Recycling in LeichlingenReparatur-Café haucht Schweinchentoaster neues Leben ein

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Ihren defekten Toaster im Schweinchen-Design lassen Andreas Gesing und Nathalie Lüke von Andreas Wegner (r.) untersuchen.

Ihren defekten Toaster im Schweinchen-Design lassen Andreas Gesing und Nathalie Lüke von Andreas Wegner (r.) untersuchen.

Leichlingen – Die Tür des Quartierstreffs geht auf, in dem großen Raum herrscht Trubel, allerhand elektronische Geräte liegen auf den Tischen und geschäftig werkeln Reparateure vor sich hin. „Wir hatten die Idee für das Reparatur-Café auf einer Party und irgendwie hat sich das dann so entwickelt“, sagt Uli Schwelm, der mit Hilde Cordes und Hartmut Klose das Café im Quartierstreff in der Gartenstraße gemeinsam aufgebaut hat. Ganz so einfach sei die Umsetzung am Anfang jedoch nicht gewesen. „Wir haben uns natürlich gefragt: „Was passiert, wenn wir etwas kaputt machen? Für solche Fälle mussten wir zum Beispiel eine Versicherung abschließen“, erklärt Schwelm.

Uli Pfenningsdorf (rechts) brachte einen defekten Video- und DVD-Rekorder ins Reparaturcafé. Jürgen begutachtet ihn.

Uli Pfenningsdorf (rechts) brachte einen defekten Video- und DVD-Rekorder ins Reparaturcafé. Jürgen begutachtet ihn.

Seit fast zwei Jahren gibt es das Café mittlerweile und über mangelnde Kundschaft können sich die ehrenamtlich Helfenden nicht beschweren. „Es sind immer genügend Leute da, die etwas repariert haben möchten. Wir hatten so gut wie nie Leerlauf“, freut sich Beatrix Gölzenleuchter, die die Kunden empfängt und mit ihren Laufzetteln den jeweiligen Reparatur-Stationen zuweist. Sie behält den Überblick über die Reihenfolge der Wartenden und verwaltet zudem die Spendenbox – ein großes goldenes Sparschwein.

Viele Haushaltsgeräte

An den Stationen arbeiten unter anderem eine Näherin, ein Uhrmachermeister und einige Techniker. „Wir nehmen eigentlich alles an, was man tragen kann. Vor allem Haushaltsgeräte sind immer der Renner“, sagt Gölzenleuchter. Einfach abgeben können die Kunden ihre Geräte allerdings nicht, sondern müssen bei der Reparatur anwesend sein. Vor allem Elektronikgeräte dauern erfahrungsgemäß länger. Viele Kunden vertreiben sich bei Kaffee und Kuchen die Zeit und unterhalten sich mit den anderen Wartenden oder den Reparateuren.

Alles zum Thema Fridays for Future

Werkstatt und Spendenannahme im Burscheider Tri-Café

Das Burscheider Reparaturcafé lädt für Mittwoch 8. Januar, in das Tri-Café an der Bürgermeister-Schmidt-Straße ein. Gäste können von 15 bis 17 Uhr ihre defekten Geräte am Empfang anmelden und dann bei Kaffee und Kuchen den Reparateuren über die Schulter schauen. Mit erfahrenen Bastlern werden in die Jahre gekommene Schätzchen wieder repariert.

Tragbare Elektrogeräte, mechanische Apparaturen oder Haushaltsgegenstände – alles, was ohne komplizierte elektronische Technik daherkommt und mit überschaubaren handwerklichen Kenntnissen und Werkzeugen repariert werden kann – hat eine Chance. Benötigte Ersatzteile müssen mitgebracht werden oder werden beschafft und bei einem zweiten Besuch verbaut.

Die Aktion „Gebrauchtes hat Wert“ geht weiter. Gerade nach Weihnachten darf vielleicht manches gebrauchte aber funktionierende Elektrogerät Platz für eine Neuanschaffung machen. Nach Abgabe der alten Geräte an das Reparaturteam und Überprüfung der sicheren Funktion werden diese über die Burscheider Tafel und den Kleiderladen des Ortsvereins des Kinderschutzbunds an Menschen weitergegeben, die sich ein neues Elektrogerät nicht leisten können oder wollen.

