Das Quartett „Schlachtplatte“ gastierte im Gymnasium Am Turmhof. Es ging um Verschwörungstheorien, die Bahn, Jens Spahn und andere Politiker.
Kabarett„Schlachtplatte“ widmete sich in Mechernich Spionen, Trump und Trümmerfrauen

Das Quartett „Schlachtplatte“ auf dem „Feldherrenhügel der Verschwörungstheorien“: Gilly Alfeo (v.l.), Sonja Pikart, Chin Meyer und Robert Gries.
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Donald Trump kann man als Kabarettist nicht toppen. Diese ernüchternde Erkenntnis war ein Fazit des Kabaretts „Schlachtplatte“ bei seinem aktuellen Programm „Die Jahresendabrechnung“. Das Quartett gastierte mit seinem Rückblick auf 2025 in der Aula des Gymnasiums Am Turmhof in Mechernich.
Die vier stehen auf einem fiktiven Feldherrenhügel und tun so, als schauten sie durch Feldstecher. Doch in allen Himmelsrichtungen sehen sie nur eins: „Russische Spione!“, erklärt Gilly Alfeo, und er ist damit bei den „Verschwörungstheorien“, die im vergangenen Jahr aus seiner und der Sicht der Kollegen Sonja Pikart, Chin Meyer und Robert Gries eines der Aufregerthemen war.
Warum wird die Kölner Oper so teuer?
Warum der Bahnhof „Stuttgart 21“ nicht fertig wird und drastisch teurer als geplant, warum das auch für die Kölner Oper gilt? Russische Spione sind am Werk. Auch bei der strukturellen Langsamkeit beim BAAINBw (Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr) in Koblenz.
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Warum aber die Deutsche Bahn – seit langem einer der beliebtesten Spottgegenstände der Satiriker im Land – nicht so fährt, wie sie soll, das habe man schlicht den bisherigen Männern an der Spitze zu verdanken. Nun müsse Evelyn Palla als neue Vorstandsvorsitzende der Deutsche Bahn AG wieder aufbauen, was ihre Vorgänger zerstört hätten. „Als Trümmerfrau, das hatten wir schon mal“, mokierte sich Robert Gries.
Nicht alle Pointen zündeten in Mechernich hundertprozentig
In der ausverkauften Aula sorgte auch dies im knapp zweistündigen Programm für Gelächter beim Publikum. Trotz mancher nicht hundertprozentig zündender Pointen – einer etwas derben Andrea-Berg-Parodie zum Beispiel: Häufig passte es eben schon.
Als es aber um die zentrale Figur der Zeitgeschichte seit dem 20. Januar des vergangenen Jahres ging, wurde es eher ernst. Seit seiner erneuten Vereidigung an diesem Tag kommt an Donald Trump nicht nur kein Comedian und Kabarettist mehr vorbei. Doch der amtierende US-Präsident, der Politik „wie ein Türsteher betreibt: Du kommst rein, Du nicht“, so Chin Meyer, verhalte sich derart absurd, dass er die beruflich mit dem Absurden Handelnden wie ihn fast ratlos mache.
Im Gymnasium saß „die geistige Elite Mechernichs“
Wäre Trump, und wie er die Welt sieht, nur Satire – es wäre zu schön, um wahr zu sein. Das ist dem „Schlachtplatte“-Quartett natürlich klar. Auch dem Publikum, das die vier als „die geistige Elite Mechernichs“ bezeichneten ausweislich des Kaufs der Eintrittskarte zur „Jahresendabrechnung“. „Ob das jetzt ein Kompliment ist oder nicht“, sei jedoch unklar, frotzelte Gilly Alfeo.
Die Angesprochenen in den Aula-Sitzreihen nahmen es mit Humor. „Lachen ist gesund“, tröstete Robert Gries. Er und die beiden Kollegen und die Kollegin auf der Bühne hatten schließlich in weißen Arztkitteln den ganzen Abend als eine Art Gruppentherapie für die Insassen einer „geschlossenen Psychiatrie“ angelegt.
Ich bin SPD-Mitglied, und ich muss zugleich Lars Klingbeil toll finden-
So zeigten die selbst ernannten „Fachärzte“, wo sie angeblich den Durchblick hatten: beim Blick etwa auf den „Selfie-Wahn“ oder die zunehmend alle Lebensbereiche beeinflussende Künstliche Intelligenz. „Celina, die neue Therapie-KI der AOK“, gespielt von Sonja Pikart, konnte ihrem „Patienten“ Robert Gries allerdings nicht helfen. Er habe eine „gespaltene Persönlichkeit“, grämte sich der eingebildete Kranke: Er sei „SPD-Mitglied, und ich muss zugleich Lars Klingbeil toll finden“. Da half auch kein von „Celina“ herbeibefohlener Alkohol aus dem Dilemma.
War das beim Publikum noch eher mittelmäßig anschlussfähig, waren Beifall und Gelächter bei anderen Vertretern aus dem Polit-Universum größer: Neben Jens Spahn (CDU) ist offenbar vor allem Markus Söder (CSU) immer für einen Kalauer gut. Der bayerische Ministerpräsident sei etwa mit seiner lautstarken Forderung, einige Bundesländer zusammenzulegen, „wie ein Weißer Hai, der dann als Bismarckhering endet“, so Chin Meyer.
Verglichen damit war anderes fast schon gruselig. Gilly Alfeos Solo zum Thema „Was man noch sagen darf, und was politisch korrekt ist“ entwickelte sich zunehmend beklemmend. Vor lauter vorsorglicher Selbstbeschränkung, um nur ja niemandem auf den Schlips zu treten – „Schlips kann man nicht gendern, oder?“ –, veränderte sich der Kabarettist immer mehr zu einem Mann ohne Eigenschaften.
Am Beispiel des politisch korrekten neuen Pkw wurde es deutlich: Da laufe es am Ende eben auf einen „kleinen Mittelklasse-Hybrid-SUV in Grau“ hinaus, so die Kaufentscheidung. Ein Leben eben ganz nach dem Mantra des risikoarmen, konformen Mittelweges: Nur nicht auffallen, dann kann man auch nicht reinfallen! Was für ein Fazit am Ende eines Jahres.

