Händeringend suchen viele Betriebe nach Azubis. Die Metall- und Elektroindustrie bietet im Beratungsmobil kreative Ansätze und praxisnahe Infos.
Info-TruckMetall- und Elektroindustrie bietet in Zülpich Berufsberatung zum Anfassen

Im hochmodernen Info-Truck dürfen Schüler aller drei weiterführenden Schulen in Zülpich selber einen Roboter steuern. Man hofft damit, ihr Interesse an einer Ausbildung zu wecken.
Copyright: Frank Neuenhausen
Vor der Gemeinschaftshauptschule in Zülpich steht ein ungewöhnlicher Lastwagen. Sein Anhänger ist ausfahrbar, er wird zweistöckig. Eine Metalltreppe führt seitlich auf die untere Ebene. Durch Schiebetüren in einer Plexiglaswand geht es in einen Raum mit unterschiedlichen Maschinen und über eine Treppe nach oben in eine Art Schulungsraum mit Leinwand und Sitzwürfeln an den Seiten.
Eine Woche lang haben sich hier Schulklassen der Hauptschule, der Realschule und des Gymnasiums die Klinke in die Hand gegeben. Im Truck erhalten Schüler einen Eindruck davon, was eine Ausbildung in der Metall- und Elektroindustrie zu bieten hat. Finanziert wird der M + E Info-Truck vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall. Für die Organisation vor Ort sind die VIV (Vereinigte Industrieverbände von Düren, Jülich, Euskirchen und Umgebung) zuständig.
Die Bildungsreferentin der VIV, Christine Erben, schaut sich das Ergebnis vor Ort an: „Ich möchte wissen, ob unser Ansatz greift und wie Schüler auf das Angebot reagieren.“ Jede Klasse wird in zwei Gruppen geteilt. Die eine begegnet im Schulungsraum Auszubildenden eines Betriebes der Metall- oder Elektroindustrie, die andere löst unten ganz praktische Aufgaben im Bereich CNC, Robotik und Elektroschaltung. Nach einer halben Stunde wird gewechselt.
Die Schüler in Zülpich sollen für die Ausbildungsberufe begeistert werden
Lutz Klemkow und Daniel Just arbeiten im Truck als Ausbildungsleiter. Ihre Sprache ist klar und jugendgemäß. Sie wollen den Jugendlichen helfen, Zugang zu einer Berufswelt zu finden, die sie bisher nicht kennen: „Die Arbeitswelt ist auch ein Ort für dich.“ An vier Arbeitsplätzen versuchen sich die Schüler, auf einem Bildschirm wird jeder Schritt einer Aufgabe erklärt.
Zwei Schüler sitzen am Bildschirm vor dem Roboter. Nach wenigen Minuten bewegt sich der metallene Arm wie von Geisterhand, nimmt ein Zahnrad aus einer Befestigung und platziert es exakt an seinem Bestimmungsort. Die Jugendlichen bewältigen einen ersten Ausbildungsschritt und steuern einen Roboter. An einer weiteren Maschine wird ein Metallwürfel eingespannt. Nach Befehlen über den Computer fräst die Maschine Symbole in das Eisen. Ein Notenschlüssel wird sichtbar.

