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An Herbert Reuls WohnortViel Polizei, wenig Teilnehmer bei Demo gegen Polizeigewalt

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Gegen Polizeigewalt protestierten knapp 100 Leute.

  1. Knapp 100 Demonstranten hatten sich am Samstag in Leichlingen eingefunden.
  2. Sie wollten gegen Polizeigewalt protestieren - ursprünglich vor dem Privathaus des NRW-Innenministers Herbert Reul.

Leichlingen – Mitglieder der linken Szene NRWs haben sich am Samstag in Leichlingen versammelt, um gegen "Repression und Polizeigewalt" aufzubegehren. Mit 250 Teilnehmenden hatten die Organisatoren kalkuliert, knapp hundert hatten sich nach einer Stunde eingefunden. Ihnen gegenüber stand eine Hundertschaft an Polizisten, jedoch in einigem Abstand an neuralgischen Punkten positioniert. Die Polizei spricht von einem "friedlichen Verlauf der Versammlung", die "völlig störungsfrei" verlaufen sei.

„Das ist jetzt unser erster Versuch, zusammenzukommen und unser Anliegen nach außen zu tragen“, so formuliert es Ole vom Bündnis „Forum gegen Polizeigewalt und Repression“, das sich Anfang 2020 mit Beginn der „Black Lives Matter“-Proteste gebildet hat. Warum sie dafür unbedingt nach Leichlingen kommen müssen, zur Privatwohnung des Innenministers Herbert Reul, das hatten sich viele Anwohner und Parteikollegen des CDU-Politikers gefragt.

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Polizisten standen bereit.

Die Protestler haben dazu mehrere Antworten parat: Es sei immer schwieriger, Verantwortliche für die kritisierte Politik zu adressieren. Selbst große Demonstrationen mit tausenden Teilnehmenden gegen das neue Polizeigesetz seien ignoriert worden. Des Weiteren: „Wer verantwortlich dafür ist, dass Menschen sterben, der sollte auch privat nicht damit durchkommen“, sagt Ole. Die Zuständigkeit ende nicht mit Dienstschluss in Reuls Düsseldorfer Büro.

Keine Demo vor dem Privathaus

Und warum soll es ausgerechnet Herbert Reul treffen? Was die Aufrüstung der Polizei betreffe, zeige Reul sehr persönliches Engagement, so Ole. So habe er sich beispielsweise bei der Razzia einer Shishabar ablichten lassen. Und letzten Endes zeichne Reul als oberster Dienstherr des Landes verantwortlich für die hart durchgreifende Politik und Polizei. Ursprünglich sollte die Demonstration vor Reuls Privathaus stattfinden, dies wurde jedoch auf Grund der Persönlichkeitsrechte der Familie und Anwohner untersagt.

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Demo mit Abstand

Verantwortung, dieser Begriff fällt häufig an diesem lähmenden Sommertag. Auf der in Windeseile zusammengezimmerten Bühne sprechen Vertreter der Bündnisse für die Opfer der angeprangerten Polizeigewalt. Auch direkt Betroffene kommen zu Wort, wie etwa die Mutter von Adel B. Er war 2019 in Essen von einem Polizeischuss getötet worden. Laut Staatsanwaltschaft hat der Polizist in Notwehr gehandelt.

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Vor allem gehe es bei Fällen wie diesem darum, rassistische Muster zu erkennen und den Tod Unschuldiger nicht als Einzelfälle abzuhaken, sagen die Redner.

Ein weiteres Thema des Nachmittags ist die Repression gegen Bewegungen, wie die am Hambacher Forst. Die mitunter brutale Räumung des Waldes ist bei den Demoteilnehmern nicht vergessen. In einem kleinen Ausstellungszelt werden Bilder des Polizeieinsatzes 2018 gezeigt, die an Kriegsschauplätze erinnern, dazu einschlägige Zeitungsartikel. Ab und zu hallen Schreie durch den Park, die von den gezeigten Videoaufnahmen stammen. Zwischen den Redebeiträgen läuft Linksrap.

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„Alle, die heute hier sind, sind auf die eine oder andere Art von der Politik betroffen, gegen die sie demonstrieren“, erzählt Ole im etwas kühleren Halbschatten. Viele hätten negative Erfahrungen mit Polizeigewalt gemacht, ob nun bei Demonstrationen, im „Hambi“ oder durch wiederholte als rassistisch motiviert vermutete Alltagskontrollen. Genaueres wollten die Teilnehmenden auch auf Nachfrage nicht erzählen.

Der Innenminister selbst war aus terminlichen Gründen nicht vor Ort. Auf Seiten der Stadt herrschen derweil Ärger und Unverständnis. Bürgermeister Steffes bekannte: „Meiner Meinung nach hat das hier in Leichlingen nichts zu suchen, das Anliegen finde ich übertrieben.“