Am Euskirchener Bahnhof zeigt die Sicherheitsoffensive von Stadt, Polizei, Bahn und Bundespolizei Wirkung: Die Zahl der Einsätze ist gesunken.
Ein Drittel weniger EinsätzeDas Sicherheitskonzept am Euskirchener Bahnhof zeigt Wirkung

Mit Kombi-Streifen sind verschiedene Behörden seit Oktober am Bahnhof aktiv, um die Sicherheit zu erhöhen.
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Lange galt der Euskirchener Bahnhof als Problemzone. Pöbeleien, Schlägereien, Belästigungen – viele Bürgerinnen und Bürger mieden das Areal, insbesondere am Abend und wenn man nicht unbedingt einen Zug erreichen musste. Seit einigen Monaten hat sich das Bild spürbar und auch sichtbar gewandelt.
Stadt, Polizei, Bundespolizei und Deutsche Bahn haben im Oktober eine Sicherheitsoffensive gestartet, die nun erste Erfolge zeigt: Die Beteiligten berichten inzwischen von weniger Einsätze und einem deutlich verbesserten Sicherheitsgefühl.
Sicherheitsgefühl der Bürger soll gesteigert werden
„Wir wollen, dass sich die Menschen in Euskirchen sicher fühlen“, sagt Polizeihauptkommissar Robert Schmitz, Leiter der Euskirchener Wache. Eine Analyse der Polizei hatte zuvor gezeigt, wie ernst die Lage war: Innerhalb von 14 Monaten registrierten die Beamten 523 Einsätze rund um den Bahnhof – das Spektrum reichte von Ruhestörungen und Belästigungen bis hin zu Körperverletzungen und Drogendelikten.
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„Es handelt sich nicht um schwere Kriminalität, aber die Vielzahl kleiner Vorfälle summiert sich und sorgt dafür, dass viele Menschen den Bahnhof meiden“, hatte Schmitz die Situation zu Beginn der Kampagne skizziert. Besonders Frauen, ältere Menschen und Familien fühlten sich unsicher.
Zahl der Polizeieinsätze am Bahnhof um ein Drittel gessunken
Nach Angaben der Euskirchener Polizei ist die Zahl der Einsätze am Bahnhof gesunken – in den vergangenen vier Monaten um ein Drittel. Als Grund dafür sieht sie das Sicherheitskonzept. Polizei, Stadtverwaltung, Bahn und Stadtverkehr Euskirchen haben die Strategie entwickelt und setzen sie um. Kernpunkte sind sogenannte Kombistreifen, regelmäßige gemeinsame Kontrollgänge von Polizei, Bundespolizei und städtischem Vollzugsdienst.
Zudem werden Hausverbote für Personen ausgesprochen, die wiederholt negativ auffallen. Nach Angaben von Polizeisprecher Franz Küpper sind bisher acht solcher Hausverbote ausgesprochen worden, was durch das Hausrecht der Beteiligten möglich ist. Wer ein Hausverbot missachtet, begeht Hausfriedensbruch und muss nach Angaben der Polizei mit einer Anzeige rechnen.

Die Stadt Euskirchen hat beim Ordnungsamt aufgerüstet.
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Die Sauberkeit am Euskirchener Bahnhof lässt mancherorts zu wünschen übrig.
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Zudem hat die Deutsche Bahn am Euskirchener Bahnhof eine moderne Videoüberwachungsanlage installiert. Nachts wird das Bahnhofsgebäude geschlossen, um die Nutzung als Schlafstätte zu verhindern. Diese Maßnahme hat laut Polizei zu mehr Sauberkeit und Ruhe geführt. „Früher kam es morgens oft zu Streit, weil Menschen geweckt wurden, die dort übernachtet hatten. Das hat sich erledigt“, berichtet der Bezirksbeamte Johannes Lambertz.
Nicht nur in der Statistik der Polizei machen sich die Maßnahmen bemerkbar. Auch bei den Pendlern sorgt die Präsenz der Behörden für ein besseres, subjektives Sicherheitsgefühl. „Gerade in den Abendstunden geht man ein wenig beruhigter durch die Unterführung zum Auto“, sagt etwa Yvonne Altenbach. Seniorin Elisabeth Wonneberger fährt zwar nur selten mit dem Zug, aber auch ihr sind die Beamten, die regelmäßig patrouillieren, aufgefallen. „Man fühlt sich einfach sicherer“, sagt sie. Einen Kritikpunkt hat sie aber: die Sauberkeit rund um den Bahnhof. „Hier liegt schon viel Müll – vor allem in den Ecken“, sagt Wonneberger.
