Das Land NRW investiert rund 30 Millionen Euro in den Bau einer Schwermetall-Reinigungsanlage für das Wasser des Burgfeyer Stollens.
Blei, Cadmium, ArsenLand NRW zahlt Reinigung des belasteten Stollenwassers in Mechernich

Zwei NRW-Minister beim Ortstermin: Mona Neubaur (Wirtschaft und Klimaschutz, v.l.) und Oliver Krischer (Umwelt) besuchten mit Alt-Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick, Erftverbands-Chef Heinrich Schäfer, Bürgermeister Michael Fingel und Landrat Markus Ramers das Mundloch des Burgfeyer Stollens.
Copyright: Thorsten Wirtz
Das Problem ist seit Jahrzehnten bekannt: Jede Sekunde gelangen über den Burgfeyer Stollen 300 Liter mit Schwermetallen belastetes Wasser in den Veybach. Neben Blei sind das auch Zink, Kupfer, Nickel, Cadmium, Kobalt und Arsen, die dann über Erft und Rhein bis nach Rotterdam gespült werden. Auf rund 60 Tonnen pro Jahr addiert sich dabei die Schwermetall-Last des Veybachs, der ab dem Mundloch des Burgfeyer Stollens als einer der am stärksten belasteten Bäche in Deutschland gilt.
Eine technische Lösung, um die Giftstoffe aus dem Wasser herauszuholen, wurde bereits in mehreren Pilotprojekten erprobt – die Umsetzung scheiterte bislang aber am Geld. Das ist inzwischen vorhanden: Im Dezember 2024 einigten sich das Land NRW und der Erftverband, unweit des Mundlochs des Burgfeyer Stollens eine Schwermetallreinigungs-Anlage zu bauen, um das Wasser zu säubern.
Eigentlich ist es eine Schande, dass dieses Problem so viele Jahrzehnte lang nicht gelöst wurde.
Umweltminister Oliver Krischer und Wirtschafts- und Klimaschutzministerin Mona Neubaur haben nun am Mittwoch den geplanten Standort für die Anlage besichtigt. Es soll die größte ihrer Art in ganz Deutschland werden.
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Schwermetalle gelangen über Veybach, Erft und Rhein in die Nordsee
„Eigentlich ist es eine Schande, dass dieses Problem so viele Jahrzehnte lang nicht gelöst wurde“, bekannte Krischer (Grüne). Dass sich die drei beteiligten Projektpartner jetzt auf eine Zusammenarbeit geeinigt hätten, sei ein wichtiger Schritt zur Beseitigung dieser „Jahrhundert-Altlast“, wie der Minister betonte: „Jedes Kilo Gift weniger ist ein Gewinn für die Umwelt – heute ist demnach auch ein guter Tag für die Nordsee und die Niederländer.“

Rund 300 Liter des mit zahlreichen Schwermetallen belasteten Wassers gelangen pro Sekunde aus dem Stollen in den Veybach.
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Denn erst im vergangenen Jahr habe man ihm bei einem Besuch des Rotterdamer Hafens die Mengen an mit Schwermetall belastetem Schlick gezeigt, die regelmäßig aus dem Hafenbecken herausgebaggert und kostspielig deponiert werden müssen. „Dort ist durchaus bekannt, wo das Gift herkommt – der Name der Stadt Mechernich ist den Niederländern vertraut“, sagte Krischer.
Alt-Bürgermeister Hans-Peter Schick, der sich in seiner 26-jährigen Amtszeit wiederholt für den Bau einer Reinigungsanlage für das Wasser aus dem Stollen eingesetzt hatte, rief in Erinnerung, dass es durchaus die Möglichkeit gegeben hätte, früher zu einer Lösung zu kommen: „Vor zehn Jahren waren wir fast schon einmal so weit.“ Damals habe man sich aber nicht darüber einigen können, wer die laufenden Kosten der Anlage übernehmen solle. „Uns war immer klar, dass man das nicht den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt in Rechnung stellen kann“, so Schick. Er dankte dem Land und den beiden Ministerien, die nun an der langfristigen Lösung beteiligt sind.
Umwelt- und Wirtschaftsministerium übernehmen Bau- und Betriebskosten
Das Land Nordrhein-Westfalen finanziert das Projekt vollständig aus Mitteln beider Ministerien. „Da die Betriebskosten der Behandlungsanlage dauerhaft anfallen und das Projekt in dieser Form einzigartig ist, arbeiten die beiden Landesministerien gemeinsam mit dem Erftverband an einem Vertrag, der Finanzierung, Bau und Betrieb langfristig regelt“, heißt es dazu aus dem Haus der grünen Wirtschaftsministerin. Das Umweltministerium stellt die Finanzierung von Planung und Bau der Anlage sicher, das Wirtschaftsministerium die Finanzierung der Betriebskosten.

