Abo

Kölner Band in der EifelRäuber zeigten beim Konzert in Vogelsang ihr ganzes Können

4 min
Der Sänger und ein Gitarrist springen während eines Lieds in die Luft, im Hintergrund weitere Musiker.

Action und Spielfreude zeichneten das Konzert der Räuber im Vogelsang-Kino aus.

Weil das Stadttheater in Euskirchen geschlossen ist, hatten die Räuber ihr Konzert ins Kino Vogelsang verlegt. Sven West bezog das Publikum  ein.  

Von den mit einem deutlichen „Stop“ versehenen Markierungen, die seine Techniker auf der Bühne angebracht hatten, ließ sich Sven West nicht stoppen. Immer wieder sprang er aus der Bühnenbeleuchtung auf die im Dunkel liegende Vorbühne, um im Kino in Vogelsang in direkten Kontakt mit den Räuber-Fans in der ersten Reihe zu kommen.

Schnell hatte er dabei seine Lieblinge ausfindig gemacht, die er wiederholt aufsuchte, sie Liedzeilen ins Mikro singen ließ oder sie, wie die durch die plötzliche Aufmerksamkeit eher peinlich berührte Lea, spontan in die Liedtexte einbaute. „Lea, ein schöner Name, mein Sohn heißt Luke. Oder war es mein Hund?“, scherzte West.

Gute Laune, jede Menge Scherze und Lebensfreude gehören ebenso zum Konzert der Kölner Band Räuber wie die vielen alten und neuen Lieder. Dabei war der große, mehr als 1000 Zuhörer fassende Saal gar nicht   geplant.

Die Reservierung der Sitzplätze ließ sich von Euskirchen nicht übertragen

Denn im Rahmen ihrer „Oben unten“-Deutschlandtour sollten die Räuber eigentlich im Stadttheater in Euskirchen spielen, das mit 772 Sitzplätzen um einiges kleiner ist. Doch da das wegen Statikproblemen weiterhin geschlossen ist, wurde die Veranstaltung in die Eifel verlegt. Letztendlich blieb das Kino etwa zur Hälfte leer.

Und es gab eine weitere Unannehmlichkeit. „Das Problem war, dass man die Sitzplatzreservierungen, die man in Euskirchen gemacht hat, nicht eins zu eins übertragen konnte“, schilderte Gitarrist Andreas „Schrader“ Dorn. Denn Euskirchen sei das einzige Konzert der Tour gewesen, bei dem eine Bestuhlung vorgesehen gewesen sei: „Wir sind angeschrieben worden, ob man nicht auch etwas mit Sitzplätzen machen könne für die Leute, die nicht zweieinhalb Stunden stehen wollten.“ So sei die Verlegung etwas delikat gewesen, doch die Band habe es immer noch besser gefunden als eine Absage.

Der Sänger beugt sich auf der Bühne hinab zu einem Mädchen, das in sein Mikron singt.

Den Kontakt zum Publikum suchte Sven West immer wieder. Hier war die Mitarbeit von Amalia aus Arloff-Kirspenich gefragt.

Sänger Sven West führt die Polonaise an, überwiegend Frauen haben sich ihm angeschlossen.

Zum „Trömmelche“ passte die Polonaise durch den Saal.

Die Fans, die die Fahrt in die Eifel unternommen hatten, wurden reichlich belohnt. Dabei wurde die Frage nach dem Sitzplatz eher sekundär, weil ohnehin die meisten den Abend tanzend und im Stehen verbrachten. Mit viel Spielfreude servierten die Räuber neue Hits und auch ihre Klassiker. Sie zeigten, dass die Band den Generationswechsel von den Gründern zu den aktuellen Mitgliedern bestens überstanden hat.

Sänger Sven West hat sich als Leitwolf der Räuber etabliert

Auch wenn Keyboarder Kurt Feller noch mit auf der Bühne stand – sein Abschied steht mit dem Ende der kommenden Session bereits fest: Er hinterlässt eine Band, deren neue Besetzung eine komplett neue Stilistik und einen eigenen Charakter entwickelt hat. Mit verantwortlich dafür sind Sänger Sven West, der sich deutlich als Leitwolf etabliert hat, und Gitarrist Andreas „Schrader“ Dorn, einst bei Guildo Horn aktiv, die mit ihren musikalischen Fertigkeiten und einer vitalen Bühnenpräsenz der Band ein rockiges Leben eingehaucht haben.

Was sie drauf haben, konnten sie an diesem Abend im Kino in Vogelsang zeigen. Zum Beispiel ihre Freude am gut gesetzten Chorgesang, die sie mit einer A-cappella-Version des Klassikers über die Vögel am Titicacasee oder einem Medley aus umgetexteten deutschen Hits unter Beweis stellten. Da hieß es zum Beispiel „Freibier“ statt „Freiheit“, wie von Marius Müller-Westernhagen einst geschmettert. Auch konnte „Schrader“ gegen Ende des Konzertes zeigen, wie gut er mit seinem Arbeitsgerät umgehen kann, und legte im Stadionrock-Sound einen vor. Dabei wurde die Hörfreude nur unwesentlich durch einen sehr basslastigen Sound beeinträchtigt.

Bei „Oben unten“ holte Sven West in Vogelsang Kinder auf die Bühne

Nicht nur die neuen Hits wie „Weil mer Kölsche sind“ oder „Digga Wigga“ waren zu hören, sondern auch die alten Ohrwürmer, die die neue Besetzung auch schon mal zeitgemäß aufpeppt, wie „Op dem Maat“ oder das unvergängliche „Trömmelche“, bei dem Sven West mit einer Polonaise durch den Saal zog. Bei „Oben unten“ holte er die Kinder, die im Saal waren, auf die Bühne, um mit ihnen Choreo und Refrain zu performen.

„Eine Tour mit 40 Terminen durch Deutschland, das gab es bei den Räubern noch nie“, schwärmte Dorn. Bei den Kurzauftritten auf Festivals oder im Karneval bleibe kaum Zeit zu zeigen, was die Band eigentlich drauf habe. „A cappella – da stehen wir total drauf. Und hier haben wir die Gelegenheit dafür“, sagte er.

„Die neuen Lieder, die die gespielt haben, sind gut, und eines davon schlägt auch ein“, sagte Josef Esser aus Kall nach dem Konzert. Eigentlich seien die Stühle überflüssig gewesen, weil die meisten im Publikum sowieso gestanden hätten. „Es war aber schade, dass das mit der Reservierung von den Sitzplätzen nicht funktioniert hat“, sagte Esser.

„Es war super, sehr authentisch“, sagten Natalie und Silke aus Mechernich. Statt nach Euskirchen seien sie eben nach Vogelsang gefahren. „In Euskirchen hätte es den Vorteil gegeben, dass es möglich gewesen wäre, Getränke mit in den Saal zu nehmen“, monierte Natalie. So hätten sie zweieinhalb Stunden nichts trinken können.

Mit kleinen Geschenken überraschte die Band nach dem Konzert die Fans aufgrund der Unannehmlichkeiten des Umzugs. So gab es signierte Plakate und auch Räuberbier in Dosen.