Hassan Deldjouye Shahir hat an seinem Geburtstag ein Friedensfest gefeiert. Er macht sich Sorgen um seine Familie, die im Iran lebt.
Flucht vor 63 JahrenSorge um die Familie im Iran trübt Geburtstag und Neujahr in der Eifel

Ein Friedensfest zu seinem 83. Geburtstag, der auf das iranische Neujahrsfest fällt, feierte der Berescheider Hassan Deldjouye Shahir.
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Der 21. März ist für Hassan Deldjouye Shahir ein besonderer Tag. Denn an diesem Tag wird nicht nur in seinem Geburtsland, dem Iran, das Neujahrsfest Nouruz gefeiert, an diesem Tag ist auch sein Geburtstag. Außerdem ist das Datum mit einem besonderen Tag in seinem Leben verbunden: Am 21. März 1963 kam er auf der Flucht aus dem Iran in München an.
Doch in diesem Jahr feiert er mit einem schweren Herzen. Denn in seiner Heimat ist Krieg, Bomben fallen, Menschen sterben. Grund genug für ihn, am iranischen Neujahr und seinem 83. Geburtstag seine Nachbarn und Freunde zu einem Friedensfest einzuladen.
Ich habe heute erfahren, dass es meiner Familie im Iran trotz der Angriffe gut geht. Das ist mein schönstes Geburtstagsgeschenk.
Auch wenn nur wenige Menschen den Weg zu dem Bauernhaus in Berescheid finden, in dem Deldjouye Shahir seit 2011 lebt, für ihn ist es ein besonderer Tag. „Ich habe heute erfahren, dass es meiner Familie im Iran trotz der Angriffe gut geht“, sagt er: „Das ist mein schönstes Geburtstagsgeschenk.“ Überhaupt Nachrichten aus dem Iran zu erhalten, sei in diesen Tagen und Wochen nicht einfach, berichtet er.
Die Telefon- und Internetverbindungen seien von dem Regime unterbrochen worden. Nur zeitweise gelingt es, Kontakt zu Familie und Freunden zu bekommen. Und auch das geschieht zuweilen über Umwege. So war es auch für Deldjouye Shahir mit den Informationen zu seinen Verwandten: „Eine Verwandte aus den USA hat mich heute angerufen und mir diese gute Nachricht mitgeteilt.“
Wegen eines Studentenstreiks geriet er in Lebensgefahr
Mit gerade einmal 20 Jahren sei er aus dem Land geflohen, in dem damals noch Schah Reza Pahlavi regierte, so erzählt er. Der Grund sei gewesen, dass er sich damals an seiner Universität für seine Mitstudenten eingesetzt hatte: „Die mussten unter freiem Himmel schlafen, weil der Universitätspräsident Gelder, die für die Unterbringung der Studenten gedacht war, nicht weitergeleitet hatte.“
Doch auch wenn der Studentenstreik, den er initiierte, letztlich Erfolg hatte – er selbst geriet damit in das Visier der Menschen, die das Geld unterschlagen hatten. „Der Portier der Universität nahm mich beiseite und berichtete, dass der Präsident mich tot sehen wolle“, so Deldjouye Shahir. Auch sein Vater habe ihm geraten, das Land zu verlassen.
Verbindung zur Heimat im Iran riss auch aus Deutschland nie ab
Eine Verbindung nach Deutschland habe bereits existiert, da er auf der deutsch-iranischen Gewerbeschule gelernt hatte, berichtet er. So kam es, dass er nach Deutschland flüchtete und vor nunmehr 63 Jahren in München ankam. Sein Berufsleben verbrachte er als Ingenieur für Haustechnik. In all den Jahrzehnten rissen seine Verbindungen in die Heimat nie ab.
Vor einem Jahr reiste er zu seinen Verwandten – in einer da schon sehr schwierigen und angespannten Situation. Denn heutzutage Widerstand zu leisten sei gefährlicher denn je. „Die Stimmung war miserabel“, berichtet Deldjouye Shahir. Permanent seien Frauen, die sich nicht verschleiern wollten, verfolgt und geschlagen worden. Handys seien kontrolliert worden. „Das Volk will, dass das Regime verschwindet“, so Deldjouye Shahir.
Das Volk hat wenig Geld, es gibt viel Armut.
Doch schon die Protestwellen, die in den vergangenen Jahren immer wieder aufgewogt seien, hätten gezeigt, wie schwierig das sei. Die Machthaber haben sich nach Deldjouye Shahirs Einschätzung auf Verteidigung eingestellt. „Das Volk hat wenig Geld, es gibt viel Armut“, sagt er. Darin sieht er auch einen Protestgrund: Die Preise seien enorm, vieles sei nicht zu bekommen.
Auch in diesen Tagen, an denen Krieg in seinem Vaterland herrscht, hat Deldjouye Shahir den alten persischen Neujahrsritus vollzogen und die „Haft Sin“, die Sieben Dinge mit S, bereitet, die Glück und Gesundheit für das nächste Jahr symbolisieren sollen. Münzen, Hyazinthen, Knoblauch, Äpfel, Essig, Gras und eine Uhr bilden auf einem Tisch in seinem Haus in Berescheid das Neujahrsensemble. 13 Tage wird es dort stehen, bevor es wieder abgeräumt wird.
Er setzt auf die Säulen der Menschlichkeit der persischen Kultur
Doch immer wieder gehen die Gedanken zu der aktuellen Lage im Iran. An diesem Wochenende kursiert etwa die Nachricht, dass die Atomanlage in Natanz angegriffen worden sei. „Wenn die explodiert, werden die arabischen Staaten in der Region verstrahlt“, sagt Deldjouye Shahir besorgt.
Gerne würde er an den Bundeskanzler appellieren, dass der sich noch mehr für das Ende der Kämpfe einsetze. Doch seine Besorgnis ist groß, dass ein echter Wandel im Iran nicht herbeizuführen sei. Er geht davon aus, dass es aussichtslos ist, das Regime der iranischen Mullahs zu stürzen. Denn die Machtbasis der Unterstützer hält er weiterhin für stabil. Eine Ursache dafür sieht er auch in der Historie, in den 1980er-Jahren.
„Im iranisch-irakischen Krieg hatte der Iran wenig Waffen, so dass es viele Verletzte gab“, berichtet er. Diese erhielten vom Staat finanzielle Unterstützung und seien oft mit Privilegien ausgestattet, so dass diese Leute an der Regierung festhalten wollten. „Das ist die Säule der Regierung“, sagt er. Deshalb hält er auch einen Einsatz von Bodentruppen kaum für erfolgversprechend.
„Ich denke oft an die Menschen im Iran“, sagt er. Er sei dagegen, dass die Israelis angegriffen werden, wenn sie feiern und tanzen. Aber für ihn geht es nicht an, dass sein Volk angegriffen und bombardiert wird. Und dann erinnert Deldjouye Shahir an die drei Säulen der Menschlichkeit aus der persischen Kultur: Denke Gutes, sage Gutes und tue Gutes. „Gott möge es richten“, hofft er.

