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Zentrum für HolzbauforschungFH Aachen forscht in der Eifel nach neuem Baumaterial

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Ein langer Holzbalken ist in einer großen Werkhalle in ein Prüfgerät eingespannt.

Die Tragfähigkeit von langen Holzbalken kann mit dieser Sonderanfertigung im Prüflabor ermittelt werden.

Das Zentrum für Holzbauforschung der FH Aachen ist im Eifelort Simmerath eröffnet worden. Zum Start kam Ministerin Silke Gorißen.

Wenn es um die Zukunft des Holzbaus geht, dürfen die Dimensionen im neuen Zentrum für Holzbauforschung der FH Aachen (AZH) schon ein wenig größer ausfallen. Alleine acht Meter hoch ist die Zug-Druck-Spindelmaschine, die bis zu 60 Tonnen Gewicht auf die zu testenden Werkstücke ausüben kann. Der mehrere Meter hohe Biegeprüfstand ist für bis zu 15 Meter lange Tragbalken ausgelegt, wie sie im modernen Hallenbau gang und gäbe sind.

Doch der Holzbau befindet sich im Umbruch: Immer wieder gibt es neue Ideen oder Werkstoffe, deren Eigenschaften unbekannt sind. Dagegen fehlen Normen, die im Baubereich unerlässlich sind, bei den neuen Materialien. Umso wichtiger ist die Forschung, die in dem neuen, 16,2 Millionen Euro teuren Gebäude stattfindet. Jetzt wurde es in Anwesenheit der NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen offiziell seiner Bestimmung übergeben.

Der Wandel, den der Klimawandel bereits seit Jahren in der Forstwirtschaft eingeleitet hat, ist vielerorts unübersehbar. Die Fichte, Brot- und Butterbaum der Waldbesitzer und der Standard als Bauholzlieferant, verschwindet allerorten. Stattdessen werden vermehrt Laubholzarten auf eine mögliche Verwendung im Baubereich getestet.

Die Birke kann die Fichte nicht in allen Bereichen ersetzen

So etwa die Birke, die als „Unkraut“ im Waldbau keinen guten Ruf hatte. Schnellwachsend und mit guten Festigkeitswerten, wäre diese Holzart zum Beispiel eine gute Alternative zur Fichte. Aber, so warnt Prof. Wilfried Moorkamp, wie Prof. Leif Arne Peterson Stellvertreter von Prof. Thomas Uibel, der das neue AZH leitet, vor zu großen Erwartungen. Sie sei feuchtigkeitsempfindlich.

Zahlreiche Personen haben sich um Ministerin Silke Gorißen (vorne, Mitte) versammelt, die das symbolische Band zur Eröffnung durchschneidet.

Der Scherenschnitt zur Eröffnung: Volker Stempel (vorne v.l.), Thomas Ritz, Silke Gorißen, Thomas Uibel, Bernd Goffart und Hans-Joachim Blaß.

In der Maschinenhalle des AZH wurde die Eröffnung des Gebäudes gefeiert.

In der Maschinenhalle des AZH (Aachener Zentrum für Holzbauforschung) in Simmerath wurde mit Festgästen die Eröffnung des Gebäudes gefeiert.

Das gilt auch für einen anderen Werkstoff, der zunehmend in den Fokus der Bauwirtschaft gerät: die Baubuche. Dabei handelt es sich um einen Verbundwerkstoff, bei dem mehrere dünne Holzplatten zu einem tragfähigen Balken verklebt werden. „Während normales Bauholz eine Druckfestigkeit von 24 Newton auf den Quadratmillimeter hat, sind es bei der Baubuche 70 bis 80 Newton“, so Moorkamp. Das mache das höhere Gewicht wett und ermögliche große Spannweiten mit kleineren Querschnitten.