Erftverband-Chef Prof. Heinrich Schäfer (l.) rechnet erst im Jahr 2031 mit der Inbetriebnahme der Anlage in Burgfey.
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Das technische Verfahren der geplanten Reinigungsanlage erläuterte René Düppen, Bereichsleiter Abwasser beim Erftverband.
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„Die innovative Wasseraufbereitung ist ein echter Fortschritt für den Umweltschutz und die Lebensqualität der Menschen vor Ort“, sagte Neubaur: „Gemeinsam ermöglichen wir eine zukunftsfähige Lösung für den Burgfeyer Stollen, die weit über die Region hinaus Wirkung entfaltet. Ich freue mich, dass wir mit dem Erftverband einen starken und verlässlichen Partner für die schnelle Umsetzung dieses Projekts gewonnen haben.“
Bereits vor mehr als einem Vierteljahrhundert hatte der Erftverband Versuche unternommen, das Stollenwasser zu reinigen und damit die Schwermetallbelastung zu reduzieren. Laut Erftverbands-Vorstand Prof. Heinrich Schäfer wurden diese Versuche jedoch 1998 eingestellt, bevor man 2011 die Pilotanlage im Bereich Burgfey modernisiert und den Testbetrieb wieder aufgenommen habe. „Auf diesen Erfahrungen basiert jetzt die Planung für die Großtechnik“, erläuterte Schäfer.
Schwermetall-Reinigungsanlage soll bis zum Jahr 2031 fertig sein
Bis zur Inbetriebnahme der Anlage werden jedoch noch einige Jahre vergehen – und entsprechende Mengen belastetes Wasser durch Veybach, Erft und Rhein in die Nordsee fließen. „Wir gehen von einer Inbetriebnahme 2031 aus“, so Schäfer.
Zunächst werden Eisen und Mangan herausgefiltert. Dann werden die anderen Schwermetalle über ein Ionen-Austauschverfahren aus dem Wasser eliminiert.
Nach den Vorarbeiten am Standort folgen die detaillierte technische Planung und die Genehmigungsverfahren für die Anlage. Die Kosten für den Bau werden heute auf rund 30 Millionen Euro geschätzt. Pro Jahr kommen dann Betriebskosten in Höhe von 1,2 Millionen Euro hinzu. Zwei bis drei Mitarbeiter, so Schäfer, seien für den Betrieb der Anlage notwendig: „Aktuell laufen noch Grundstücksverhandlungen mit der Stadt Mechernich. Wenn die Planungen wie beabsichtigt vorankommen, kann bis zum Jahr 2028 mit dem Bau begonnen werden.“
Belastetes Wasser aus dem Stollen wird in zwei Schritten gereinigt
Entstehen soll die Anlage im Bereich der bestehenden Kläranlage in Burgfey sowie auf einem benachbarten Grundstück. Die Reinigung des belasteten Wassers aus dem Burgfeyer Stollen erfolge in zwei Stufen, erläuterte René Düppen, der beim Erftverband als Bereichsleiter Abwasser tätig ist: „Zunächst werden Eisen und Mangan aus dem Wasser über einen Sandfilter herausgefiltert. In einem zweiten Schritt werden dann die anderen Schwermetalle über ein Ionen-Austauschverfahren aus dem Wasser eliminiert“, erklärt der Abwasserexperte.
Dabei kommen sogenannte Ionenaustauscherharze zum Einsatz, spezielle Polymere in Form kleiner Kügelchen, die Ionen aus Flüssigkeiten binden und gegen andere austauschen. „Die giftigen Stoffe werden auf diese Weise an den Harzen gebunden“, so Düppen.
Geprüft werde derzeit noch, ob künftig sogar eine Weiterverwertung der Schwermetalle möglich sei, wusste Mechernichs Bürgermeister Michael Fingel zu berichten – allerdings sei dieses Verfahren aus heutiger Sicht noch nicht wirtschaftlich zu betreiben. Deshalb erfolge wahrscheinlich zunächst eine Deponierung der Giftstoffe.
Burgfeyer Stollen ist ein Relikt aus der Zeit des Bleiabbaus in Mechernich
Der Burgfeyer Stollen wurde Anfang des 19. Jahrhunderts angelegt, um die Gruben des Mechernicher Bleibbergwerks zu entwässern. Der Bergbau reicht in der Region bis in die Römerzeit zurück und prägte Landschaft und Wirtschaft bis in die 1950er-Jahre. Die Schwermetallbelastung des Stollenwassers ist eine der letzten großen ungelösten Altlasten dieser Zeit.
Über den rund 7,5 Kilometer langen Burgfeyer Stollen fließen jährlich etwa zehn Millionen Kubikmeter Wasser aus dem ehemaligen Bergbaugebiet bei Mechernich ab. Dieses Wasser ist durch den geologischen Untergrund der Mechernicher Erzlagerstätte und den Bergbau stark mit verschiedenen Schwermetallen belastet.
Zu den nachgewiesenen Schwermetallen im Stollenwasser gehören Zink, Kupfer, Nickel, Blei, Cadmium, Kobalt und Arsen, die beim Durchströmen des Wassers aus dem Untergrund gelöst werden.
Rund 300 Liter Wasser pro Sekunde fließen in Burgfey das ganze Jahr über aus dem Stollen in den Veybach. Der Gesamteintrag von Schwermetallen wird dabei auf rund 60 Tonnen pro Jahr geschätzt, darunter allein rund 7,5 Tonnen Nickel.
Die Schwermetalle haben einen negativen Einfluss auf die Umwelt, sagen Experten, insbesondere auf das Makrozoobenthos. Dies ist die Gesamtheit der wirbellosen tierischen Organismen in der Wassersohle. Dazu gehören Schnecken, Fadenwürmer, Libellenlarven oder Krebstiere. Von der Reinigung des Wassers sollen künftig der Veybach und die folgenden Gewässer wie Erft und Rhein und letztlich auch die Nordsee profitieren.

