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Kinderärzte zu Impfungen„In den Praxen ist die Hölle los“

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Impfung eines Jugendlichen gegen das Coronavirus (Symbolbild)

Köln – Verunsicherte Eltern, aufgeregte Kinder, knapper Impfstoff. „In unseren Praxen ist die Hölle los. Die Eltern rennen uns die Bude ein. Bei 80 Prozent der Anrufe geht es nur um das Thema Corona-Impfungen.“ Axel Gerschlauer, Kinderarzt in Bonn und Sprecher des Bundesverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), muss in seiner Praxis seit Tagen die Hoffnungen dämpfen, die von der Politik geweckt wurden.

Allen voran durch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet. In der Sitzung des Düsseldorfer Landtags vom 19. Mai hatte der Kanzlerkandidat von CDU und CSU versichert, „dass der Impfstoff, den wir für die 12- bis 16-Jährigen brauchen, zusätzlich zur Verfügung gestellt wird“. Er werde darauf dringen, dass die Länder, in denen die Schulferien zuerst beginnen, auch die ersten seien, die diesen Impfstoff erhielten, damit möglichst viele Kinder noch vor den Ferien geimpft werden könnten, so Laschet.

Unrealistische Versprechungen

Das sei von vorneherein unrealistisch gewesen, kritisiert Gerschlauer. „Wir gehen jetzt in die Sommerferien. Deshalb sind alle Ideen, wie schnell man alle Kinder durchgeimpft haben könnte, eher utopisch.“

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Am vergangenen Montag hatte die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) den Impfstoff von Biontech/Pfizer offiziell für Kinder ab zwölf Jahren freigegeben. Die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) steht jedoch noch aus. Sie könnte am Montag folgen. Wie alle Experten geht auch Gerschlauer davon aus, dass das Gremium dazu raten wird, vorerst nur chronisch kranke Kinder zu impfen, weil die Daten der Zulassungsstudie für eine allgemeine Impfempfehlung nicht ausreichend seien.

Immerhin 1,3 Prozent der 1100 in der Studie geimpften Kinder hätten schwere Reaktionen gezeigt, so der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens.

Impfstoffmangel lässt nicht mehr zu

Kinderarzt Gerschlauer können Aussagen wie die von Laschet im Jahr der Bundestagswahl „nicht mehr erschrecken“. Auch die Aufhebung der Priorisierung ab 7. Juni nicht. „Die Stiko hat das medizinisch als nicht sinnvoll eingeschätzt. Ich würde mir wünschen, dass sich die Politik mehr nach den wissenschaftlichen Empfehlungen richtet.“

Solange es an Impfstoff mangelt, gingen die Kinder- und Jugendärzte davon aus, dass gesunde 14-Jährige nicht priorisiert werden, wenn es noch kranke 60-Jährige gibt, die keinen Impfschutz haben. „Das knappe Gut muss nach medizinischen Gesichtspunkten verteilt werden. Da ist mir egal, was die Politik sagt“, so Gerschlauer. „Wir werden weiter priorisieren, auch wenn es offiziell keine Gruppen mehr gibt.“

Grundsätzlich sei man erleichtert, dass es endlich einen zugelassenen Impfstoff für Kinder gibt. „Sie sind die großen Verlierer der Pandemie und waren bisher vom Impfangebot ausgeschlossen.“ Jetzt könne man auch jenen helfen, die psychisch besonders schwer unter den Folgen der Corona-Pandemie leiden, weil sie zum Beispiel „nicht einmal mehr ihre Großeltern besuchen. Vor lauter Angst, sie anzustecken“.