In der Halle, in der die großen Fräsmaschinen zur Bearbeitung der Werkstücke stehen, würde das allerdings nicht so ins Auge fallen. „Wir sind hier in der Eifel, wo hohe Schneelasten zu beachten sind“, sagte Moorkamp. Dort, wo das nicht der Fall sei, wären streichholzartige Konstruktionen möglich, die gerade Architekten schön fänden.

Auch die Buche hat ein Problem mit zu viel Feuchtigkeit

Doch auch bei diesem Werkstoff sei Feuchtigkeit ein Problem. „Unsere Vorfahren haben nicht mit Buche gebaut, weil es sich bei Feuchtigkeit verdreht und reißt“, erläuterte der Professor. So hätten beim Bau des AZH die Tragbalken aus Baubuche auch eingepackt werden müssen, bis der Dachdecker fertig gewesen sei.

Da die Fichte aufgrund des Klimawandels wegfalle, werde die Holzbauwelt plötzlich bunt, erklärte Moorkamp. „Wir wissen aber über die anderen Bäume nicht so viel, als dass wir da normativ bauen können. Wir kennen die Werte nicht“, führte er aus. Das müsse erforscht werden, damit diese bunte Welt normativ gegriffen und damit gebaut werden könne.

Von „kaputtmachen“ sprechen die Verantwortlichen des neuen Prüflabors salopp. Das heißt, dass sie testen, welche Belastung die Materialien aushalten können, bevor sie zerstört werden. Die verschiedenen Prüfverfahren könnten allerdings nicht in dem bisherigen Labor an der Bayernallee vonstattengehen, sondern müssten mit den kompletten Werkstücken laufen.

Prüflabor in der Eifel muss für große Werkstücke geeignet sein

„Wir können unseren Werkstoff nicht in kleinen Stücken prüfen“, machte Moorkamp deutlich. Stahl sei an allen Stellen gleich, aber Holz als natürlich nachwachsender Rohstoff habe Unregelmäßigkeiten im Wuchs oder ungleiche Jahresringe. „Wenn wir dann ein Stück rausschneiden und daran Forschung betreiben würden, würden wir völlig falsche Ergebnisse kriegen.“ Dass das Gebäude auf dem Gelände des Bildungszentrums BGZ steht, in dem das Handwerk seinen Nachwuchs ausbildet, ist kein Zufall. Über 50 Prozent betrage die Quote der Studierenden, die bereits eine Berufsausbildung hätten, betonte Uibel.

„Wir haben dort die Forschung und hier die Praxis“, zeigte sich Marco Herwartz, Präsident der Handwerkskammer, von der guten Zusammenarbeit mit der Fachhochschule begeistert, als er die Ministerin und ihre Begleitung in die Nachbarhalle führte, in der die Zimmerleute an einer Fräsmaschine ausgebildet werden, die noch vor kurzem der FH Aachen gehörte.

FH Aachen will auch Handwerker für ein Studium begeistern

„Die können jetzt Auszubildende und Studierende benutzen“, so Prof. Thomas Ritz, Rektor der FH. Die Studenten könnten hier Entwürfe im Maßstab 1:1 realisieren, was auch immer wieder Aha-Erlebnisse zur Folge habe. „Am Rechner hat das aber viel kleiner ausgesehen“, zitierte er scherzhaft. Über die Kooperation sollten auch Praktiker aus dem Handwerk für ein Studium im Bereich Holzbau begeistert werden.

„Wir brauchen neue Ideen, neue Verfahren und neue Produkte“, betonte Ministerin Gorißen die Bedeutung des AZH in Zeiten des Klimawandels. Was heute erforscht werde, müsse morgen in der Praxis funktionieren. Aber was die Praxis brauche, müsse auch in der Forschung ankommen.

„Wir sind dabei, den Eifelcampus in Gänze zu entwickeln“, sagte Simmeraths Bürgermeister Bernd Goffart. Neben dem BGZ und dem AZH gehören auch noch die Sekundarschule und andere Bildungseinrichtungen dazu.