Die Polizei in Euskirchen spürt die Auswirkungen der Maßnahmen
Für die Sauberkeit ist die Polizei nicht zuständig, wohl aber für die Sicherheit. „Man merkt, dass es deutlich ruhiger geworden ist“, sagt Wachleiter Schmitz: „Viele Bürger bedanken sich bei den Kolleginnen und Kollegen für ihre Präsenz.“ Und man könne bei den Kombistreifen durchaus voneinander lernen. Auch das sei ein positiver Effekt der gemeinsamen Arbeit.
Wer sich das Team des Ordnungsamts genauer ansieht, stellt fest, dass sich die Ausrüstung deutlich verändert hat. Der Grund: Die Mitarbeiter sind nicht mehr nur im reinen Ermittlungsdienst, sondern auch als Vollzugsdienst unterwegs. Die persönliche Schutzausrüstung ist an die neuen Anforderungen angepasst, unter anderem gehören Bodycams an der Dienstkleidung dazu. Für die ergänzende Ausstattung sind im Haushalt rund 200.000 Euro eingeplant.
Man merkt, dass es deutlich ruhiger geworden ist.
Die Zusammenarbeit mit der Polizei sowie weiteren Behörden bei den bisher gemeinsam durchgeführten Maßnahmen sei einwandfrei, berichtet Tim Nolden, Pressesprecher der Stadt Euskirchen. Seit September seien unter anderem Gewerbekontrollen in Barbershops, Kiosken und Nagelstudios durchgeführt worden. Darüber hinaus liegen Nolden zufolge Kontrollen im Bereich des Jugendschutzes sowie der Hundehalter weiterhin im Fokus des Ordnungsamtes.
Die verstärkte Präsenz zeige Wirkung, da es weniger Beschwerden der Bürger gebe, so Nolden: „Und problematisches Klientel zieht sich aus dem öffentlichen Raum, wie dem Viehplätzchen oder dem Bahnhofsbereich, zurück.“ Die Polizei ist laut Küpper ebenfalls angetan von der Kooperation: „Wir sind mit dem Verlauf zufrieden. Die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten aus Bundes-, Landespolizei, Stadt und Bahn ist besonders.“
Landrat Markus Ramers lobt die Zusammenarbeit
Landrat Markus Ramers, Chef der Kreispolizei, lobt das Vorgehen: „Das Wichtigste ist, dass die Menschen sich wieder sicher fühlen. Die Zusammenarbeit zwischen Stadt, Bahn, Landes- und Bundespolizei läuft hervorragend.“ Gerade Bahnhöfe seien schwierig, weil viele Zuständigkeiten aufeinandertreffen. „Lange hat jeder auf den anderen geschaut. Erst als wir uns an einen Tisch gesetzt haben, konnten wir ein Konzept entwickeln, das wirklich greift“, so Ramers.
Mehr Personal stehe zwar nicht zur Verfügung, doch durch gezielte Schwerpunkte und konsequente Ansprache auffälliger Personen sei viel erreicht worden. Auch soziale Aspekte werden berücksichtigt. Für Menschen ohne festen Wohnsitz oder mit Suchtproblemen bietet die Stadt Alternativen – etwa die Notschlafstelle oder Suchtberatung. „Das Hausverbot gilt nur für das Bahnhofsareal, nicht für die Züge. Wer fahren will, darf natürlich weiterhin den Bahnsteig betreten“, betont Ramers.
Trotz aller Fortschritte wissen die Verantwortlichen, dass mit einer einmaligen Aktion keine dauerhafte Verbesserung herbeigeführt werden kann. „Natürlich gibt es Verdrängungseffekte“, räumt Ramers ein: „Aber das Ziel bleibt: Der Bahnhof als Eingangstor zur Stadt soll sicher und einladend sein.“ Deshalb werden die Kontrollen fortgeführt, auch im Sommer, wenn mehr Menschen unterwegs sind. „Sicherheit und ein gutes Gefühl im öffentlichen Raum sind keine kurzfristige Maßnahme“, sagt Ramers: „Das bleibt eine dauerhafte Aufgabe und wir bleiben dran.“
Poldi-Döner hat dicht gemacht
Wer aktuell durch die Euskirchener Innenstadt geht, sieht wieder den einen oder anderen Leerstand. An der Bahnhofstraße hat ein Friseur geschlossen. Dafür macht die „Räuberbox“, ein Geschäft für Second-Hand-Kinderkleidung, weiter. Julia Zapp hatte das Projekt zunächst zwei Monate getestet.
Am Klosterplatz hat der Mangal-Döner von Lukas Podolski geschlossen. Und auch im Subway-Restaurant herrscht seit einigen Tagen Ruhe.

