Der Waldumbau hat Auswirkungen auf die Bauwirtschaft und Sägewerke – das war Thema im Holzkompetenzzentrum in Nettersheim.
KlimawandelDie Fichte wird nicht leicht zu ersetzen sein – Seminar in Nettersheim

Durch den vermehrten Anbau von Laubbäumen soll der Wald klimagerecht umgestaltet werden.
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Dass es dem deutschen Wald nicht gut geht, ist allgemein bekannt. Wer durch das Bergische Land, das Sauerland oder den Harz fährt, wird die entwaldeten Höhen sehen, auf denen manchmal noch die Gerippe stehen, die die Borkenkäfer übrig gelassen haben. Und angesichts der Hitzerekorde im Juni sieht Christoph Böltz, Leiter des Regionalforstamtes Hocheifel/Zülpicher Börde in Nettersheim, wieder sorgenvoll aus dem Fenster seines Büros auf die vertrocknete Wiese von Pfaffenbenden.
„Die Fichte wird uns wahrscheinlich in den nächsten Jahrzehnten Stück für Stück verlassen, wenn ich diesen gelben Stern am Himmel glühen sehe“, sagt er deutlich. Als Lösung gilt derzeit die Umstellung auf Mischwald durch die vermehrte Anpflanzung von Laubbäumen. Wie das Holz der Laubbaumarten in der Bauwirtschaft verwendet werden kann, war Thema des Seminars „Neue Wege im modernen Holzbau“, das nun im Holzkompetenzzentrum in Nettersheim stattfand.
Der Wald wird sich massiv verändern
Denn der Wald wird sich massiv verändern. Noch sind die Fichtenbestände in den Hochlagen der Eifel halbwegs intakt. Doch ob das so bleiben wird, bezweifelt Böltz: „In den niedrigen Lagen ist schon wieder ordentlich Käfer drin“, sagt er. Zwar seien die Bäume gut mit Wasser versorgt aus dem Winter gekommen, doch was ist, wenn sich das nicht wieder auffüllt?
Den Klimawandel sehen die Forstleute jeden Tag in ihren Revieren. „Das Klima in Deutschland nähert sich mit 4,5 bis 5 Grad durchschnittlicher Temperaturerhöhung immer mehr dem der Mittelmeerregionen an“, erläutert Böltz. Die Sommer in Deutschland seien durchaus warm gewesen, hätten dafür aber auch reichliche Niederschläge geliefert. Doch mittlerweile sei die Tendenz so, dass – genau wie im Mittelmeerraum – im Sommer kaum noch Regen zu verzeichnen sei.
Risiko soll beim Waldumbau gestreut werden
Zwar gebe es auf Sizilien auch Buchenwälder und Eichen, doch die seien genetisch offensichtlich angepasst. „Wir wollen es möglichst im Moment noch mit einheimischen Baumarten machen. Aber das Land hat auch gesagt, wir nehmen Experimentierbaumarten aus anderen Klimazonen, wie zum Beispiel die Libanonzeder“, erläutert Böltz. Das Risiko müsse gestreut werden. Deshalb ist der Landesbetrieb Wald und Holz mit seinem „Team Waldbau“ dabei, den Anbau neuer Arten im Wald zu testen.

