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Innovatives ProjektMikrohäuser in Kommern-Süd als Alternative zum Einfamilienhaus

3 min
Das Modell zeigt zwei Mikrohäuser in Holzbauweise mit begrüntem Dach.

So könnten die beiden in Kommern-Süd geplanten Mikrohäuser aussehen.

Die Kommerner Planer Roswitha und Lukas Latzke stellten ein innovatives Bauprojekt für Kommern-Süd im Mechernicher Fachausschuss vor.

Die Ausgangslage ist klar: Einerseits fehlen in Deutschland aktuell bis zu 1,4 Millionen Wohnungen. Andererseits wird das Bauen immer teurer. Der Baupreisindex zeigt nach Angaben des Statistischen Bundesamts, dass sich die Preise für Wohngebäude im Zeitraum 2010 bis 2025 um 89 Prozent erhöht haben. Die Inflationsrate stieg im gleichen Zeitraum nur um 38 Prozent. Wer trotzdem Wohnraum schaffen will, achtet demnach aktuell ganz besonders auf die Kostenseite.

In Kommern-Süd steht jetzt ein innovatives Bauprojekt in den Startlöchern, das der gegenwärtigen Situation in vielfältiger Weise Rechnung trägt, denn es vereint Aspekte von kostengünstiger Mehrfamilienhaus- und herkömmlicher Einfamilienhausbebauung.

Geplant sind auf einem bislang unbebauten, rund 1680 Quadratmeter großen Wiesengrundstück am Lerchenpfad zwei Wohngebäude mit jeweils vier eigenständigen Wohneinheiten. Vier davon sollen jeweils rund 63 Quadratmeter groß werden, vier weitere rund 85 Quadratmeter. Es handelt sich um Mietwohnungen.

Jede Wohnung verfügt über einen eigenen Zugang

Das Besondere: Jede Wohnung funktioniert wie ein eigenes kleines Haus. Es gibt einen eigenen Zugang, eine eigene Haustür und eine eigene Treppe ins Obergeschoss. Die kleineren Einheiten bieten neben Küche, Wohn- und Essbereich unter anderem ein Schlafzimmer sowie ein weiteres Zimmer, das beispielsweise als Kinderzimmer oder Homeoffice genutzt werden kann. In den größeren Einheiten stehen zwei zusätzliche Zimmer zur Verfügung.

Roswitha und Lukas Latzke stehen nebeneinander an einem Rednerpult.

Roswitha und Lukas Latzke präsentieren ihren Entwurf für zwei Mikrohäuser im Mechernicher Planungsausschuss.

„Jeder geht auf dem Grundstück seinen Weg entlang, schließt seine Haustür auf und geht in sein Haus“, brachte Planerin Roswitha Latzke aus Kommern das Prinzip auf den Punkt, als die das Projekt gemeinsam mit ihrem Sohn Lukas in der jüngsten Sitzung des Mechernicher Stadtentwicklungsausschuss vorstellte. Auf diese Weise soll die Flächeneffizienz eines Mehrfamilienhauses mit dem Wohngefühl eines Einfamilienhauses verbunden werden.

Zeitgemäße Nachverdichtung durch effiziente Flächennutzung

Die kompakte Bebauung sei eine zeitgemäße Form der Nachverdichtung, argumentierte Lukas Latzke: „Dieses Mikrohauskonzept verbindet das Beste aus beiden Welten.“ Es nutze die Fläche ähnlich effizient wie ein Mehrfamilienhaus, bewahre aber in Dimension, Gestaltung und Wohngefühl den Charakter kleiner Häuser. Auf dem Grundstück sollen private Rückzugsräume und gemeinschaftlich nutzbare Flächen miteinander verbunden werden. Jede Mietpartei erhalte eine kleine Terrasse, der übrige Garten soll offen, naturnah und ohne trennende Zäune gestaltet werden. Denkbar sei später auch eine gemeinschaftlich genutzte Grillhütte.

„Die Wiese soll in ihrem Charakter so weit wie möglich erhalten bleiben“, erklärte Lukas Latzke. Wege und andere befestigte Bereiche sollen deshalb nicht asphaltiert oder gepflastert, sondern mit wasserdurchlässigen Wegedecken ausgeführt werden. Das Regenwasser könne dort versickern, wo es fällt.

Insgesamt sind auch 14 Fahrzeugstellplätze vorgesehen. Vier liegen in der Nähe der Wohngebäude, weitere sollen gebündelt am Becherhofer Weg angeordnet werden. Dort sei ein gemeinsamer Carport mit begrüntem Dach geplant. Punktfundamente sollen verhindern, dass die Wurzeln der angrenzenden Bäume durch lange Fundamente oder Mauern beschädigt werden.

Neubauten sollen KfW-40-Standard erfüllen

Auch energetisch wollen Bauherr und Architekten hohe Maßstäbe setzen: Die Gebäude sollen in Holzbauweise mit heimischen Materialien und kurzen Transportwegen errichtet werden. Durch einen hohen Vorfertigungsgrad könnten die Wände innerhalb weniger Tage montiert werden. Angestrebt wird der KfW-40-Standard in Verbindung mit dem „Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude“. Dabei werden nicht allein der spätere Energieverbrauch, sondern auch Baustoffe, Transportwege, Wiederverwertbarkeit und die sogenannten grauen Emissionen über den gesamten Lebenszyklus betrachtet.

Eine zentrale Erdwärmepumpe soll alle acht Wohneinheiten versorgen. Gedämmte Leitungen führen zu kleinen Übergabestationen in den Häusern, sodass jede Einheit Heizung und Warmwasser individuell regeln kann. Die kompakte Bauform spare zusätzlich Energie, erklärte Roswitha Latzke.

Photovoltaikmodule seien ebenfalls eingeplant, stellte Lukas Latzke auf Nachfrage klar. Mindestens 30 Prozent der Dachflächen müssten ohnehin entsprechend genutzt werden. Möglich sei aber eine deutlich größere Anlage. Gründach und Photovoltaik ließen sich kombinieren. Der erzeugte Strom solle sowohl die Gebäude als auch eine öffentliche Schnellladestation versorgen, die einen eigenen Speicher erhalten soll. Läuft alles wie geplant weiter, könnte im kommenden Jahr mit der Realisierung des Bauvorhabens begonnen werden.