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Note 2,8In Euskirchen Minuspunkte für Sicherheit und Digitalisierung – Hohe Identifikation

7 min
Das Bild zeigt die Euskirchener Innenstadt aus der Luft. Zu sehen ist unter anderem das Veybach-Center.

Die Stadt Euskirchen erhält überwiegend gute Noten, aber die subjektive Sicherheit bereitet einigen Unternehmen Bauchschmerzen.

Der Wirtschaftsstandort Euskirchen erhält von der IHK die Gesamtnote 2,8. Die subjetive Sicherheit in der Innenstadt wird bemängelt. 

Eine 2,8 steht am Ende unter dem Zeugnis. Befriedigend plus also für den Wirtschaftsstandort Euskirchen. Das ist ordentlich und im Vergleich mit anderen bisher untersuchten Kommunen sogar ein guter Wert. Gleichzeitig zeigt die Befragung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen aber deutlich, wo bei den Unternehmen der Schuh drückt: Die Glasfaseranbindung, kommunale Kosten, Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie die Attraktivität der Innenstadt gehören zu den großen Baustellen.

Das Ergebnis der Industrie- und Handelskammer für Euskirchen

Rund 100 Unternehmer aus Industrie, Handel, Gastgewerbe und Dienstleistung haben für den Standortmonitor insgesamt 31 Kriterien bewertet. Euskirchen schneidet mit 2,8 besser ab als Stolberg und Düren mit jeweils 3,2 sowie Schleiden mit 3,1.

Ein endgültiges Zeugnis soll die Untersuchung allerdings ausdrücklich nicht sein. Nach und nach werden alle 46 Kommunen im IHK-Bezirk untersucht. Die Betriebe bewerten dabei nicht nur ihre Zufriedenheit, sondern auch die Bedeutung der einzelnen Standortfaktoren für das eigene Unternehmen. Je größer die Differenz zwischen beiden Werten ausfällt, desto größer ist aus Sicht der IHK der Handlungsbedarf.

Das Bild zeigt einen Glasfaserkabel-Strang.

Die Unternehmen im Stadtgebiet kritisieren vor allem den schleppenden Ausbau von Glasfaser-Leitungen.

„Euskirchen verfügt über wichtige Standortvorteile und eine hohe wirtschaftliche Dynamik“, sagt Philipp Piecha, Teamleiter Standort und Infrastruktur der IHK Aachen. Der Monitor zeige aber auch, „an welchen Stellschrauben jetzt gearbeitet werden muss, damit die Stadt ihre Entwicklungsmöglichkeiten dauerhaft nutzen kann“.

Glasfaser mit höchster Bedeutung Eine dieser Stellschrauben ist die digitale Infrastruktur. Der Glasfaserausbau erhielt mit 1,2 den höchsten Bedeutungswert aller abgefragten Kriterien. Mit der tatsächlichen Situation sind die Unternehmen deutlich weniger zufrieden. Die digitale Infrastruktur kommt lediglich auf die Note 3,5.

Rund 55 Prozent der Unternehmen verfügen derzeit über einen direkten Glasfaseranschluss. Im kreisweiten Vergleich liegt Euskirchen damit nur auf Platz acht von elf. Für einen Wirtschaftsstandort, an dem Digitalisierung zunehmend über Wettbewerbsfähigkeit entscheidet, sieht die IHK entsprechend großen Nachholbedarf.

Kommunikationsproblem

Auch bei den kommunalen Kosten klaffen Bedeutung und Zufriedenheit auseinander. Gewerbe- und Grundsteuer werden kritisch bewertet. Bemerkenswert ist dabei nach Einschätzung der IHK, dass die Gewerbesteuer in Euskirchen seit 2013 nicht erhöht wurde und im regionalen Vergleich auf einem unterdurchschnittlichen Niveau liegt. Darin sieht die Kammer auch ein Kommunikationsproblem: Es müsse besser vermittelt werden, wofür die Einnahmen eingesetzt werden und welchen Nutzen eine wirtschaftsfreundliche Standortpolitik für die Unternehmen habe.

Mit der Note 3,8 schneiden auch die Planungs- und Genehmigungsverfahren schlecht ab. „Unternehmen brauchen verlässliche und zügige Entscheidungen“, sagt Piecha. Euskirchen sollte alle Möglichkeiten nutzen, „Verfahren zu vereinfachen, frühzeitig abzustimmen und konsequent zu digitalisieren“.

Gewerbeflächen sind ein Pfund

Während andere Städte händeringend nach Gewerbeflächen suchen, kann Euskirchen auf ein vergleichsweise großes Angebot verweisen. Rund 15 Hektar stehen kurzfristig zur Verfügung, weitere etwa 50 Hektar könnten mittelfristig erschlossen werden.

