Wir werfen einen Blick in die närrischen Taschen der Tollitäten und enthüllen, was Prinzen und Jungfrauen wirklich dabeihaben.
Jecker BüggelLippenstift bis Glücksbringer – Tollitäten aus dem Kreis Euskirchen packen aus

Hat nur seinen Autoschlüssel in der Prinzentasche: Prinz Stefan I. (Schmitz) aus Vussem.
Copyright: Tom Steinicke
Es gibt Taschen, die sind echte Wundertüten – und dann gibt es die der Karnevalstollitäten. Während Otto Normaljeck höchstens Taschentücher, Handy und ein paar Kamelle dabei hat, birgt der royale Büggel so manch närrisches Geheimnis. Da schlummern Autoschlüssel neben Lippenstiften, Glücksbringer zwischen Konfetti, und manchmal auch der letzte Rest Würde vom Vorabend.
Was hineinpasst, ist so individuell wie die Tollität selbst – vom minimalistischen Prinz bis zur bestens ausgestatteten Jungfrau mit halber Drogerie im Täschchen. Eines aber haben sie alle gemeinsam: Ohne ihre närrische Notfallausrüstung geht gar nichts.
Vussemer Tollität fährt zu seinen Terminen selbst
Der Vussemer Prinz Stefan I. (Schmitz) ist minimalistisch unterwegs – zumindest was den Inhalt seiner roten Samttasche angeht, die an seinem Ornat baumelt. Lediglich seinen Autoschlüssel hat die Tollität in der Täsch. „Ich trinke keinen Alkohol und fahre daher immer selbst zu den Terminen“, sagt Stefan I. Sehr zur Freude seiner Adjutanten. Denn anders als bei vielen Tollitäten üblich, tauscht der Prinz die Rollen – zumindest, was den Fahrdienst angeht.
Alles zum Thema Kölner Dreigestirn
- Karnevalszug in Bergisch Gladbach Wenn Gläbbisch zum jecken Puppenspiel wird
- Fastelovend in Rösrath Trotz Brand auf der Zugstrecke feierten Forsbacher ausgelassen
- Karnevalszug Beim Zoch in Overath gab es viel Klopapier für den US-Präsidenten
- Niehler Zoch Buntes Treiben mit knappem Ende für den Prinzenwagen
- Porzer Sonntagszoch Kamelleregen im Sunnesching
- Karnevalszug Jecke Pudel, Wagenengel und die Hippie-Oma in Niederkassel-Rheidt
- Karnevalszug Der HSV stellt in Heiligenhaus die größte Gruppe
Der Kommerner Prinz Marcel I. (Rühr) hat nicht wirklich viel in seiner kleinen roten Tasche. Mehr als seine Handschuhe und ein Beutelchen mit Konfetti ist da nicht drin. Verteilt werden die bunten Papierschnipsel überall da, wo es geht und erlaubt ist. Zahlreiche dieser vorgepackten Gute-Laune-Beutelchen lagern in der Kommerner Hofburg.

Die Jungfrau der Süetenicher Schlipse mit dem zweiten Sessionsspiegel.
Copyright: Tom Steinicke

Bauer Axel (Hickertz), Prinz Lorenz (Rosewich) und Jungfrau Rollerine (Rolf Henn) von den Eechhörnche mit ihren Inhalten aus den Taschen.
Copyright: Tom Steinicke

Arloff-Kirspenichs Prinz Tanja I. (Krüger) hat den Lippenstift eingepackt.
Copyright: Tom Steinicke

