Mit einem Rekordprogramm startet am 17. April in Nettersheim die neue Saison der Lit.Eifel. Bis November folgen 26 weitere Veranstaltungen.
FestivalZahlreiche prominente Autoren kommen zur Lit.Eifel in den Kreis Euskirchen

Einer der Höhepunkte der Lit.Eifel im vergangenen Jahr: Papst-Experte Andreas Englisch stellte in der Aula des Hermann-Josef Kollegs in Steinfeld seine gerade erschienene Biografie von Leo XIV. vor.
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Konrad Adenauer wäre am 5. Januar 150 Jahre alt geworden. Das Adenauer-Jahr hat begonnen, und einer seiner gleichnamigen Nachkommen, der Enkel Dr. Konrad Adenauer, ist Mitautor der „Adenauerianer“. Die Porträtsammlung über Zeitgenossen des „Alten“ wird am 23. April in Steinfeld einer der ersten Höhepunkte der diesjährigen Lit.Eifel sein, die am 17. April mit Torsten Woywoods Roman „Mathilde und Marie“ in Nettersheim startet. Insgesamt 27 Autorenlesungstermine stehen in diesem Jahr bei der Lit.Eifel auf dem Programm – Rekord. Die Nordeifel wird wieder zum Leseland.
Der „Spiegel“-Herausgeber und Adenauer-Antipode Rudolf Augstein, Dirigentenlegende Herbert von Karajan oder auch die „Gruppe 47“ werden als Vertreter einer Ära stehen, die ihren Namen von Deutschlands erstem Bundeskanzler und dem gebürtigen Kölner übernommen hat. Adenauer ist im diesjährigen Programm des Festivals auch einer der letzten Termine gewidmet: Holger Löttels Adenauer-Biografie wird am 18. November in Mechernich vorgestellt.
Verantwortliche kündigen noch ein paar Überraschungen an
„Noch nie hatten wir so viele Autorentermine. Und wir haben noch ein paar Überraschungen in petto“, freut sich Margareta Ritter, die Vorsitzende des Vereins, der die Lit. Eifel organisiert. Der Literaturreigen zwischen dem ostbelgischen Büllingen, Monschau, Kall, Blankenheim, Nettersheim, Mechernich und Weilerswist wird dabei wieder von zahlreichen Sponsoren unterstützt, unter anderem vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und der Region Aachen.
Ein solches Angebot von Autoren und ihren literarischen Neuerscheinungen ist in der Region beispiellos. Das konkurrierende „Eifel-Literaturfestival“ in Rheinland-Pfalz ist ungleich kleiner. Ritter und ihr Team setzen dabei durch die Auswahl auch Themenschwerpunkte. Mehrere Autoren stellen zum Beispiel die Frage nach dem Glück und den Wegen dorthin.

Aus ihrem neuen Roman „Fabula Rasa – oder: Die Königin des Grand Hotels“ liest Vea Kaiser am 24. April in Heimbach.
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In einem Dörfchen inmitten der belgischen Ardennen hat Torsten Woywod seinen ersten Roman angesiedelt.
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Sylvie Schenk erzählt von unverhofften Begegnungen in „Erwartung des Glücks“ (8. Mai, Büllingen), Bestsellerautor Carsten Henn („Der Buchspazierer“) in seinem neuen Buch „Sonnenaufgang Nr. 5“ (22. Mai, Nideggen) vom „Geheimnis eines guten Lebens, der Macht der Erinnerung und dem Geschenk der Freundschaft“. Sasa Hanten wird von ihrem „Talent zum Glück“ (9. September, Simmerath) berichten. Glück ist für sie Ergebnis einer Strategie, die auf „Würde im Umgang mit dem Unabänderlichen“ setzt und Lebensformen, „die erst im Denken möglich werden“.
Viele Leser und Leserinnen schätzen bei der Lit.Eifel neben der Belletristik auch die vorgestellten Neuerscheinungen zur Zeitgeschichte. Im vergangenen Jahr war etwa Andreas Englischs Biografie über Papst Leo XIV. in Steinfeld ein großer Publikumserfolg. Aufwühlend dürfte verglichen damit bei der diesjährigen Ausgabe des Literaturfestivals der Abend mit Kaleb Erdmann und seinem autofiktionalen Werk „Die Ausweichschule“ sein: Als Elfjähriger wurde Erdmann 2002 Augenzeuge des Amoklaufs am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt, der 16 Tote forderte. Mehr als 20 Jahre danach greift er das Grauen wieder auf und erzählt aus der Perspektive eines Mitschülers, der den Amoklauf allerdings nicht als Augenzeuge erlebte (29. April, Weilerswist).
Auch der Krieg in der Ukraine ist Thema bei der Lit.Eifel
Der Krieg in der Ukraine und seine Auswirkungen auf eine Familie vor Ort: Das problematisiert Dmitrij Kapitelman in „Russische Spezialitäten“ (22. Juni, Kall): Was macht es mit einer Familie, wenn der Sohn auf der Seite der tapferen Ukrainer in ihrem Verteidigungskampf gegen das russische Militär steht, die Mutter aber Putin verehrt?
Christoph Hein hat sich als Autor der deutsch-deutschen Geschichte einen Namen gemacht. In „Das Narrenschiff“ riskiert er den Überblick: Die Geschichte der DDR von ihren Anfängen aus der Sowjetischen Besatzungszone heraus bis zu ihrem Ende durch den Mauerfall (24. Juni, Roetgen-Rott).
Prof. Dietrich Grönemeyer kommt nach Mechernich
Promi-Alarm verspricht Sachbuchautor Prof. Dietrich Grönemeyer mit „Natürlich altern“. Grönemeyer ist kein Freund der vielen flotten kleinen Helfer, die den natürlichen Alterungsprozess allenfalls herauszögern oder abmildern können. Sein Rezept sind ein „bewusster Lebensstil mit angemessener Bewegung, gesundem Essen, guten sozialen Kontakten und einer aktiven Geisteshaltung, die immer neugierig bleibt“ (16. September, Mechernich).
Ernste Kost, Nachdenkliches, Berührendes und auch Heiteres oder Leichtes prägen die Literaturauswahl der diesjährigen Lit.Eifel. So wird der Kölner Vincent Moissonnier in „Ein Tisch am Fenster“ (1. Juli, Monschau) von seinem Weg aus einfachsten Anfängen zum Sterne-Gastronom erzählen.
Mit Frank Goosen wird es melancholisch: „Lovely Rita“ ist eine Liebeserklärung an die Eckkneipe im Ruhrgebiet. Am Tresen des Biotops „Haus Himmelreich“ treffen sich die Stammgäste zur definitiv letzten Runde: „Haus Himmelreich“ soll schließen. Die Lesung dazu findet am 7. Oktober natürlich in einer Kneipe statt, in der Gaststätte Gier in Kall.
Weitere Veranstaltungen wie der beliebte „Club der toten Eifeldichter“ mit Katja Franke, Ralf Kramp und Manni Lang (5. November, Hürtgenwald) ergänzen das Programm, ebenso Literaturwerkstätten, die 12. Eifeler Buchmesse in Nettersheim und die Verleihung des 13. Eifeler Jugendliteraturpreises. Thema hier: „Hoffen & Träumen“.
Alle Termine, Veranstaltungsorte und Eintrittskarten für die Veranstaltungen der Lit.Eifel gibt es im Internet. Programmflyerwerden in Kürze außerdem in den lokalen Buchhandlungen erhältlich sein.