Das Team des Reparaturcafés sucht weiterhin Mitstreiter. Vor allem Heimwerker mit technischen Kenntnissen sind gefragt. Interessierte können sich unter ☎ 0171 / 548 73 14 an Organisator Michael Corts wenden oder ihm eine E-Mail schreiben. (JAN)

tricafe@web.de

So auch Bernhard Kettel, der sich mit einem Kunden über Feuerwerksverbote an Silvester austauscht. Der 85-jährige lässt sein Radio reparieren, das er im Korb seines Rollators zum Café transportiert hat. „Das Gerät ist schon älter, aber qualitativ hochwertig und eigentlich in technisch gutem Zustand“, erklärt er. Als er es 1970 kaufte, kam es schon damals aus zweiter Hand. Ältere Geräte seien einfacher zu reparieren, da sie mit weniger Teilen auskämen, sagt Schwelm, der sich als gelernter Fernsehtechniker der Reparatur von Unterhaltungselektronik und Handys widmet. Nach jedem Werkstatt-Tag wird ein Reparaturobjekt des Tages bestimmt. „Das beste Objekt, das wir jemals hatten, war ein Tefifon. Das diente zum Abspielen von Schallbändern, also quasi der Vorläufer der Schallplatte“, erzählt Schwelm.

Die Ehrenamtler Peter Esch (l.) und Martin Sylla, in grünen Polo-Shirts des Helferteams, mit einer defekten Steckdosenleiste.

Die Ehrenamtler Peter Esch (l.) und Martin Sylla, in grünen Polo-Shirts des Helferteams, mit einer defekten Steckdosenleiste.

Obwohl Tefifone nur in den 50er Jahren benutzt wurden, brachten die Reparateure das Gerät wieder zum Laufen. „Wir sind nicht die Wahnsinns-Profis aber mit einem guten technischen Verständnis kann man wirklich viel machen. Entweder es klappt, oder es klappt nicht“, sagt Schwelm. Über ihre Erfolge führen die Ehrenamtlichen Buch. 2018 lag die Erfolgsquote bei 56 Prozent, 2019 habe man sie auf 65 gesteigert. An zwölf Terminen in 2019 widmeten sich die Reparateure 317 Geräten und Textilien, von denen 208 wieder funktionstüchtig mit nach Hause genommen werden konnten. Den Großteil machen Elektrogeräte, Textilien und Uhren aus – bloß ein Fahrrad wurde 2019 in den Quartierstreff gebracht.

Ute Mertin (r.) ist für kaputte Kleidungsstücke zuständig. Zwischendurch hält man mit den Kunden auch gern mal ein Schwätzchen.

Ute Mertin (r.) ist für kaputte Kleidungsstücke zuständig. Zwischendurch hält man mit den Kunden auch gern mal ein Schwätzchen.

Zur Inspiration für das Reparatur-Café in Leichlingen hat sich Schwelm auch die Cafés in Opladen und Langenfeld angeschaut. „Die Projekte laufen alle sehr gut. Man merkt, dass es den Zeitgeist und die Geselligkeit der Menschen anspricht“, findet Gölzenleuchter.

Wiederverwertung

Reparatur-Cafés erfreuen sich in Deutschland und Europa großer Beliebtheit und gehen mit dem Trend des „Upcyclings“. Sind Geräte oder Textilien kaputt, sollte zuerst geprüft werden, ob sie noch zu reparieren sind oder wie sie anderweitig weiterhin nutzbar wären. Dadurch können viele Produkte nachhaltiger verwendet und der ökologische Fußabdruck reduziert werden. Wer Dinge repariert statt neu kauft, spart Rohstoffe und Treibhausgas-Emissionen in der Produktion ein. (maw)

Reparaturen sind häufig teuer oder werden nicht mehr gemacht. Durch die Reparaturwerkstatt versuchen die Ehrenamtlichen der Wegwerfgesellschaft entgegenzuwirken. Eigentlich ein Thema, das der Fridays for Future Bewegung nahesteht, doch Kundschaft aus der jüngeren Generation schaue eher selten im Reparatur-Café in Leichlingen vorbei.

2020 öffnet das Leichlinger Reparatur-Café in der Gartenstraße 4 jeden ersten Freitag im Monat von 15 bis 18 Uhr. Die letzte Reparatur wird um 17.30 Uhr angenommen.

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