Taschentuch und Konfetti im Büggel: Kommerns Prinz Marcel I. (Rühr) ist auf gute Laune vorbereitet.
Copyright: Tom Steinicke
Aber ausgerechnet beim Heimspiel wird die Tollität der Greesberger Jecken wohl keinen dieser Beutel öffnen (dürfen). Laut Zugleiter Thomas Metzen hat man nämlich ein Konfetti-Verbot ausgerufen. „Wenn er es dennoch unters Volk bringen möchte – er weiß, wo der Besen steht“, sagt Metzen mit einem Augenzwinkern. Marcel I. nimmt es sportlich und pragmatisch. „Wahrscheinlich werde ich es keine Zeit haben, weil ich Kamelle werfen werde“, so die Tollität.
Das Dreigestirn der Prinzengarde aus Arloff-Kirspenich ist ebenfalls minimalistisch unterwegs. Während Prinz Tanja I. (Krüger) einen Lippenstift, die Dreigestirnskasse und etwas Schminke dabei hat, haben Bauer Renate I. (von Hülsen) und Jungfrau Nicole I. (Jerhoff) ihr Handy im Beutel verstaut. Ohne Smartphone geht es aber auch nicht bei der Tollität. Prinz Tanja I. hat ihr Smartphone an einer Kordel um den Hals hängen und unter dem Ornat versteckt.
Wir haben natürlich auch einen Glücksbringer dabei. Und Geld – es ist ja nichts umsonst.
Packt das Dreigestirn der „Weyerer Blömche“ – Prinz Annika I. (Meier), Bauer Jenni (Höller) und Jungfrau Larissa (Stolze) – den Inhalt ihrer Büggel aus, gleicht das einem Wühltisch. Konfetti, Kopfschmerztabletten, Haarspängchen, Handcreme, Lippenstift und ein Stofftaschentuch – und das ist noch nicht alles. „Wir haben natürlich auch einen Glücksbringer dabei. Und Geld – es ist ja nichts umsonst“, sagt Prinz Annika I.
Zudem findet sich in jeder Tasche ein Namenspin fürs Glas, damit man auch zu später Stunde nicht durcheinanderkommt. „Neben dem Lippenstift ist auch Puder dabei. Ab und zu muss man sich auch noch mal anmalen“, sagt Jungfrau Larissa mit einem Augenzwinkern.
Sötenicher Jungfrau hat schon einen Handspiegel auf dem Gewissen
Der Sötenicher Jungfrau ist beim Auftritt der Süetenicher Schlipse bei der Sitzung in Glehn ein Missgeschick passiert. „Als ich den Spiegel von einer Hand in die andere wechseln wollte, ist er mir auf die Bühne gefallen“, berichtet Jungfrau Adrien I. (Andreas Breuer). Der Handspiegel zerbrach glücklicherweise nicht in 1000 Teile, sondern nur in elf. Doch auch das soll ja bekanntlich gleich viele Jahre Pech bringen. „Die habe ich in den vergangenen Jahren schon aufgebraucht. Da kann nichts mehr kommen“, sagt die Jungfrau.
Wenn das so ist, dann dürfte der Karnevalszug in Sötenich eine Triumphfahrt werden, denn der geht in dieser Session erstmals am heutigen Samstag. Ab 14 Uhr wird Adrien I. dann eh den (neuen) Spiegel beiseite legen, denn dann werden nur noch Kamelle geworfen.
Wer bei der KG der Ett'schelder Eechhörnche im Jahr 2059 Tollität sein wird? Für Prinz Lorenz (Rosewich) steht fest, dass er es macht – wenn die Gesundheit es irgendwie zulässt mit dann 99 Jahren. Aktuell bildet er mit Bauer Axel (Hickertz) und Jungfrau Rollerine (Rolf Henn) das Dreigestirn, und er war bereits mit 33 schon mal Tollität. Im Büggel hat er weiße Handschuhe und sein Smartphone. Jungfrau und Bauer haben ebenfalls das Handy am Mann und zudem ein paar Pins eingepackt.
Die Flamersheimer Jungfrau Anna (Armin Schabio) hat ebenfalls Pins in der kleinen Tasche. Und einen Lippenstift und Handschuhe. „Ein Handy passt da nicht rein. Man bekommt aber auch nicht mit, wenn es klingelt. Daher ist es besser beim Adjutanten aufgehoben“, so die Flamersheimer Lieblichkeit, die nach eigenem Bekunden ihren Spiegel noch nie hat liegen lassen. Beim Rosenmontagszug dürfte er aber dann freiwillig zu Hause bleiben, denn beim Höhepunkt der Session würde er nur stören.