Hinzu kommt die „Prime Site Rhine Region“ zwischen Euskirchen und Weilerswist. Das insgesamt 205 Hektar große Areal am Ipas bietet Potenzial für industrielle Großvorhaben und interkommunale Gewerbeentwicklung. Gerade im Vergleich mit dichter besiedelten Oberzentren wie Aachen seien solche Flächen ein Pfund – ein Pfund, das sich bisher aber noch nicht ausgezahlt hat.

Allerdings könnte sich die Strategie bei der Flächenentwicklung verändern. Statt ausschließlich auf große Ansiedlungen zu setzen, sollen künftig auch kleinere und flexibler zugeschnittene Flächen eine stärkere Rolle spielen. Davon könnten sowohl ansässige Unternehmen mit Erweiterungsplänen als auch neue mittelständische Betriebe profitieren. Kritisch beurteilen die Unternehmen allerdings die Miet-, Pacht- und Grundstückspreise. Sie erhalten jeweils die Note 3,6.

Die Lage bleibt ein Standortvorteil

Zu den großen Stärken Euskirchens gehört die geografische Lage zwischen Aachen, Bonn und Köln und gleichzeitig am Rand der Eifel. Die Nähe zu den Autobahnen A1 und A61 ist ein wichtiger Standortvorteil. Auch die Anbindung an den Schienengüterverkehr und den öffentlichen Personennahverkehr wird positiv bewertet.

Schwächer fällt inzwischen das Urteil über die Bahnanbindung aus. Sie erhält die Note 2,9. Sanierungsarbeiten und weiterhin spürbare Folgen der Flutkatastrophe spielen dabei eine Rolle.

Problem: Subjektive Sicherheit

Ein weiteres Thema ist die Euskirchener Innenstadt. Dort hat sich nach den Flutschäden sichtbar einiges getan. Begrünte Bereiche, zusätzliche Sitzgelegenheiten und Projekte wie die City-Süd wertet die IHK als positive Impulse. Auch die niedrige Leerstandsquote in den 1a-Lagen der Fußgängerzone spricht für eine solide Ausgangslage.

Trotzdem sehen die Unternehmen Verbesserungsbedarf. Besonders kritisch fällt die Bewertung der Sicherheit in der Innenstadt mit 3,8 aus. Dabei geht es vor allem um das subjektive Sicherheitsgefühl, das nach Einschätzung der Beteiligten nicht mit den tatsächlichen Kriminalitätszahlen übereinstimmt.

Für Handel und Gastronomie ist die Wahrnehmung dennoch entscheidend. Wer sich in einer Innenstadt nicht wohlfühlt, kommt möglicherweise seltener oder bleibt kürzer. Auch das Fehlen eines größeren Veranstaltungsortes wie des früheren City-Forums mache sich bemerkbar. Neue Veranstaltungen und ein stärkerer Zusammenschluss der Innenstadtakteure könnten zusätzliche Besucher anlocken. Die IHK empfiehlt zudem, den Branchenmix weiterzuentwickeln und das Leerstandsmanagement zu stärken.

Fachkräfte gesucht

Ein Problem, das Euskirchen mit vielen anderen Standorten teilt, ist der Fachkräftemangel. Sowohl die Verfügbarkeit als auch die Qualifikation von Arbeitskräften bewerten die Unternehmen lediglich mit 3,6.

Dabei gibt es nach Ansicht der IHK durchaus gute Voraussetzungen. Das Berufsbildungszentrum Euskirchen, das Thomas-Eßer-Berufskolleg sowie Hochschul- und Forschungseinrichtungen in der Region bieten Ansatzpunkte, um Nachwuchs auszubilden und Fachkräfte an die Region zu binden.

Tourismus entwickelt sich positiv

Zu den Gewinnern gehört der Tourismus. Die Zahl der Übernachtungen ist im Zehnjahresvergleich um rund 26 Prozent gestiegen. Damit entwickelte sich Euskirchen besser als die Nordeifel, der IHK-Bezirk und Nordrhein-Westfalen insgesamt. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Therme Euskirchen, die Gäste weit über die Region hinaus anzieht. Auch das Naherholungs- und Freizeitangebot gehört zu den Standortfaktoren, die vergleichsweise gut abschneiden.

Attraktive Freizeitangebote sind aus Sicht der Wirtschaft längst mehr als ein touristisches Thema. Sie können auch bei der Gewinnung von Fachkräften eine Rolle spielen. Im Wettbewerb um qualifizierte Beschäftigte wird schließlich auch entscheidend, welche Lebensqualität eine Region bietet.

