Die Stadt Schleiden war von der Flut stark betroffen und hat beim Wiederaufbau noch viel zu tun: Mit 302 der 466 Projekte wurde noch nicht begonnen.
Fünf Jahre nach der FlutIm Schleidener Rathaus arbeiten alle Fachabteilungen am Limit

Statt Sanierung steht ein Neubau an: Die Brücke in der Dreiborner Straße in Gemünd hat für allerhand Unmut gesorgt.
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Trotz aller Wiederaufbaubemühungen sind die durch die Flut 2021 verursachten Schäden im Schleidener Stadtgebiet noch an vielen Stellen zu sehen. Den Hauptgrund nennt Bürgermeister Ingo Pfennings: „Schleiden gehört mit Bad Münstereifel, Eschweiler und Stolberg zu den von der Flut am stärksten betroffenen Kommunen in Nordrhein-Westfalen. Das ist die größte Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg.“
Mit neun Toten hatte Schleiden in NRW die höchste Zahl an Opfer zu beklagen. Betroffen von der Flut waren vor allem die Orte in der Tallage von Oberhausen und Schleiden über Olef und Nierfeld bis nach Gemünd. „Aber auch in den anderen Orten gab es Schäden, die durch die starken Regenfälle ausgelöst worden waren“, sagt der Bürgermeister. Das zeigt sich auch im aktuellen Wiederaufbauplan der Stadt, in dem 466 Einzelmaßnahmen aufgeführt sind.
Kosten
Die Kosten liegen zurzeit bei knapp 228 Millionen Euro. „Hinzu kommen gut 20 Millionen Euro, die für Präventivmaßnahmen zur Verfügung gestellt wurden“, erklärt Pfennings, und dankt Bund und Land für die „unwahrscheinlich gute Unterstützung“ nach der Flutkatastrophe: „Die Mittel für den Wiederaufbau hätten die betroffenen Kommunen selbst nie aufbringen können.“ Auch die Kosten für die Müllbeseitigung in Höhe von 5,8 Millionen Euro wurden übernommen und weitere 3,2 Millionen als Soforthilfe zur Verfügung gestellt.

Viel Arbeit: Bürgermeister Ingo Pfennings zeigt auf eine Karte, wo alle von der Flut betroffenen Gewässer im Stadtgebiet eingezeichnet sind.
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Die neue Sturmiusbrücke am Markt in Schleiden ist eine von zwei Autobrücken, die bislang fertiggestellt wurden.
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Doch es gibt auch Grund zur Klage: „Dass die Kosten für zusätzliches Personal nicht übernommen werden, ist der größte Fehler beim Wiederaufbau.“ Das Land kenne die Problematik und habe deshalb bereits zweimal Einmalzahlungen bereitgestellt.
Projekte
Mit 302 der 466 Projekte wurde noch nicht begonnen. Bei 42 haben die Planungen begonnen. In der Umsetzung befinden sich 60 Vorhaben, bei 55 läuft die Abrechnung. Ganze sieben Vorhaben wurden bislang abgeschlossen. „56 Millionen Euro wurden bislang ausgegeben“, sagt Pfennings. Die Stadt habe vor allem viele Projekte im Tiefbaubereich, wo Straßen, Kanäle und Gewässerläufe saniert oder auch neu gebaut werden müssen.
Probleme
Für die Sanierung von Brückenbauwerken sind 24 Millionen Euro eingeplant. „Wir müssen 26 Brücken wiederherstellen. Davon sind erst zwei Autobrücken fertig – eine in Oberhausen und eine in Schleiden“, berichtet der Bürgermeister. Angesichts solcher Zahlen könne er verstehen, wenn die Geduld bei dem ein oder anderen erschöpft sei: „Das ist aber auch für uns frustrierend. Gerade bei den Brücken entspricht leider der Aufbau oft nicht dem, was dokumentiert ist.“ Das führe dann zu Verzögerungen.
Aus einer ursprünglich kleinen Sanierungsmaßnahme wurde am Ende ein Neubau.
Das beste Beispiel ist die Brücke an der Dreiborner Straße in Gemünd: „Aus einer ursprünglich kleinen Sanierungsmaßnahme wurde am Ende ein Neubau.“ Ende August 2024 war die Brücke gesperrt worden, um sie in drei Monaten zu sanieren. Rund 450.000 Euro waren dafür im Wiederaufbauplan der Stadt eingeplant. Doch die Beschaffenheit der Brücke war anders als in den Plänen angegeben. Daraufhin musste ein Statiker die Tragfähigkeit des Bauwerks unter die Lupe nehmen. Der kam nach Monaten zu dem Ergebnis, dass die Brücke innerhalb der nächsten fünf Jahre abgerissen werden muss.

