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Haushalt 2026Das sagen die Bürgermeister im Kreis Euskirchen zur erneut hohen Kreisumlage

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Vor dem Kreishaus steht symbolisch ein Sparschwein.

Der Kreishaushalt und die Kreisumlage ist wieder ein hartes Stück Arbeit. Es wird gespart, wo es nur geht. 

Der Kreishaushalt 2026 sorgt für Spannung: Kommunen kämpfen mit steigender Kreisumlage, Defiziten und struktureller Unterfinanzierung.

Der Entwurf des Kreishaushalts 2026 sorgt trotz einer spürbar sachlicheren Gesprächsatmosphäre erneut für Diskussionen. Zwar blieb der offene Konflikt zwischen Kreis, Städten und Gemeinden, wie er im vergangenen Jahr entbrannte, diesmal aus, die finanzielle Lage bleibt aber angespannt. Zu eng ist das Korsett der kommunalen Haushalte, zu groß die strukturellen Belastungen.

Wie Dahlems Bürgermeister Jan Lembach (CDU) betont, ist auch seine Kommune von der „größten kommunalen Finanzkrise“ betroffen. „Zwar wird sich die Kreisumlage für Dahlem 2026 nicht erhöhen, was grundsätzlich positiv ist“, so Lembach: „Doch die stetig steigenden Kosten und neuen Aufgaben führen auch bei uns zu deutlichen Defiziten.“ Dank einer soliden Vermögenslage könne Dahlem die Krise vorerst bewältigen, „aber Land und Bund müssen die Städte und Gemeinden künftig deutlich stärker unterstützen“.

Weilerswists Bürgermeister Dino Steuer lobt den Kreis Euskirchen

Weilerswists Bürgermeister Dino Steuer (CDU) zeigt sich mit Blick auf den neuen Haushalt etwas optimistischer. Er lobte, dass der Kreis zentrale Forderungen der Kommunen aufgegriffen habe – etwa den Einsatz eines globalen Minderaufwands und die vollständige Nutzung der Ausgleichsrücklage. „Das ist ein wichtiges Signal zur Entlastung der Stadt- und Gemeindekassen und letztlich auch der Bürgerinnen und Bürger“, so Steuer.

Gleichzeitig mahnt er zu Sparsamkeit und Kontrolle: Überschüsse dürften nicht beim Kreis verbleiben, sondern müssten an die Kommunen zurückfließen. Kritisch sieht Steuer zudem den Personalzuwachs in der Kreisverwaltung. Jede neue Stelle müsse sorgfältig begründet werden. „Sparen heißt nicht nur, weniger Geld auszugeben, sondern auch Aufgaben und Standards zu überprüfen“, betonte er. Trotz unterschiedlicher Auffassungen lobte Steuer die sachliche Zusammenarbeit mit Landrat Markus Ramers: „Bei allen Differenzen bleibt entscheidend, dass Kreis und Kommunen inhaltlich zusammenarbeiten.“

Ziel muss sein, künftige Steigerungen so gering wie möglich zu halten oder ganz zu vermeiden.
Ingo Pfennings, Bürgermeister von Schleiden

Deutlich mahnendere Worte findet Schleidens Bürgermeister Ingo Pfennings (CDU). Auch wenn die Erhöhung der Kreisumlage geringer ausfalle als ursprünglich geplant, sei sie „für viele Kommunen kaum realisierbar“. Die Umlage enge den finanziellen Handlungsspielraum seit Jahren massiv ein und habe vielfach bereits zu Steuererhöhungen vor Ort geführt. „Ziel muss sein, künftige Steigerungen so gering wie möglich zu halten oder ganz zu vermeiden“, so Pfennings.

Er fordert, den sogenannten Globalen Minderaufwand auch in den kommenden Jahren beizubehalten und alle Sparpotenziale konsequent auszuschöpfen. Zugleich mahnte Pfennings, das eigentliche Problem liege tiefer: „Dass von einem Gesamtvolumen von 550 Millionen Euro mittlerweile mehr als 300 Millionen für soziale Leistungen aufgewendet werden müssen, sollte uns als Gesellschaft zu denken geben.“ Die Kommunen allein könnten diese Entwicklung nicht stemmen.

Erste Kreisumlage für Kalls Bürgermeister Emmanuel Kunz

„Geld ist im System vorhanden, aber es wird falsch verteilt“, sagt Pfennings im Gespräch mit dieser Zeitung. Bund und Land müssten deutlich mehr Mittel bereitstellen, um die kommunale Ebene finanziell, personell und digital zu stärken. Die sogenannte Veranlassungskonnexität – also der Grundsatz „Wer bestellt, muss auch bezahlen“ – müsse endlich umgesetzt werden. „Sonst droht das Gesamtsystem irgendwann zu kollabieren“, so der Schleidener Bürgermeister.

