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Colette I.Euskirchener bejubeln ihre erste Soloprinzessin im Karneval

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Prinzessin Colette I. in einem weißen Prinzenkleid beim Einzug in den Saal. Rechts steht ein Adjutant, der ihr einen Strauß Rosen anreicht.

Bei ihrem Einmarsch stellte Prinzessin Colette I. wohl einen neuen Rekord mit dem längsten Bad in der Menge auf.

Mit der Proklamation von Colette I. (Leber) schreiben die Euskirchener Karnevalsgesellschaften ein neues Kapitel ihrer närrischen Chronik.

Als gäbe es eine geheime Absprache, scheint in den vergangenen Sessionen des Euskirchener Karnevals eine neue Tradition entstanden zu sein. Spätestens seit dem Umzug in den Wohnraum der Alten Tuchfabrik wetteifern die designierten Tollitäten der Kreisstadt um den Rekord des längsten Einmarschs. Auch die diesjährige Proklamation bildete da keine Ausnahme.

Nach einigen aufregenden Monaten, die Colette Leber seit der Bekanntgabe ihrer Regentschaft zur Sessionseröffnung im November des vergangenen Jahres erlebt hatte, fieberte die neue Prinzessin diesem Augenblick entgegen. Entsprechend ausgiebig ließ sie sich bei ihrem Einzug in die Festhalle von ihren närrischen Untertanen hochleben. Angesichts des lautstarken Jubels, mit dem sie empfangen wurde, waren die Nervosität der vergangenen Wochen – und auch die wenigen negativen Stimmen über die Regentschaft der ersten Soloprinzessin Euskirchens – vergessen.

„Vor einigen Jahren wäre diese Premiere noch nicht denkbar gewesen“

„Euskirchen ist eine Stadt mit vielen Traditionen, doch diese Traditionen entwickeln sich aufgrund von Evolution auch immer weiter“, betonte Stefan Guhlke, Präsident des Festausschusses Euskirchener Karneval (Feuka): „Vor einigen Jahren wäre diese Premiere wohl noch nicht denkbar gewesen. Darum freuen wir uns sehr, dass so viele Jecke hierhergekommen sind, um den Saal zu füllen und mit uns gemeinsam unsere neue Prinzessin zu feiern.“

Adjutantin Patricia Flinn trägt das Narrenzepter, das auf einem roten Kissen aus Samt liegt, durch den voll besetzten Saal.

Das Zepter wurde von Adjutantin Patricia Flinn feierlich zur Proklamation durch die Halle getragen.

Prinzessin Colette I., Bürgermeister Sacha Reichelt (vorne, v.l.) und weitere Karnevalisten stehen während der Proklamation auf der Bühne.

Mit Prinzessin Colette I. durfte Bürgermeister Sacha Reichelt (vorne neben ihr) die erste Einzelprinzessin der Kreisstadt proklamieren.

Rückhalt erhielt Prinzessin Colette auch durch den ehemaligen Bürgermeister Uwe Friedl. „Wenn es nach mir gegangen wäre, hätten wir schon vor 20 Jahren unsere erste Prinzessin bejubeln können.“ Amtsnachfolger Sacha Reichelt, der die Proklamation durchführte, stimmte augenzwinkernd zu: „Heute stehen wohl zum ersten Mal mehr Bürgermeister als Tollitäten hier oben auf der Bühne.“ Die designierte Regentin genoss die amtliche Unterstützung sichtlich, und auch die warmherzige Begrüßung der jubelnden Menschenmenge trug ihren Teil zu ihrer ausgelassenen Stimmung bei.

Fast eine halbe Stunde, stets begleitet durch ihre Adjutanten und das Gefolge, wanderte Colette I. zwischen den Sitzreihen hin und her und wäre wohl am liebsten jedem einzelnen Besucher vor Freude um den Hals gefallen. „Die Bühne ist übrigens hier vorne, Colette“, erinnerte sie schließlich Feuka-Präsident Stefan Guhlke lachend, während das Tambourcorps zum wiederholten Mal ein neues Musikstück anstimmte.

Adjutantin Patricia Flinn ließ das kostbare Zepter nicht aus den Augen

Selbst als die künftige Tollität die letzten Meter zurückgelegt und alle Blumen verteilt hatte, wanderten die Blicke aller Anwesenden ein weiteres Mal von der Bühne weg. Denn auch die für die Proklamation benötigte Insignie, das närrische Zepter, erhielt einen eigenen, feierlichen Einmarsch – unter den wachsamen Augen der Vertreter aller Karnevalsgesellschaften der Kreisstadt und sicher transportiert durch Adjutantin Patricia Flinn.

Wenn es nach mir gegangen wäre, hätten wir schon vor 20 Jahren unsere erste Prinzessin bejubeln können.
Dr. Uwe Friedl, Alt-Bürgermeister von Euskirchen

„Dies ist der wahrscheinlich größte Tag deines karnevalistischen Lebens“, richtete Bürgermeister Sacha Reichelt sich im Anschluss an die designierte Regentin: „Wir feiern heute viele Premieren. Und darum bin ich sehr froh, dir nun dieses Zepter überreichen zu dürfen.“

Colette I.: „In Euskirchen stehen auch die Mädchen ihren Mann“

Spätestens als die frisch inthronisierte Prinzessin Zepter und Mikrofon in den eigenen Händen hielt, fielen auch die letzten Unsicherheiten von Colette I. ab. Durch ihre Moderationen bei den Sitzungen der IG Südstadt an das Rampenlicht und die Aufmerksamkeit so vieler auf sie gerichteter Augenpaare gewöhnt, bewies sie eindrucksvoll, dass sie nicht nur dank ihres Kleides optisch die sie umstehenden Herren in den Schatten stellen konnte. Sie hielt auch stimmgewaltig mit.

„In Euskirchen stehen auch die Mädchen ihren Mann“, betonte die Soloprinzessin, die jeden Zweifel an ihrer Regentschaft hinwegwischte. Nicht nur während der Stadthymne, sondern auch bei der Vorführung ihres eigenen Prinzessinnenliedes stellte sie ihr gesangliches Talent unter Beweis und stimmte die Euskirchener Närrinnen und Narren mit diesem Lied auf eine bunte und ausgelassene Karnevalssession ein: „Drum woll'n wir nicht nur an der Sorge kleben, sondern wir feiern heute das Leben.“