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Kunst-Forum EifelIn Schleiden-Gemünd dreht sich alles um die Erde

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Die Kuratorin hält einen durchlöcherten Stein, im Hintergrund hängen Bilder an der Wand.

Kuratorin Rena Voss mit einem der „Lieblingssteine“, die Künstlerin Viola Rappaport gegen eine Spende für das Kunst-Forum Eifel an die Besucher verschenkt.

Die Erde ist das zentrale Thema einer Ausstellung im Kunst-Forum Eifel in Schleiden-Gemünd, die am Wochenende eröffnet wird.    

In der dritten der Jahres-Gruppenausstellungen im Kunst-Forum Eifel, die den vier Urelementen gewidmet sind, geht es um die Erde. Arbeiten von insgesamt 55 Künstlern sind ab Sonntag zu sehen. Etwa die Hälfte der Teilnehmer kommt aus der Eifel, die andere Hälfte aus dem Rheinland, aber auch aus Paris und Amsterdam, so Kuratorin und Projektleiterin Rena Voss. Sie hat, um den Kunstcharakter der Schau schon im Titel erkennbar zu machen, das englische „Earth“ für Erde in „eARTh“ umgewandelt.

So wird deutlich, dass es um die Weltsichten der Kreativen im Dialog mit der Erde geht. Etwa um „Mutter Erde“, die Erde als Macht-, Wirtschafts- und Lebensraum, als Quelle von Kultur und Zivilisation. Thema ist aber auch die Ausbeutung und Zerstörung der Erde durch Abbau, Raubbau und Kriege. Alle drei Ausstellungsebenen im hellen und luftigen Kunst-Forum Eifel sind wieder bespielt. Gemälde, Assemblagen, Skulpturen und Installationen wurden von den Kreativen eingereicht.

Wir haben viele Bagger und Trecker hier.
Kuratorin Rena Voss

Und immer wieder ist „Erde“ selbst der Gegenstand einer Arbeit. Dass Erdfarben überall zu sehen sind, ist da nur naheliegend. Ebenso erwartbar ist, dass Erde als Rohstofflager und fruchtbarer Grund und Boden für die Landwirtschaft in einer ländlichen Region wie der Eifel, die an die großen Braunkohletagebaugebiete des Rheinischen Reviers angrenzt, ein Thema ist.

Drei Bilder von zerstörten Gebäuden hängen nebeneinander.

Elke Mank hat in ihrer dreiteiligen „Glaskunst“ Bilder von im Bürgerkrieg zerstörten Städten im Jemen auf Glasscherben gemalt, die übereinander gebrannt wurden.

Ein Schuhspanner dient als Kopf einer hölzernen Figur.

Die „Wächterin der Erde“ von Karin Nassauer ist eine Collage aus einem hölzernen Schuhspanner und einem Holzkeil.

„Wir haben viele Bagger und Trecker hier“, schmunzelt Kuratorin Voss. Mal sind es Bulldog-Spielzeugmodelle, öfter Gemälde und Fotos der Riesenbagger von RWE, die besonders eindrucksvoll bei nächtlicher Betriebsbeleuchtung wirken. Erde ist auch ein umkämpfter Herrschaftsbereich.

Das zeigt die dreiteilige „Glaskunst“ von Elke Mank. Sie hat Fotos von im Bürgerkrieg zerstörten Städten im Jemen auf Glasscherben gemalt, die nach und nach übereinander gebrannt wurden. Die sanft reliefartig gewellten Arbeiten dokumentieren die Zerstörung von Erde als Heimatverlust. Glas selbst ist aber auch ein Produkt der Erde, wenn auch in sublimierter Form: Es entsteht in der Verschmelzung von Quarzsand, Soda und Kalk.

Erdfarben aus der Eifel liegen auf dem Tisch

Die physische Erde ist Gegenstand in den Arbeiten einer ganzen Reihe von Künstlern. Irmelis Hochstetter aus Herzogenrath hat Erdfarben der Eifel gesammelt und auf schmalen, rechteckigen Materialträgern in Reihen auf einen Tisch gelegt. Die Dokumentation changiert zwischen beigefarbenen Sandtönen und dem Schwarz des Vulkangesteins.

Im ersten Obergeschoss, dem zentralen Ausstellungsraum des Kunst-Forums Eifel, hat Bernd Gaspers in Vitrinen Skulpturen aus in der Eifel vorkommenden Gesteinsarten wie Schiefer ausgestellt.

Ein Gedicht ist der Erde gewidmet

Ulrich Rüsenberg thematisiert hier den Aspekt der Erde als Machtfaktor und Ausgangsbasis für technologischen Fortschritt. Seine „Motherboards und Fatherboards“ sind Assemblagen aus den zentralen Leiterplatten verschiedener Computergenerationen. Für die Herstellung der Boards werden nicht nur Edel- und Basismetalle, sondern – wenn auch in geringer Menge – Seltene Erden benötigt.