Emmanuel Kunz ist seit gut 100 Tagen der Bürgermeister von Kall. Für den Sozialdemokraten ist es also der ersten Kreishaushalt, mit dem er sich aus Verwaltungschef auseinandersetzen muss. „Ich teile die Sicht des Landrats, dass wir vor Ort die strukturelle Unterfinanzierung der Kommunen nicht alleine lösen können. Gemeinsame Forderung von Kreis sowie Städten und Gemeinden an Land und Bund muss sein, dass endlich mehr Geld bei den Kommunen ankommt“, so der Kaller Bürgermeister.

Ich begrüße den Einsatz des globalen Minderaufwands, der auch Sparanreize für die kommunalen Haushalte bietet und den wir in Blankenheim schon lange nutzen müssen.
Jennifer Meuren, Bürgermeisterin von Blankenheim

Es sei ein gutes Zeichen, dass der Kreis nun auch auf das Instrument des Globalen Minderaufwands setze. Auch in der Gemeinde Kall müsse man darauf schon länger zurückgreifen, so Kunz: „Wichtig ist, dass dies auch in der mittelfristigen Finanzplanung berücksichtigt wird. Genau wie bei den Städten und Gemeinden auch, halte ich aber auch eine Aufgabenkritik durch den Kreistag weiterhin für wichtig. Ein Beispiel ist das Kreis-Medienzentrum, wo ich Einsparungen für vertretbar halte.“

Jennifer Meuren, parteilose Bürgermeisterin von Blankenheim, zeigt sich zufrieden mit den Vorschlägen zum Kreishaushalt 2026. „Ich begrüße den Einsatz des globalen Minderaufwands, der auch Sparanreize für die kommunalen Haushalte bietet und den wir in Blankenheim schon lange nutzen müssen“, erklärt Meuren.

Sie unterstützt zudem die Pläne, Aufwendungen dauerhaft zu verringern, und hält die vorgeschlagene Arbeitsgruppe mit Bürgermeistern und Kämmerern für sinnvoll. „So können die Bereiche Schritt für Schritt bewertet und Einsparpotenziale identifiziert werden“, so Meuren. Gleichzeitig warnt sie: „Die Belastung bleibt für uns Kommunen hoch. In Blankenheim werden die Steuererhöhungen zur Hälfte für die Steigerung der Kreisumlage von 25 auf 26 Prozent verwendet.“

Land und Bund sollten etwas gegen strukturelle Unterfinanzierung tun

Die Bürgermeisterin betont, dass die strukturelle Unterfinanzierung der Kommunen ein Problem von Bund und Land sei, das dringend gelöst werden müsse. „Hier stimmen wir mit dem Kreis vollkommen überein“, sagt die Verwaltungschefin.

Wir haben leider nicht das breite Portfolio, mit dem wir große Erträge erwirtschaften oder zusätzliche Einnahmen generieren könnten.
Michael Fingel, Bürgermeister von Mechernich

Michael Fingel, Bürgermeister von Mechernich, sagt, dass der Austausch mit dem Kreis gut funktioniere. „Aber man muss immer zwei Perspektiven sehen: Der Kreis hat die gesamte Region im Blick und eigene Aufgaben zu erfüllen. Wir als einzelne Kommune müssen dagegen mit unseren sehr spezifischen Problemen zurechtkommen“, sagt der Bürgermeister.

Mechernich habe dabei nicht die wirtschaftlichen Möglichkeiten größerer Städte. „Wir haben leider nicht das breite Portfolio, mit dem wir große Erträge erwirtschaften oder zusätzliche Einnahmen generieren könnten. Da sind uns die Hände etwas gebunden“, so Fingel: „Das Konnexitätsprinzip – also „Wer bestellt, bezahlt„ – fehlt mir hier total. Wir werden oft verpflichtet, zusätzliche Aufgaben zu übernehmen, bekommen aber keine Mittel dafür. Das bringt Kommunen wie Mechernich in eine schwierige Lage.“

Trotz aller Herausforderungen will er optimistisch bleiben. „Wichtig ist, dass wir selbstständig bleiben können“, so der Bürgermeister: „Denn nur so behalten wir die Möglichkeit, unsere Zukunft eigenständig zu gestalten.“


550 Millionen Euro an Aufwendungen

Der Haushaltsentwurf 2026 des Kreises beinhaltet Aufwendungen von etwa 550 Millionen Euro. Schwerpunkt des Haushaltes ist der soziale Sektor, der aus Landschaftsumlage, Jugendamtsaufwand und Sozialleistungen wie beispielsweise die Hilfe zur Pflege besteht. Insgesamt werden mehr als 300 Millionen Euro für direkte soziale Leistungen ausgegeben.

Der Kreis verfügt über keine eigenen Steuereinnahmen. Er muss sich, soweit direkte Erträge nicht ausreichen, über die Kreisumlage finanzieren. Diese beträgt in diesem Jahr nach Angaben von Kreis-Kämmerer Ingo Hessenius in Summe rund 227 Millionen Euro.