KommentarLeverkusen soll bei Autobahn weiter bremsen

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Die Autobahnbrücke wird als erstes fertig, danach arbeitet sich die Autobahn GmbH in Richtung der Stadt vor.Bild: Ralf Krieger

Die Autobahnbrücke wird als erstes fertig, danach arbeitet sich die Autobahn GmbH in Richtung der Stadt vor.

Kommentar zur von der Verwaltungsspitze geplanten Änderung beim Umgang mit der Autobahn GmbH.

Jetzt muss man mal ganz knallhart überlegen, was für die Einwohner in Leverkusen, besonders die Wiesdorfer, Küppersteger und Manforter, das Beste ist: Soll die Stadt die Autobahn GmbH bremsen oder ihr geschmeidig zuarbeiten, so wie das der Oberbürgermeister jetzt will?

Das Bremsen durch die Verweigerungshaltung des Rates gegenüber der Autobahnbehörde war richtig. Alle demokratischen Parteien haben das aus gutem Grund und wegen ihrer Erfahrungen gemeinsam so gesehen. Diese Haltung des geraden Rückens hat jetzt schon bei der Verzögerung des Autobahnausbaus geholfen, und das ist derzeit die einzige Chance: nämlich, dass die Sachzwänge Klimawandel und Geldmangel im Ministerium in Berlin eine Neubewertung des wegen veralteter Zahlen und Prognosen aus der Vor-Corona-Zeit überholten Bundesverkehrswegeplans erzwingen. Der Autobahn GmbH gefällig zuzuarbeiten, bedeutet, ihr dabei zu helfen, die Straße in möglichst kurzer Zeit achtspurig mitten durch die zentrale Stadt zu ziehen: Das werden Asphaltbänder, die so breit sind wie Landebahnen von internationalen Flughäfen.

Ralf Krieger

Ralf Krieger

Redakteur in der Lokalredaktion Leverkusen. Geboren in Bensberg, Jahrgang 1965, gelernter Fotograf und Reporter. Bevor er zum „Leverkusener Anzeiger“ kam, war er einige Jahre beim „Kölner Stadt-Anzeig...

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Dabei gibt es nicht wenige Anzeichen und Studien, dass die Prognosen über die Verkehrszahlen, die dem Ausbau in dieser Größe zugrunde liegen, nicht mehr zutreffen und dass die Autobahn in der vorgegebenen Größe nicht gebraucht wird.

In Leverkusen weiß man nur zu gut, dass einmal gebaute Straßen, die nicht gebraucht werden, kaum mehr zurückgebaut werden, wenn sie erst mal da sind: Westring, Oulustraße sind Beispiele.

Wenn das Autobahnkreuz vernünftig erneuert würde und die A3 und die Stelze in ihrer jetzigen Größe nur saniert würden, dürfte der Verkehr auf A1 und A3 fast zu allen Zeiten gut fließen.

Beim Arzt soll man sich künftig eine Zweitmeinung einholen, wenn eine große Sache wie ein künstliches Knie ansteht. Das gleiche Prinzip bei der Autobahn in Leverkusen nicht anzuwenden, ist nicht rational. Warum lässt man in Berlin eigentlich nicht noch einmal mit neueren Verkehrszahlen und aktualisierten Prognosen nachrechnen, ob sich bei A1 und A3 in Leverkusen nicht Milliarden sparen lassen? Bis man auf diese Idee im Ministerium von selbst kommt, sollte Leverkusen weiter bremsen.