Large Language Models sind nur etwas für große Firmen? Nein, finden Henning Uiterwyk und seine Partner – und haben da eine Idee.
TechnikWie Spezialisten aus Leichlingen KI in kleine Unternehmen bringen wollen

Stefan Hendriks, Michael Bloch und Henning Uiterwyk (von links) sind Netwyk aus Leichlingen.
Copyright: Netwyk
Künstliche Intelligenz, das passt nicht in kleine Unternehmen. Die Haltung ist ziemlich gängig, und Henning Uiterwyk kann das auch ganz gut verstehen. Der Chef von Netwyk in Leichlingen hat sonst mit großen Konzernen zu tun, als Berater in Fragen der Datenverarbeitung und Prozessoptimierung. Das sind in gewisser Weise Supertanker, die aber auch entsprechende Strukturen haben, wenn es um Neuerungen geht.
Künstliche Intelligenz ist eine grundlegend neue Neuerung, aber die Erfahrungen sind noch gar nicht besonders groß, vor allem nicht in kleinen Unternehmen. Uiterwyk denkt da vor allem an Handwerker, Firmen in der Größenordnung von 15 bis 20 Beschäftigten.
Ein Schreinermeister hat zum Beispiel im täglichen Ablauf etwas anderes zu tun, als sich mit den Möglichkeiten, vor allem aber auch mit den Risiken von Large Language Models auseinanderzusetzen. Da geht es schnell um vertrauliche Daten. Und darum, ob die LLMs (KI-Sprachmodelle) immer richtig liegen. Und das sollten sie, um hilfreich zu sein für tägliche Geschäftsprozesse.
Tägliche Routinen sind besonders geeignet
Es sind gerade die täglichen Routinen, für deren Abarbeitung künstliche Intelligenz prädestiniert ist. „Wenn man zum Beispiel fünf Angebote eingeholt hat, lassen die sich mit einer KI sehr schnell prüfen“, nennt er ein Beispiel. Formale Fehler seien gar nicht ungewöhnlich, und bei mehreren Variablen sei der Vergleich auch gar nicht trivial. Jedenfalls nicht für einen Sachbearbeiter, der sich die Offerten anschauen und eine Empfehlung abgeben muss. Oft stelle sich ein auf den ersten Blick günstiges Angebot als gar nicht so günstig heraus.
Ein anderer Fall für die KI, so Uiterwyk: Bewerbungen. Er ist ziemlich sicher, dass eine KI sofort Lücken im Lebenslauf findet. Oder nachteilige Auffälligkeiten: „Zum Beispiel, wenn jemand zehn Jahre lang keine Fortbildung gemacht hat“, konstruiert der Chef von Netwyk einen Fall.
Rechnungscheck und Angebotsvergleich
Noch viel alltäglicher sind Rechnungen. Uiterwyk hat ein Beispiel konstruiert, das sicher gar nicht so selten ist. Zum Beispiel: Die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer fehlt. Das ist sehr schwierig im Geschäftsverkehr zwischen Unternehmen. Auch bei der Leistungsbeschreibung gibt es in diesem fiktiven Beispiel Lücken. Das Lieferdatum wirft Fragen auf. Außerdem ist die Mehrwertsteuer nicht korrekt berechnet.
Die KI hat da eine klare Empfehlung. „Zahlung stoppen“, bis die Unstimmigkeiten geklärt sind.
Ein weiteres Einsatzfeld sieht Uiterwyk in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Kaum jemand werde sich im Alltag die Mühe machen, die AGB Punkt für Punkt zu vergleichen. Für die KI ist das überhaupt kein Problem, und es geht auch schnell.
KI im Abomodell
Aber wie kommt eine kleine Firma in den Genuss dieser Kontrollen? Das ist die Geschäftsidee hinter „Viraflow“. Es wird nämlich keine KI im jeweiligen Unternehmen implementiert, sondern bei Netwyk gehostet. „Man hängt einfach die Rechnung oder das Angebot an eine E-Mail und verschickt sie zur Prüfung“, beschreibt Uiterwyk den Vorgang. Der Vorteil: „Keine Schulung, keine komplizierten Tools.“ Stattdessen sofortige Ergebnisse.
Das Ganze funktioniert in einem Abo-Modell, das bewusst sehr flexibel gehalten ist. „Man kann jeden Monat wechseln“, sagt Uiterwyk. Denn auch hier gilt: Ein Unternehmen muss erst einmal seine Erfahrungen machen. Mit Künstlicher Intelligenz – und mit dem Anbieter der KI.
www.viraflow.app
