Das Junge Orchester NRW lockte wieder zahlreiche Musikfreunde auf Burg Langendorf. Die Konzertbesucher durften in üppigen Klangwelten schwelgen.
Musik in der RemiseJunges Orchester NRW bot in Langendorf ein Programm voller Gegensätze

Ein musikalisches Vollbad boten die Musiker des Jungen Orchesters NRW unter der Leitung von Ingo Ernst Reihl.
Copyright: Carolin Hasselbach
Ingo Ernst Reihl freute sich, wieder auf Burg Langendorf zu Gast zu sein. Erneut füllte er mit seinem Jungen Orchester NRW die Bühne der Remise bis auf den letzten Platz. Die Konzertbesucher durften im stimmungsvollen Ambiente in üppigen Klangwelten schwelgen. Eine umfangreiche Percussion-Gruppe und zwei Harfen verliehen dem großen Sinfonieorchester dabei einen besonderen Reiz.

Saxofonistin Lilian Eicks begeisterte das Publikum restlos.
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Da es am Samstagabend sehr warm war, traten die jungen Musikerinnen und Musiker in sommerlicher Konzertkleidung auf. Auch Universitätsmusikdirektor Reihl, der das Orchester 1985 gegründet hatte, gönnte sich einen legeren Auftritt. Künstlerisch jedoch präsentierte sich das Ensemble hochprofessionell. Auf dem Programm standen anspruchsvolle Werke, die einen abwechslungsreichen Abend und ein wahres musikalisches Vollbad versprachen.
Mit seiner sinfonischen Dichtung „Miške“ („Im Wald“) malte Mikalojus Konstantinas Čiurlionis eindrucksvolle Klangbilder. Der litauische Komponist war zugleich Maler und verband beide Künste zu einer berührenden Synästhesie. Das Werk folgt keinem konkreten Programm und erzählt keine Geschichte, sondern vertont verschiedene Erscheinungen des Waldes. Das Orchester brachte die erhabene Schönheit der Natur farbenreich und klangvoll zum Ausdruck. Warme Harmonien, volle und runde Bläserklänge sowie lebendige Streicher zeichneten ein eindrucksvolles musikalisches Landschaftsbild.
Lilian Eicks begeisterte mit ihrem Saxofonspiel
Anschließend betrat eine außergewöhnliche junge Frau die Bühne. Mit ihrem spektakulären Kleid und der pinkfarbenen Kurzhaarfrisur zog sie bereits vor dem ersten Ton die Aufmerksamkeit auf sich. Lilian Eicks interpretierte das Saxofonkonzert von Alexander Glasunow und begeisterte das Publikum mit ihrer Flexibilität und ihrem warmen Ton.
Nahezu poppige Solopassagen lockerten ihre ohnehin facettenreiche Interpretation zusätzlich auf. Mal gesanglich, mal tänzerisch, mal romantisch-verträumt gestalteten Solistin und Orchester die unterschiedlichen Stimmungen mit großem Feingefühl und hoher Authentizität. Das Publikum zeigte sich restlos begeistert, sodass es bereits vor der Pause eine erste Zugabe gab.
Die „Bilder einer Ausstellung“ passten perfekt ins Ambiente der Remise
Gemeinsam mit Gustav Püschel am Klavier spielte Lilian Eicks „Asturiana“ von Manuel de Falla. Für die 24-jährige Saxofonistin war das Konzert auf Burg Langendorf ihr erster Soloauftritt mit Orchester. Derzeit steht sie kurz vor dem Abschluss ihres Bachelorstudiums der Instrumentalpädagogik an der Hochschule für Musik und Tanz Köln. Erst vor einem Jahr spielte sie erstmals im Orchester von Ingo Ernst Reihl mit.
Die zweite Konzerthälfte gehörte Modest Mussorgski. Seine „Bilder einer Ausstellung“ entstanden ursprünglich als Klavierwerk, fanden jedoch schnell ihren festen Platz im Orchesterrepertoire. Reihl entschied sich für die berühmte Bearbeitung von Maurice Ravel, der die Komposition für großes Sinfonieorchester orchestrierte. Mussorgski hatte 1874 eine Ausstellung mit Aquarellen und Zeichnungen des russischen Architekten und Malers Victor Hartmann besucht, dessen Tod ihn im Jahr zuvor tief erschüttert hatte. In seiner Komposition vertonte er sowohl den Gang von Bild zu Bild als auch die Eindrücke der einzelnen Exponate.
Die Klangbilder wurden mit Spannung und Leben erfüllt
Scharfe Kontraste prägten die Aufführung. Die Zuhörer wurden zwischen bezaubernder Zartheit, wilder Expressivität, feierlichem Pathos und brachialer Derbheit hin- und hergerissen. Trotz der drückenden Hitze gaben die jungen Musikerinnen und Musiker alles. Vor allem den Blechbläsern machten die hohen Temperaturen zu schaffen, doch insgesamt präsentierte sich das Orchester prächtig, innig und ausdrucksstark.
Am Dirigentenpult ging Ingo Ernst Reihl mit vollem Einsatz in der musikalischen Bildsprache auf. Fast szenisch agierend erfüllte er die einzelnen Klanggemälde mit Spannung, Stimmung und Leben. Beeindruckend führte er das große Ensemble zu hoher Synchronität, Präzision und detailgenauer Gestaltung. Besonders eindrucksvoll geriet das Finale mit „Das große Tor von Kiew“. Kräftige Paukenschläge, weithin schwingende Röhrenglocken und rasselnde Becken ließen die Remise förmlich erbeben und verliehen dem Werk monumentale Wucht.
Zum Abschluss bedankte sich Reihl ausdrücklich bei Juliane B. Vetter für die erneute Einladung auf Burg Langendorf. Zugleich würdigte er ihre Unterstützung während der Corona-Pandemie, als vielen Ensembles die Kraft auszugehen drohte. Die Burg mit ihrem großzügigen Gelände, den Kunstwerken, den Tieren und der umgebenden Natur sei zudem die ideale Kulisse für die „Bilder einer Ausstellung“, deren Atmosphäre sie auf besondere Weise widerspiegele.
Bereits am Samstag, 4. Juli, geht das Kulturprogramm weiter. Ab 19 Uhr präsentieren Preisträgerinnen und Preisträger des Bundeswettbewerbs „Jugend musiziert“ in der Kategorie „Besondere Ensembles – Neue Musik“ ihr aktuelles Repertoire.