Die drei Auszubildenden des Hammerwerks in Arloff, Alexander Krause (v.l.), Daniel Kremer und Sandro Nießen, zeigen den Schülern im Infotruck, mit welchen Materialien sie arbeiten.
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Eine CNC-Maschine mit Zerspanungstechnik setzen die Schüler im Truck über ein Programm in Gang.
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Klemkow beschreibt die Aufgabe der Industrie sehr anschaulich: „Ihr kennt alle Lebensmittelhersteller wie Nestlé oder Ferrero. Denkt nicht, dass es da Menschen gibt, die auf jedes einzelne Schokoladencreme-Glas den Deckel schrauben. Das machen Maschinen.“ Ob sich die Schüler dazu schon Gedanken gemacht haben? Im Lastwagen werden sie darauf gestoßen, wie Produkte entstehen.
Betriebe aus dem Kreis Euskirchen sind im Truck vertreten
Die zehn Info-Trucks in Deutschland werden nicht nur vom dazugehörigen Personal begleitet. An jedem Ort kommen regionale Firmen dazu, die Auszubildende suchen. In Zülpich wird die Woche vom Hammerwerk Erft in Arloff und vom Euskirchener Miele-Werk begleitet. Die drei Azubis vom Hammerwerk haben eine Power-Point-Präsentation vorbereitet, um die neun möglichen Ausbildungsberufe ihres Betriebes vorzustellen. Beeindruckende Bilder und Videos von glühenden, tonnenschweren Metallblöcken werden gezeigt, ebenso Gegenstände aus dem Fertigungsalltag und der Materialprüfung. Alexander, Sandro und Daniel repräsentieren je einen Ausbildungszweig und stehen den Schülern Rede und Antwort.
„Die Auszubildenden sind näher dran an den Jugendlichen und können so besser mit ihnen ins Gespräch kommen,“ erklärt Erben die Idee, Azubis einzubeziehen. Leider geht die Stunde schnell vorbei, es bleibt wenig Raum für Rückfragen. Wer Interesse hat, kann sich melden, ein Praktikum machen oder einfach mal den Betrieb besichtigen.
Peter Mainz ist Ausbildungsleiter im Hammerwerk. Wie alle anderen beschäftigt ihn die Frage, warum man in den vergangenen drei Jahren kaum Auszubildende gefunden hat. Allein in seinem Betrieb werden etwa 15 Auszubildende in verschiedenen Bereichen gesucht. „Mit dem Ziel, sie nach der Ausbildung zu übernehmen“, wie er betont.
Der Weg aus dem Schulbetrieb hinaus ist kein leichter
Mainz hat Vermutungen: „Ich glaube, dass es stark mit den Eltern zu tun hat. Sie beschäftigen sich zu wenig mit ihren Kindern und deren Neigungen. Auch die Schulen sind zu wenig mit der Berufswelt verbunden.“
Bildungsreferentin Erben erkennt einen anderen Grund: „Die Schüler wollen weiter im Schulbetrieb bleiben. Das ist die Welt, die sie kennen und in der sie sich zurechtfinden. Die Berufswelt flößt ihnen großen Respekt ein und macht sie unsicher.“ Sie beschreibt, dass die Anzahl an Bewerbungen in der Industrie dramatisch abgenommen habe. Einen Wunschkandidaten zu bekommen, sei sehr schwer. Um die Hürde zum Berufsleben abzubauen, hat der Verband die M + E Trucks entwickelt.
Alle Termine in Zülpich sind besetzt mit den Klassen der Jahrgangsstufen acht bis zehn aus Haupt-, Realschule und Gymnasium. Während der Präsentation der Azubis werden unterschiedliche Reaktionen offenbar: Einige Schüler und Schülerinnen hören gespannt und interessiert zu. Andere wirken abwesend oder unsicher. Auch an den Maschinen spürt man die Hemmung, einfach mal etwas auszuprobieren.
Klemkow und Just schaffen es aber im Rahmen der zeitlichen Möglichkeiten, die jungen Leute zu motivieren. Für manche ist es vielleicht das erste Mal, dass sie einen Einblick in die Berufswelt erleben. Der Ausbilder vom Hammerwerk weiß noch nicht, ob dieser Einsatz im Truck auch zu Ergebnissen führen wird: „Das werden wir in den nächsten Wochen sehen, wenn hoffentlich Bewerbungen reinkommen.“
Die Aktion offenbart den Zwiespalt der Industrie: Einerseits bietet sie gute Ausbildungen samt attraktiven Löhnen und Berufsaussichten an. Andererseits sind die Angebote bei jungen Menschen wenig bekannt. Klemkow bringt es auf den Punkt: „Mit eurer Entscheidung für den richtigen Ausbildungsplatz entscheidet ihr, ob ihr später mal in einem eigenen Haus oder in einer Mietwohnung wohnen werdet.“
Geldpreise für drei Zülpicher Klassen
Losgelöst vom Info-Truck-Projekt hatte Christine Erben, Bildungsreferentin der VIV, einen weiteren Termin im Franken-Gymnasium. Um zu erfahren, ob und wie Schüler sich über einen Beruf informieren, welche Medien sie nutzen und wie sie sich mit anderen über Berufsideen austauschen, haben die VIV einen Fragebogen entwickelt, der an alle Schulen im Zuständigkeitsraum gegangen ist. Um die Lust an der Beteiligung zu erhöhen, wurden drei Preise für Klassen ausgelobt.

Für ihre Beteiligung an einem Fragebogen-Projekt zur Ausbildungsplatzfindung erhielten drei Klassen des Franken-Gymnasiums einen Preis.
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26 haben mitgemacht, davon elf vom Franken-Gymnasium. Kein Wunder, dass bei der Losziehung diese Schule die besten Aussichten hatte. Und tatsächlich: Auf allen drei gezogenen Losen standen Klassen dieser Schule. Die Lehrkräfte Eva Chadik, Christine Müller und Joachim P. Beilharz , der Leiter des Franken-Gymnasiums, hatten beschlossen, dass die Preisgelder zwischen 100 und 300 Euro in die Klassenkassen gehen. Die Klassensprecher der 10c (erster Preis), 8b und 8d erhielten die Schecks.
Die VIV kamen so an Informationen, die für weitere Strategien zur Gewinnung von Auszubildenden wertvoll sein könnten. Eine Auswertung erfolgt noch. Man erhofft sich Erkenntnisse darüber, welche Hilfestellungen für die berufliche Orientierung und die Stellenfindung nötig sind.

