Nach der Flut in LeichlingenKinder und Eltern auf Wanderschaft

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Kaputte Möbel aus der "Flohkiste": Die benachbarten Kindertagesstätten zwischen Bürgerhaus und Eicherhofer Park müssen monatelang saniert werden.

Kaputte Möbel aus der "Flohkiste": Die benachbarten Kindertagesstätten zwischen Bürgerhaus und Eicherhofer Park müssen monatelang saniert werden.

Leichlingen – Hochwasseropfer, deren Räume überflutet worden sind, leben jetzt in Pensionen oder Hotels, bei Freunden oder Bekannten, in Übergangswohnungen oder auf dem Campingplatz. Familien sind für längere Zeit auf Wanderschaft und zum Auszug gezwungen. Und auch den Alltag von Kindern hat die Wupperflut durcheinander gebracht.

Während die Leichlinger Schulen nach den Ferien alle öffnen konnten, sind zwei Kindertagesstätten wegen der Wasserschäden außer Betrieb, eine Offene Ganztagsgrundschule und das Kinder- und Jugendzentrum voraussichtlich für ein halbes Jahr nicht benutzbar, müssen auch Kindertagespflegestellen improvisieren und in trockene Stockwerke hoch ziehen und muss sich die Schulsozialarbeit andere Räume suchen, weil auch ihre Büros Am Hammer überschwemmt worden sind.

Die beiden Kitas Am Hammer stehen nah an der Wupper neben dem Eicherhofer Park und sind wegen der Beschädigungen jetzt geschlossen. Der Ausbildungsbetrieb der DLRG liegt brach, die Erziehungsberatungsstelle stand unter Wasser und der Pfadfinder-Stamm Wippera kann seine Räume nicht mehr benutzen. Ein Überblick:

■ Die Kita Flohkiste wird nach Angaben der Stadtverwaltung für etwa sechs Monate nicht nutzbar sein. Die Kinder werden jetzt in einer Notunterkunft An der Ziegelei betreut, die ihr von der Freien Evangelischen Gemeinde zur Verfügung gestellt worden ist. Der entstandene Sachschaden am Gebäude der Flohkiste wird nach einer Übersicht der Stadt etwa eine Million Euro kosten, wogegen die Elterninitiative zum Glück mit Elementarschutz versichert sei.

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■ Die Kita Regenbogenland direkt nebenan hat es nicht so schwer erwischt, aber auch sie ist für wohl zwei Monate lang nicht mehr in Betrieb. Die Eltern der Tagesstätte des Vereins bringen ihre Kinder nun über die Stadtgrenze nach Langenfeld-Reusrath, wo ihnen die evangelische Kirchengemeinde im Gemeindehaus hinter der Kirche Obdach gewährt. Spendengelder sollen helfen, die auf bis zu 100 000 Euro geschätzten Sanierungskosten aufzubringen, die nicht versichert sind.

■ In der Kita Büscherhof stand das Wasser 70 Zentimeter hoch (nur) im Keller und hat Regalsysteme und Inventar im Wert von 7000 Euro zerstört. Die städtische Tagesstätte ist aber weiterhin benutzbar. Es laufen Bautrockner und ein Schlafraum ist vorübergehend zum Lager umfunktioniert worden.

■ Die Tagespflegestelle „Mit Kindern die Welt entdecken“ in Balken stand unter Wasser, konnte aber in obere Etagen umziehen. Der Keller der privaten Pflegestelle „Unterberger Kobolde“ und die Räume der „Musiktagespflege Leichlingen“ an der Kirchstraße sind ebenfalls überflutet worden, beide können Kinder aber weiterhin betreuen.

Quartierstreff

Der Leichlinger Quartierstreff kann in seinen Räumen in der Gartenstraße 4 vorläufig keine Veranstaltungen und Beratungen mehr anbieten, weil auch dieses Ladenlokal beim Hochwasser überflutet worden ist. Jetzt ist ein Ausweichquartier gefunden worden: Ab Dienstag, 24. August, wird jemand vom Quartierstreff an jedem Dienstag und Donnerstag in der Zeit von 15 bis 17 Uhr in den Räumen der „Alltagsbegleiter“ in der Brückenstraße 14 für Gespräche und Besuche anwesend sein.

Das erste Reparaturcafé in diesem Jahr öffnet am Freitag, 3. September, von 15 bis 18 Uhr im Vereinshaus des Deutschen Roten Kreuzes in der Mittelstraße 44 (3-G-Regelung). Auf seiner Homepage informiert der Quartierstreff aktuell über Termine und Auflagen zum Corona-Schutz. (hgb)

www.quartierstreff-leichlingen.de

■ Das Jugendzentrum in der Balker Aue, das beim Hochwasser mitten in einem See stand, bleibt etwa ein halbes Jahr lang geschlossen. „Das Inventar ist größtenteils zerstört und bereits entsorgt“, meldet die Verwaltung. Durch den Druck des Wassers ist sogar der Estrich der Bodenplatte geplatzt. Die Höhe des Schadens an dem Flachbau, den die Stadt von der Kreissparkasse Köln gemietet hat, ist noch nicht ermittelt. Es wird nach alternativen Räumen für eine Fortsetzung der Kinder- und Jugendarbeit gesucht.

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■ Das Jugendhaus Pastorat der evangelischen Gemeinde kann Treffen nur noch als Videokonferenz abhalten. Die überflutet gewesenen Räume sind bis mindestens zum Herbst nicht zugänglich. Nach Ausweichmöglichkeiten wird auch hier noch gesucht.

■ Die OGS Büscherhof kann für vier bis sechs Monate nicht in ihre Räume im Erdgeschoss des früheren Hauptschulgebäudes Am Hammer. Sie hat aber in den oberen Stockwerken Platz bekommen.

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