Neue UntersuchungImmer noch zu viel Blei im Kinderblut zwischen Mechernich und Kall

Lesezeit 2 Minuten
Verschiedene Gemüsesorten aus dem Garten liegen auf einem Tisch.

Bei Gemüse aus dem eigenen Garten ist in der Bleibelastungszone zwischen Kall und Mechernich mitunter Vorsicht geboten. Foto: Julia Reuß

Zweimal im Jahr werden bei Kindern in der Bleibelastungszone zwischen Mechernich und Kall Blutwerte kontrolliert. Die Untersuchung zeigt eine sinkende Tendenz, die Werte liegen aber noch oberhalb der Referenzen. 

Seit Oktober ist die neu eingerichtete Fachstelle für Umweltmedizin beim Euskirchener Gesundheitsamt nun vollständig besetzt: „Die Personalsuche war nicht ganz einfach, denn Umweltmediziner und Toxikologen sind rar gesät“, berichtet Gesundheitsamtsleiter Christian Ramolla. Der Beschluss zur Einrichtung der Fachstelle war bereits im vergangenen Jahr vom Kreistag gefasst worden.

Erst vor kurzem wurden vom Gesundheitsamt wiederholte Bestimmungen der Blutbleikonzentrationen bei Kindern und deren Angehörigen aus der Bleibelastungszone zwischen Mechernich und Kall ausgewertet. Die Ergebnisse stimmen zuversichtlich:

„Auch wenn die Blutbleikonzentrationen bei fast allen Kindern noch oberhalb der derzeitigen Referenzwerte liegen, zeigt sich erfreulicherweise eine abnehmende Tendenz der Bleikonzentrationen im Blut“, fasst Kreis-Pressesprecher Wolfgang Andres die Ergebnisse der Untersuchungen zusammen.

54 Menschen aus Mechernich und Kall in Dauerbetreuung

Aktuell befinden sich noch 54 Personen in der Dauerbetreuung. „Das sind Kinder und Jugendliche, bei denen in der Studie im Jahr 2021 erhöhte Bleiwerte im Blut festgestellt worden waren, und deren Angehörige“, so Ramolla. Damals waren bei insgesamt 182 Kindern und Jugendlichen erhöhte Bleiwerte registriert worden. „Derzeit werden weitere Blut-Entnahmetermine für den Zeitraum Januar/Februar 2023 geplant“, ergänzt Ramolla, auf Wunsch auch mit individuellen Beratungsgesprächen. Die Familien seien bereits kontaktiert worden.

„Ziel ist es, die Blutbleikonzentrationen zweimal jährlich zu kontrollieren – jeweils im Winter- und im Sommerhalbjahr –, um die beeinflussenden Faktoren noch besser einschätzen zu können“, so der Gesundheitsamtsleiter. Ein Merkblatt zum Thema ist bereits im Internet abrufbar.

Die neue Fachstelle will das Thema Blei auch in Zusammenarbeit mit Kitas und Schulen weiter thematisieren. „Das ist so wichtig wie Händewaschen und Zähneputzen“, sagt Ramolla. Geplant sei zudem eine dauerhafte Sprechstunde zum Thema Bleibelastung für Bürger aus der Bleibelastungszone.


Fachstelle für Umweltmedizin im Kreis Euskirchen

Vier Mitarbeiterinnen sind in der Fachstelle tätig, die unter anderem als Reaktion auf die Ergebnisse der Untersuchung zur Bleibelastung im Blut von Kindern und Jugendlichen im Raum Mechernich und Kall eingerichtet worden war. „Das Thema Blei steht zwar aktuell im Mittelpunkt, es gibt gerade im Hinblick auf den Klimawandel aber noch viele weitere Aufgaben in der Umwelt- und Sozialmedizin“, umreißt Christian Ramolla das Aufgabenspektrum der Fachstelle.

Als Koordinatorin fungiert Katja Ziemann, die als Veterinärin noch ein Studium der Toxikologie abschloss. Eine Humanmedizinerin, die sich in Weiterbildung zur Umweltmedizinerin befindet, und zwei Sozialmedizinische Assistentinnen gehören ebenfalls zum Team der neuen Fachstelle. (thw)

Nachtmodus
KStA abonnieren