Verwaltung schneidet gut ab

Vergleichsweise positiv fällt das Urteil über die Euskirchener Stadtverwaltung aus. Kommunikation und Reaktionszeiten erreichen die Note 3,3. Gleichzeitig zeigen die deutlich schlechter bewerteten Genehmigungsverfahren, dass die Wirtschaft vor allem mehr Tempo erwartet.

Aus dem Standortmonitor leitet die IHK insgesamt sechs zentrale Handlungsfelder ab. Dazu gehören unter anderem schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren, der Ausbau von Glasfaser und digitaler Infrastruktur sowie die Weiterentwicklung der Innenstadt.

Das sagt der Bürgermeister

Euskirchens Bürgermeister Sacha Reichelt sagt zum IHK-Ergebnis: „Zunächst einmal ist die Gesamtnote aus Sicht der Stadt erfreulich, zeigt sie doch die funktionierende Zusammenarbeit auf und deutet die Vorteile und guten Rahmenbedingungen des Standorts zumindest an. Die Aussagen aus dem Standortmonitor dürfen uns natürlich nicht überraschen – sonst hätten wir unsere Hausaufgaben nicht gemacht. Trotzdem schätzen wir den Standortmonitor als eine weitere Möglichkeit, um mit den Vertretern der hiesigen Wirtschaft im Gespräch zu bleiben und kontinuierlich gemeinsam an den besten Lösungen für unsere Stadt zu arbeiten.“

Der stille Faktor

Eine weitere Stärke lässt sich dagegen kaum in Schulnoten ausdrücken. Nach Einschätzung der IHK hat die Flutkatastrophe zu einem stärkeren Zusammenhalt in der Region geführt. Kommunen und andere Akteure arbeiteten enger zusammen, das „Eifel-Wir-Gefühl“ sei gewachsen. Diese Zusammenarbeit könnte künftig auch bei der Wirtschaftsentwicklung helfen.

Das Fazit

Unter dem Strich bleibt ein zweigeteiltes Bild. Euskirchen besitzt mit seiner Lage, den verfügbaren Gewerbeflächen, der touristischen Entwicklung sowie der Forschungs- und Bildungslandschaft gute Voraussetzungen. Die Note 2,8 zeigt aber deutlich, dass die Unternehmen Verbesserungen erwarten – vor allem bei Glasfaser, kommunalen Kosten, Planungsprozessen und der Innenstadt.

„Unser Standortmonitor ist kein Zeugnis, sondern eine gemeinsame Arbeitsgrundlage für Politik, Verwaltung und Wirtschaft“, sagt Piecha: „Euskirchen hat gute Voraussetzungen. Jetzt kommt es darauf an, die vorhandenen Stärken auszubauen und die Hemmnisse konsequent abzubauen.“


So hat Schleiden beim Standortmonitoring abgeschlossen

Befriedigend minus und reichlich Luft nach oben: Im Standortmonitor der IHK Aachen erhält Schleiden die Gesamtnote 3,2. Dafür bewerteten 70 Unternehmen aus Industrie, Handel, Gastronomie und Dienstleistungen 31 Standortfaktoren.

Zu den Stärken zählen laut IHK Kundennähe, gute Internetanbindung, Energieversorgung sowie Freizeit- und Erholungsangebote. Als „Hauptstadt des Nationalparks Eifel“ profitiere Schleiden zudem von Image und Bekanntheitsgrad. „Resilienz und Wandlungsfähigkeit gehören zur DNA von Schleiden“, sagt IHK-Bereichsleiter Raphael Jonas. Die größten Probleme sehen die Unternehmen bei Steuern, Grundstücks-, Miet- und Pachtkosten, fehlenden Gewerbeflächen sowie beim Fachkräftemangel. Besonders kritisch wird der Gewerbesteuerhebesatz bewertet.

Er lag 2025 mit 515 Prozent über dem NRW-Durchschnitt von 461 Prozent. Auch Leerstände und der noch nicht abgeschlossene Wiederaufbau in Schleiden und Gemünd werden bemängelt. Die IHK empfiehlt unter anderem eine vorausschauende Flächenplanung, schnellere Genehmigungen und perspektivisch niedrigere Steuern. Das interkommunale Gewerbegebiet Kall/Schleiden könne zusätzliche Möglichkeiten schaffen.

Bürgermeister Ingo Pfennings sieht einige Ergebnisse kritisch. Schlechte Noten gebe es teilweise in Bereichen, auf die die Stadt kaum Einfluss habe. Eigene Defizite wolle man angehen. Bianka Renn, Geschäftsführerin der Gesellschaft für Wirtschaft, Tourismus und Veranstaltungen, verweist auf die Tourismusentwicklung: Mit knapp 52.000 Ankünften habe Schleiden 2025 einen Höchstwert erreicht.