Organisierten das Seminar über die Verwendung von Laubholz: Brigitte Atzor (v.l.), Dr. Stefanie Wieland und Christoph Böltz.
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Die anschließende Verwendung, die vor allem im Baubereich stattfindet, ist das Thema des Teams Holzwirtschaft, das Dr. Stefanie Wieland leitet. Sie referierte bei der Fachtagung über Laubholz als neue Rohstoffquelle am Beispiel der Birke. Die Birke steht vor allem als Pionierbaum auf Kalamitätsflächen im Fokus. Doch sie sei deutlich unterschätzt und habe bisher als „Unkraut“ gegolten, sagt Regionalförster Böltz: „Sie wächst etwa so schnell wie die Fichte und hätte im Alter von 40 bis 50 Jahren schon eine für ein Sägewerk verwertbare Dimension“, beschreibt er die Vorteile. Und auch als Bauholz biete sie gute Eigenschaften.
Douglasien werden im Forst mittlerweile dagegen kritisch gesehen. „Wir merken, dass die Douglasie tatsächlich mittlerweile sehr viele kleine Krankheiten durch Pilze und Insekten hat“, sagt er. Sie sei zwar eine empfindliche Baumart, bringe aber auf geeigneten Standorten riesige Massenleistungen.
Sägewerke für Nadelholz können keine Laubhölzer verarbeiten
Was wichtig ist, denn die Wertschöpfungskette in der Holzwirtschaft weist einige Flaschenhälse auf, die die Umstellung auf Laubholz schwierig machen. Aus dem Forst wandert ein Baum nämlich in ein Sägewerk, wo er für die Nutzung passend gemacht und anschließend von der Bauwirtschaft verarbeitet wird. Doch schon bei den Sägewerken wird es schwierig. Denn, so führt Böltz aus: In einem Sägewerk für Nadelholz könnten keine Laubbäume verarbeitet werden. Das sei eine ganz andere Technik. „In unserer Region gibt es kaum noch Laubholzsägewerke“, sagt er. Für die hiesigen Sägewerke sei es vor allem lukrativ, große Mengen an standardisiertem Fichten-Rundholz durch die Sägegatter zu schicken.

Verbundwerkstoffe aus Buchen- und Birkenholz wurden vorgestellt.
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Ein weiteres großes Problem tut sich bei der Verwendung von Laubholz auf dem Bau auf. „Die meisten unserer Baumarten haben gar keine baurechtliche Zulassung, damit darf man gar nicht bauen“, schildert er die Lage. Es müsse dann eine Einzelfallzulassung erkämpft werden. Zum Beispiel gebe es eine Firma, die habe die „Baubuche“ entwickelt, bei der Buchenholzschichten miteinander verleimt würden. Die sei auch für den Bau zugelassen. „Der Vorteil von Buche und Eiche gegenüber der Fichte ist, dass sie viel tragfähiger sind“, so Böltz. Deshalb sei es auch möglich, viel kleinere Dimensionen zu verwenden, was den Werkstoff wiederum für Architekten interessant mache. Allerdings: „Wasser ist ein No-Go, da muss man genau gucken“, warnt Böltz. Doch auch Pappel, Esche und Erle seien interessant für die Verwendung.
Doch die Prozesse für die Zulassung als Bauholz dauern lange, erläuterte Stefanie Wieland. „Es gibt viele Prüfungen, die aufeinander aufbauen, so dass das Verfahren rund zehn Jahre dauert“, sagt sie. Wegen des beschleunigten Klimawandels müsse aber schneller gearbeitet werden. Hilfreich sei dabei das Aachener Zentrum für Holzwirtschaft der FH Aachen, das in wenigen Wochen in Simmerath eröffnet werde. Dort könnten die Realprüfverfahren durchgeführt werden, was die Abläufe beschleunige.
Wenn wir uns heute einbilden, dass wir wüssten, was mit den Bäumen, die wir heute pflanzen, eines Tages passiert, sind wir auf dem Holzweg.
„Wir müssen die gesamte Wertstoffkette auf Laubholz umbauen. Die Systematik vom Wald über die Verarbeiter bis hin zum Holzhandel muss sich erst einmal entwickeln“, beschreibt Böltz die Lage. Zudem sei der Forst bei den Baumarten auf 100 bis 150 Jahre festgelegt. „Wenn wir uns heute einbilden, dass wir wüssten, was mit den Bäumen, die wir heute pflanzen, eines Tages passiert, sind wir auf dem Holzweg“, konstatiert er. Die besten Eichen in Deutschland stünden im Spessart. Die seien aber einst zur Schweinemast gepflanzt würden, nicht zur Holzgewinnung.
Wichtig sei, dass die Branchenteilnehmer ins Gespräch kommen, betont der Regionalförster. Was rund 40 Fachleute, Architekten und Holzverarbeiter taten, indem sie der Einladung zu dem Seminar im Holzkompetenzzentrum in Nettersheim folgten. Referiert wurde dabei auch über die Verwendung von Rundhölzern als Bauelement, wie Böltz sagte. Es gebe mehrere Experten, die postulierten, eine bessere Statik als in einem gewachsenen Baum sei nicht zu finden, weswegen es ein Nachteil sei, den in Bretter zu zersägen. Stattdessen solle direkt der Stamm verwendet werden.
