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Polizeieinsatz mit HubschrauberMassenschlägerei zweier Großfamilien vor Shishabar in Euskirchen

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Das Bild zeigt zahlreiche Menschen, die mutmaßlich an der Schlägerei beteiligt waren. Sie werden von Polizeibeamten bewacht.

Am Montagabend lieferten sich etwa 50 Beteiligte in Euskirchen eine handgreifliche Auseinandersetzung. Auch ein Großaufgebot der Euskirchener Polizei war im Einsatz,

Eine Auseinandersetzung zweier Großfamilien hat in Euskirchen zu einem Großeinsatz der Polizei geführt, der mehrere Stunden dauerte.

Eine Auseinandersetzung zweier Großfamilien hat am Montagabend in der Euskirchener Innenstadt zu einem stundenlangen Großeinsatz der Polizei geführt. Gegen 21.30 Uhr gingen mehrere Notrufe bei der Polizei ein. Die Anrufer berichten nach Angaben von Polizeisprecher Franz Küpper von einer Auseinandersetzung mit zahlreichen Beteiligten vor einer Shisha-Bar.

Die Polizei rückte mit zahlreichen Kräften aus, um die Massenschlägerei in den Griff zu bekommen, darunter waren auch Beamte einer Einsatzhundertschaft. Ebenso kreiste ein Hubschrauber über der Euskirchener Innenstadt, in der mehrere Straßen von der Polizei abgeriegelt worden waren. Als glücklicher Umstand für die Polizei erwies sich, dass für die Euskirchener Beamten gerade der Schichtwechsel anstand und dadurch zahlreiche Kräfte im Bereich der Innenstadt waren.

Massenschlägerei am Abend folgte auf einen Streit vom Nachmittag

Begonnen hatte die Auseinandersetzung mit einem Streit im Bereich der Bergerstraße. Dieser habe sich dann übers Telefon zugespitzt. Nach Angaben der Polizei war es gegen 18 Uhr zu einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen zwei Männern an der Walramstraße gekommen, zu der auch eine Strafanzeige gefertigt wurde.

Gegen 20.30 Uhr führte die Polizei nach eigenen Angaben eine Gefähreransprache mit zahlreichen Personen durch. „Zu diesem Zeitpunkt zeigten sich alle Beteiligten kooperativ“, sagte ein Beamter an der Einsatzstelle.

Die Stimmung kippt etwa eine halbe Stunde später. „Die Stimmung vor Ort war sehr aggressiv", so Polizeisprecher Franz Küpper. Bis gegen 21.20 Uhr hatten sich mehrere Beteiligte in einem Lokal an der Spiegelstraße versammelt. Dort eskalierte die Situation erneut: Nach Angaben der Polizei drangen mehrere Personen in das Ladenlokal ein und beschädigten unter anderem eine Fensterscheibe. Im Zuge der Auseinandersetzungen warf ein 51-jähriger Mann aus Euskirchen einen Metallpfosten in eine Personengruppe und traf hierbei einen 48-jährigen Euskirchener am Kopf. Der Mann wurde verletzt. Der Tatverdächtige wurde unmittelbar durch Polizeikräfte in Gewahrsam genommen.

In der Bar wurde Reizgas versprüht, Polizei stellt Baseballschläger sicher

Wie die Polizei berichtet, wurde auch ein 33 Jahre alter Mann aus der Stäteregion Aachen in Gewahrsam genommen, weil er versucht hatte, mit einem weiteren Metallpfosten auf mehrere Personen einzuschlagen. Das es zu weiteren Verletzten kam, konnten die Polizisten durch ihr schnelles Eingreifen verhindern.

„Erst angesichts unseres massiven Kräfteaufgebots, hat sich die Situation entspannt“, so Polizeisprecher Küpper weiter.  Die Polizei setzte zunächst Dutzende Personen vor Ort fest. Alle Anwesenden, auch die Besucher der Shisha-Bar, wurden nach und nach in einen eigens abgesperrten Bereich geführt. Sie werden durchsucht und die Personalien festgestellt. Einige Beteiligte wurden von den Beamten ins angrenzende Parkhaus geführt, um dort auf Toilette gehen zu können.

Das Bild zeigt zwei Polizisten, die einen Mann in ein Parkhaus führen.

In Begleitung von Polizeibeamten wird ein mutmaßlich an der Schlägerei beteiligter Mann ins Parkhaus geführt, um dort die Toilette nutzen zu können.

Das Bild zeigt Polizeibeamte, die mit einem mutmaßlichen Beteiligten der Schlägerei sprechen.

Zahlreiche Beamte waren in Euskirchen im Einsatz. Sätmliche Personalien der Beteiligten wurden festgestellt.

In ihrer Bilanz am Dienstagmorgen berichtet die Polizei von 64 Personalien, die  festgestellt wurde. Zudem seien mehrere Platzverweise ausgesprochen sowie ein Baseballschläger sichergestellt worden. Nach derzeitigem Erkenntnisstand wurde in der Bar zudem Reizstoff versprüht.

Großfamilie soll auch in Fluthilfebetrug verwickelt sein

Nach Informationen dieser Zeitung soll eine der an der Auseinandersetzung beteiligten Großfamilien auch im Fokus umfangreicher Ermittlungen wegen mutmaßlichen Betrugs mit Fluthilfen stehen. Wie Polizei und Staatsanwaltschaft Bonn vor zwei Jahren mitteilten, wurden im Dezember 2024 knapp 20 Wohnobjekte in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg durchsucht, darunter auch Obkejte in Euskirchen und Mechernich.

Hintergrund ist der Verdacht auf einen millionenschweren Betrug bei Wiederaufbauhilfen nach der Flutkatastrophe im Juli 2021. Nach den Angaben der Staatsanwsltschaft soll darin auch ein deutsch-libanesischer Clan verwickelt sein. Allein in Euskirchen wurden 15 Objekte durchsucht. Die Ermittlungsgruppe „Camillo“ ermittelt seit Januar 2024.

Am Montagabend rückte neben Polizei und Rettungsdienst auch die Euskirchener Feuerwehr zur Einsatzstelle in der Innestadt aus. Nach Informationen dieser Zeitung kontrollierten die Kräfte um Einsatzleiter Markus Neuburg, ob sich das eingesetzte Reizgas durch die Lüftungsanlage des Gebäudes in andere Bereiche verteilt haben könnte. Das war nicht der Fall. In einem Rettungswagen wurde mindestens ein an der Auseinandersetzung beteiligter Mann kurzzeitig behandelt.

Die Polizei berichtet, dass mehrere Strafanzeigen gefertigt wurden, unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, Landfriedensbruchs, Sachbeschädigung und Bedrohung. Die Ermittlungen zu Hintergründen und Beteiligten hat die Kripo Euskirchen übernommen. Zur Sicherung weiterer Beweise bittet die Polizei Euskirchen Zeugen, insbesondere Personen mit Foto- oder Videoaufnahmen der Vorfälle, sich zu melden. Hinweise können auch über das Hinweisportal übermittelt werden. Dort besteht zudem die Möglichkeit, Bild- und Videodateien hochzuladen.

Zudem kündigt die Polizei an, dass die Beamten in den kommenden Tagen verstärkt in der Euskirchener Innenstadt vertreten sein werden.