Die Erde ist in dieser Schau eben vor allem ein die Lebenswirklichkeit bestimmendes Urmaterial. Mythisches Mutter-Erde-Geraune ist die Ausnahme, wie in einem gleichnamigen Gedicht von Viola Kramer, das von einem Chor vertont wurde und als Audiodatei in der Ausstellung gehört werden kann. „Lieblingssteine“, vom Wasser über Jahrtausende ausgehöhlte kleine und größere Kiesel, überlässt Viola Rappaport Interessenten gegen eine Spende zugunsten des Kunst-Forums Eifel.

Eine künstliche Welt im Kleinformat

Kunst kann ein Vergnügen sein, das bewirken auch die putzigen, mit grüngefärbtem Schaumstoff bewachsenen Plexiglashalbkugeln, die Orlando Schnabel auf dem Boden des Kabinetts ausgelegt hat. Man kann die Spitze der größten Kuppel öffnen und blickt in eine künstliche Miniaturwelt: eine ideale Erde, die es aber nur noch künstlich hergestellt gibt.

Auch im großformatigen Gemälde „Terra Incognita“ von Viorel Chirea im Vorraum des Kabinetts ist die Erde im Sinne der Naturkräfte direkt an der Entstehung eines Kunstwerkes beteiligt: Chirea hat Erde und Ölfarbe auf die Leinwand aufgebracht. In dicken Schichten ist eine abstrahierte Erdkugel zu sehen. Dieses „unbekannte Land“ hat Chirea dann Wind und Wetter ausgesetzt.

Leinwand hat sich gedehnt und gewölbt

Das Ergebnis ist ein dichtes Netz aus feinen und groben Rissen und Aufplatzungen der Farbe und der eingearbeiteten Erde. Die Leinwand hat sich unter dem Einfluss von Sonnenlicht und Feuchtigkeit gedehnt und gewölbt. Diesen eigentlich unabschließbaren Verwitterungsprozess hat Chirea für „eARTh“ unterbrochen.

Pure Erde, als Installation arrangiert – diese Form der „Land Art“ hat Marina Linares in ihren „Erd-Ge-Schichten“ im Dachgeschoss gewählt. Sie hat Erdklumpen aus dem unmittelbaren Umkreis des Kunstforums gesammelt, so Rena Voss, und auf einer weißen Bodenplatte sowie an den Wänden verteilt befestigt. Eine Miniaturlandschaft als Spurensicherung.

Bei der nächsten Ausstellung geht es um Luft

„Luft“ wird das übergreifende Thema der abschließenden vierten Gruppenausstellung zum Jahresthema „Die vier Elemente/Urstoffe“ im Kunst-Forum Eifel sein. „Die Ausstellung ist schon ausgeschrieben“, so Rena Voss.

Sarah Schiffer hat in vier Cyranotypien eine Art künstlerischer Vorankündigung geschaffen. Schmale lange Papierfahnen wurden zunächst mit Eisensalzen und Kalium bestrichen und getrocknet. Auf das blaue lichtempfindliche Papier hat sie willkürlich Gräser verstreut.

Ein Schuhspanner wird zum Kunstwerk

Es entstand ein weißer Negativabdruck der Pflanzen. Material aus der Erde, Licht und Luft schufen reine Poesie. Darauf hat die „Wächterin der Erde“ von Karin Nassauer ein Auge. Nassauer hat einen alten Schuhspanner aus Holz mit einem Holzkeil zum Objet Trouvée (ein Alltags- oder Naturgegenstand, den ein Künstler in ein Kunstwerk integriert) verbunden, wie einst Picasso einen Fahrradsattel und Lenker zum Stierkopf.

Hier ist eine auf den ersten schnellen Blick eine rudimentäre Statue, die an eine sitzende Madonna erinnert, entstanden. Eben eine „Wächterin“. Und das dürfte nicht die einzige Überraschung sein, die auf die Besucher von „eARTh“ ab dem kommenden Sonntag im Kunst-Forum Eifel wartet.


Workshops und Führungen

„eARTh“ im Kunst-Forum Eifel: Vernissage ist am Sonntag, 12. Juli, 15 Uhr (musikalische Begleitung: Charlotte Ellinger am Flügel). Die Ausstellung ist bis zum 5. September zu sehen und von Freitag bis Sonntag jeweils von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Weitere oder abweichende Öffnungszeiten werden auf der Homepage mitgeteilt. Zur Ausstellung gibt es ein Rahmenprogramm.

Samstag, 25. Juli, 15-17 Uhr: Cyanotypien. Workshop für Erwachsene mit Sarah Schiffer. Samstag, 1. August, 16-18 Uhr: Naturfarben herstellen und damit malen. Workshop für Erwachsene mit Jana Poensgen. Samstag, 8. August, 15-17 Uhr: Die Erdmännchen sind da! Zeichen- und Malworkshop für Kinder mit Rena Voss. Zu allen Workshops ist eine Anmeldung erforderlich (Kostenbeitrag: 10 Euro pro Person zuzüglich Materialien).

Zwei Führungen werden zur Ausstellung angeboten (Leitung: Kuratorin Rena Voss): Sonntag, 26. Juli, 14-16 Uhr und Sonntag 9. August, 14-16 Uhr (eine Anmeldung ist erforderlich, Teilnahmegebühr: 10 Euro).