleute vor einem Problem. Denn zum einen kann die Lage, in der sich das Tier befindet, herausfordernd sein, zum anderen bereitet das Gewicht solch eines Tieres Probleme. 500 Kilo und mehr sind keine Seltenheit, so dass oft mit Körperkraft nichts zu machen ist: Technisches Gerät ist gefragt, und ohne Kran geht oft gar nichts. Zudem geht es um ein Lebewesen, das durch die Rettungsmaßnahmen nicht verletzt werden soll, aber in einer Paniksituation ist, in der es die Einsatzkräfte gefährden kann.
In der Kickzone sollten sich die Tierretter nicht aufhalten
Kickzone heißt das Wort, das nichts mit Fußball zu tun hat. Ganz im Gegenteil ist es die Einsatzkraft, die „gekickt“ wird, wenn das Tier im verzweifelten Versuch, seiner Lage zu entkommen, um sich tritt. Das ist gefährlich und mindestens schmerzhaft, wie jeder bestätigen kann, der schon einmal in Kontakt mit einem Pferdehuf gekommen ist. So lautet dann auch die oberste Prämisse, die Hauch vermittelte: Raus aus der Kickzone.

Enorm wichtig ist es, den Kopf des Tieres zu schützen.
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Den Aufbau des Hebegeschirres erläuterte Ausbilder Lutz Hauch (M.)
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Hauch weiß, wovon er spricht. Zum einen war er Rettungssanitäter und Feuerwehrmann in Alsdorf, zum anderen hat er 25 Jahre mit Problempferden gearbeitet, die sich zum Beispiel weigerten, in einen Hänger verladen zu werden. Er kennt also beide Seiten, was ihn dazu bewogen hat, sich intensiv mit der Rettung von Großtieren aus Notsituationen zu beschäftigen. „Die Nachbarstaaten waren da um einiges weiter als wir“, so Hauch. So ließ er sich in Österreich ausbilden, um dann „Comcavallo“ ins Leben zu rufen, was auf Portugiesisch „Mit Pferden“ bedeutet. „Im ersten Jahr hatten wir vier Kurse, mittlerweile haben wir vier Trainer, die bundesweit ausbilden“, sagte er.
In diesem Jahr gab es laut Hauch bisher bundesweit 304 Einsätze mit Tierrettungen. „Es ist nicht das tägliche Brot“, sagte auch Alexander Rheindorf. Er leitet beim Kreisfeuerwehrverband Euskirchen den Bereich Ausbildung und hat die Veranstaltung ausgearbeitet. Häufig seien derartige Einsätze nicht, doch er erinnere sich an zwei in diesem Jahr im Kreis. So sei das Angebot, eine Fortbildung zur Technik der Rettung von Großtieren anzubieten, auf große Resonanz gestoßen. „Ich musste 15 Kameraden absagen“, so Rheindorf.
20 Feuerwehrleute trainierten mit einem 250 Kilo schweren Holzpferd
Nun waren es 20 Feuerwehrleute aus den verschiedenen Wehren im Kreis, die um „Sam“ standen. Nachdem sie in der Theorie am Vormittag über die verschiedenen Techniken und Hilfsmittel aufgeklärt wurden, durften sie nun mit dem rund 250 Kilogramm schweren Holzpferd die verschiedenen Tricks und Techniken in der Praxis anwenden.

Mithilfe eines Radladers wurde der Pferdedummy in die Höhe gehoben.
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Einen spannenden Übungstag erlebten die Feuerwehrleute.
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Stets präsent als No-go-Area war der Bereich um die Hufe. „Vorsicht, Kickzone!“ Immer wieder war der Ruf der Kameraden zu hören, wenn doch mal jemand im Eifer des Gefechts den Pferdebeinen zu nah kam. Mit langen Haken und Stangen wurden die Gurte unter dem hölzernen Pferdeleib hindurchgezogen, so dass der Dummy mit vereinten Kräften auf eine Platte aus Hartplastik gezogen werden konnte. Wichtig dabei, betonte Hauch immer wieder, dass weder Kopf noch Hufe über den Plattenrand hinausragen, damit beim Transport keine weiteren Verletzungen verursacht werden.
Knifflig wurde es für die Einsatzkräfte bei der Aufgabe, den Dummy aus einem etwa knapp zwei Meter tiefen Graben zu ziehen. Denn als „Sam“ dorthin gebracht wurde, hatte sich ein Stein gelöst, der die schnelle Rettung verhinderte. So musste „Sam“ erst einmal auf die andere Seite gerollt werden, bevor der Körper auf die Platte und schließlich aus dem Graben gezogen werden konnte.
Bei Großtierrettungen herrscht eine große Anspannungen
Auch der Umgang mit einem Hebegeschirr wurde geprobt, mit dem ein Kran oder Radlader ein oft mehrere hundert Kilo schweres Pferd oder Rind in die Höhe heben kann. Hier sei es wichtig, das Tier an der Vorder- und der Rückseite zu sichern, damit der Körper nicht aus den Schlingen rutschen kann, so Hauch.
„Man identifiziert sich mit der Lage und ist beim Erfolg schon erleichtert, auch wenn es eine Übung ist“, sagte Michael Kleisinger aus Weilerswist. Er habe bereits zwei Großtierrettungen erlebt: „Es ist eine enorme psychische Anspannung, egal, ob für Mensch oder Tier.“ Oft seien auch die Besitzer dabei, die ebenfalls unter Druck stehen.
Es sei gut, wenn so etwas geübt werde, denn so eine Situation sei kein Standard, so Martin Fehrmann, Leiter des Amtes für Gefahrenabwehr beim Kreis Euskirchen: „Wir überlegen, die Werkzeuge, die wir heute kennengelernt haben, zu beschaffen.“

