Einen neuen Schwerpunkt bietet die Beratung zu digitaler Gewalt.
JahresberichtFrauennotruf Leverkusen führt 30 Prozent mehr Beratungen durch

Weil Schreiben oft leichter ist als reden, gibt es den Frauennotruf seit 2021 auch virtuell
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2026 ist ein besonderes Jahr für die Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt in Leverkusen. In diesem Jahr feiert sie ihr 40-jähriges Bestehen. Vorher aber schaut der Verein auf das Jahr 2025 zurück, in dem es auch einen Grund zum Feiern gab: Die Beratungsstelle hat das Barrierefreiheitssiegel erhalten und macht damit ihr Angebot offiziell zugänglich für alle Frauen und Mädchen, unabhängig von körperlichen Einschränkungen. Über fehlende Arbeit kann sich die Beratungsstelle auch nach 40 Jahren nicht beschweren, die Beratungszahlen sind erneut stark angestiegen. Ein Überblick aus dem Jahresbericht.
Beratungen
155 Frauen und Mädchen wandten sich neu an die Einrichtung – in der Summe wurden 878 Einzelberatungen durchgeführt, mehr als 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Knapp die Hälfte der Gespräche dauerte länger als eine Stunde. 18 Frauen wurden in psychosozialer Prozessbegleitung durch Strafverfahren begleitet, 104 Beratungsfälle wurden im Laufe des Jahres abgeschlossen.
Altersstruktur
Auffällig: Fast die Hälfte der Klientinnen ist jünger als 25 Jahre. Vier Prozent waren unter 14, 19 Prozent zwischen 14 und 17, weitere 21 Prozent zwischen 18 und 25 Jahren. Die Zahlen zeigen, dass sexualisierte Gewalt sehr häufig schon im Kindes- und Jugendalter beginnt oder erstmals erlebt wird. Und aber auch, dass sich junge Mädchen und Frauen heute eher frühzeitig um Hilfe bemühen.

Alter der Kundinnen im Frauennotruf laut Jahresbericht 2025
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Beratungsgründe
An erster Stelle standen Vergewaltigung oder sexuelle Nötigung mit 88 Fällen (49 Prozent) – Mehrfachnennungen waren bei der Befragung möglich. 59 Frauen (33 Prozent) suchten Hilfe wegen zurückliegendem Missbrauch, 45 (24 Prozent) wegen sexueller Belästigung. Digitale Gewalt war in 21 Fällen (11 Prozent) Thema. 97 Prozent der benannten Täter waren männlich.

Grafik aus dem Jahresbericht des Frauennotrufs.
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Neuer Schwerpunkt: Digitale Gewalt
Digitale sexualisierte Gewalt ist seit einigen Jahren ein wachsendes Thema und hat sich in der Beratungsstelle als eigenständiges Handlungsfeld etabliert. Die Beratungskontakte in diesem Bereich stiegen 2025 erneut an. Frauen wandten sich etwa mit Fragen wie: Was tun, nachdem ein Tracker des Ex-Partners gefunden wurde? Wie lässt sich Erpressung mit intimen Bildmaterialien einschränken?
Einen zentralen Schwerpunkt bildete die Präventionsarbeit an Schulen. Workshops an fünf Schulen erreichten mehr als 150 Mädchen und junge Frauen zwischen 12 und 25 Jahren – Themen waren Gefahren im Netz, Cybergrooming und Safer Sexting. Das Workshopkonzept wurde weiterentwickelt, die Nachfrage ist so groß, dass Planungen für weitere Veranstaltungen 2026 laufen.
Ein wichtiger Schritt laut Frauennotruf: Der Stadtrat beschloss, das bislang befristete Projekt dauerhaft zu fördern – eine halbe Vollzeitstelle ist seit 2025 fest im Haushalt verankert. Workshops an fünf Schulen erreichten mehr als 150 Mädchen und junge Frauen zwischen 12 und 25 Jahren.
Kritik an Bundespolitik
Kritisch sieht die Beratungsstelle die Lage beim Fonds „Sexueller Missbrauch“: Dieser wurde 2025 abgewickelt – nach Einschätzung der Einrichtung auf „äußerst fragwürdige und intransparente“ Weise. Die neue Bundesregierung hat zwar eine Fortsetzung zugesagt, im Haushalt 2026 sind jedoch keine Mittel eingestellt. Die Beratungsstelle fordert eine baldmögliche Wiedereinsetzung. Positiver ist die Bewertung des im Februar 2025 vom Bundestag beschlossenen Gewalthilfegesetzes: Es sieht ab 2032 einen Rechtsanspruch auf Schutz und Beratung für gewaltbetroffene Frauen vor.