Die von der Flut angerichteten Schäden sind im Schleidener Stadtgebiet, wie hier in Gemünd, noch an vielen Stellen zu sehen.
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Provisorien: Die Schleidener Feuerwehr ist am alten Standort seit fünf Jahren in Containern untergebracht.
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„Auch bei den geplanten Neubauten für die Feuerwehr in Schleiden und den Bauhof hakt es“, räumt der Bürgermeister ein. Das liege an den hohen Anforderungen an die Planungen. Manchmal laufe auch die Zusammenarbeit der beteiligten Büros nicht reibungslos. „Die Schleidener Wehr ist seit fünf Jahren in Containern untergebracht. Das ist schon eine lange Zeit.“
„Bei der Brücke in der Pfarrer-Kneipp-Straße in Gemünd war eine Lösung mit zwei Bauwerken vorgesehen gewesen“, so Pfennings. Dem hätten zunächst auch alle beteiligten Behörden zugestimmt. Nach einem Ortstermin habe die Straßenverkehrsbehörde ihre Einschätzung geändert. Nun müssten erst geologische Gutachten für mögliche Umfahrungsstrecken und dann verschiedene Varianten mit Kostenschätzungen erstellt werden.
Warteschleife
„Bei einigen Großprojekten haben wir das Heft des Handelns leider nicht in der Hand“, klagt der Bürgermeister und verweist auf die Polizeiwache Schleiden, das Hotel Friedrichs und das Hotel Eifelkern sowie die Oleftalbahn. „Da können wir kaum Einfluss nehmen. Die Vorhaben haben aber Auswirkungen auf unsere Planungen. So müssen wir vor einer Sanierung des Dorfplatzes in Olef wissen, ob da wieder Gleise hinkommen.“
Erfolge
„Gut 60 Projekte sind fertiggestellt. Dazu gehören das Kunstforum und die Jugendeinrichtung Kolosseum in Gemünd, der Kindergarten und der Sportpark in Schleiden, die Oleftalhalle sowie der Einstiegsbereich in den Gemünder Kurpark.“ Bei all den Projekten hätten die Firmen gut gearbeitet. Manchmal gebe es aber auch erfreuliche Überraschungen: „Die Brücke am Sportplatz in Oberhausen musste laut einem ersten Gutachten eigentlich abgerissen werden. Eine neue Untersuchung besagt nun, dass sie doch saniert werden kann.“
Komplexes Zusammenspiel
Wie aufwendig einige Maßnahmen sind, zeigt ein Blick auf den Sturmius-Park in Schleiden. Dessen Wiederaufbau besteht aus drei Maßnahmen: der Wiederherstellung des Parks und der Spielplatzfläche, dem Aufbau neuer Spielgeräte sowie dem Bodenaustausch. Im angrenzenden Bereich müssen Ufermauern, Böschungen und eine Brücke gebaut und der verrohrte Holgenbach verlegt werden. Bei dem Projekt sind alle Fachabteilungen im Rathaus involviert“, sagt Pfennings. Man werde mit dem Park aber erst Ende des Jahres beginnen, wenn die Arbeiten am Johannes-Sturmius-Gymnasium abgeschlossen seien.
Personal
Die Stadt Schleiden kritisiert schon seit langem, dass der Personalmangel den Wiederaufbau hemmt. Um die Vielzahl von Projekten zu stemmen, brauche die Verwaltung mehr Personal. Doch dafür fehlt das Geld. In einer Resolution an die Vertreter der Landes- und Bundesregierung, die von allen Parteien unterzeichnet wurde, forderte der Schleidener Stadtrat die Übernahme kommunaler Personalkosten für den Wiederaufbau.
„Die Verwaltung hat zurzeit mehr als 200 laufende Baumaßnahmen zu betreuen. Wir müssen nun erst einmal Maßnahmen fertigstellen, ehe wir neue beginnen“, stellt der Bürgermeister fest. Sonst seien die Projekte einfach nicht mehr zu managen. Das gelte für alle Abteilungen im Rathaus: „Wer wie wir viel baut, der sorgt auch beispielsweise für mehr Rechnungen, die alle verbucht und abgerechnet werden müssen.“ Pfennings geht aufgrund der Engpässe beim Personal davon aus, dass der Wiederaufbau frühestens 2035 abgeschlossen sein könnte: „Und das ist schon ein sportliches Ziel.“
Öffentlichkeitsarbeit
„Wir schaffen es trotz aller Bemühungen nicht, alle Informationen über den Wiederaufbau in die Bürgerschaft zu transportieren“, erklärt Pfennings. Die Bürgermeister-Spaziergänge seien gut angekommen. Deshalb seien weitere Informationsveranstaltungen noch in diesem Jahr in Vorbereitung. „Die beiden größten Veranstaltungen sollen in Schleiden und Gemünd stattfinden. Danach sind die anderen betroffenen Orte an der Reihe.“

