65 Mitglieder hat die Gruppe heute, die ihr Jubiläum Ende November groß feiert.
Gegründet als WerksensembleBayer Blasorchester wird 125 Jahre alt

2025 nahm das Bayer Blasorchester erstmals an einem Wertungsspiel am Gardasee teil.
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Auch wenn der „Orchester-Verein der Farbenfabriken vorm. Fried. Bayer & Co. Leverkusen“ im Jahr 1901 gegründet wurde und das Bayer Blasorchester, wie es seit 1966 heißt, damit in diesem Jahr seinen 125. Geburtstag feiert, gehen die Ursprünge der Kapelle sogar noch ein Jahr weiter zurück.
„Es waren einmal elf Feuerwehrleute, die sich der Blasmusik verschrieben hatten“, beginnt die Chronik der Bayer-Bläser. Unter der Leitung von Franz Luderich spielte die Kapelle, die damals noch kaum über Instrumente, Notenpapier und mehr verfügte, ihre ersten Töne, bevor Werksleiter Carl Duisberg sie entdeckte. Und so entstand ein Jahr später aus 15 Mitgliedern der Vorläufer dessen, was heute das 65 Leute starke Bayer Blasorchester ist.
Die Musikerinnen und Musiker haben sich vor allem der symphonischen und konzertanten Blasmusik verschrieben. Das, so berichten es Frauke Westfeld und Sebastian Fliß aus dem Vorstand, habe schon der langjährige Dirigent Pierre Kuijpers begonnen und nach dem Wechsel 2021 der aktuelle Dirigent Tobias Schütte übernommen.

Das Bayer Blasorchester 1903, damals ausschließlich mit männlicher Besetzung
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Die Bayer-Bläser sind ein hochklassiges Amateurorchester. Das bestätigen auch immer wieder hochkarätige Ausnahmemusiker, die mit den Musikerinnen und Musikern zusammenspielen, wie auf dem Start-Festival 2024 beispielsweise der Tuba-Star Andreas Martin Hofmeier. Deshalb müsse jeder, der im Bayer Blasorchester mitspielen will, vorspielen. Orchestererfahrung empfehlen die Vorstände dafür.
„Musik gemeinsam erleben“ hat sich das Orchester als Motto gegeben. Und dazu gehört – allem musikalischen Anspruch zum Trotz – auch das Zwischenmenschliche, die Gemeinschaft. Das dürfe man nicht unterschätzen, sagt die Vereinsvorsitzende Frauke Westfeld. Sebastian Fliß ergänzt: „Wer einmal kommt, der bleibt.“ Denn gemeinsam feiern und auch anpacken, wenn’s sein muss, gehöre für alle Mitglieder dazu.
Dazu tragen auch Aktionen wie die Konzertreise bei, die das Orchester im vergangenen Jahr unternommen hatte: Zum ersten Mal in der Geschichte des Bayer Blasorchesters nahm man an einem Wertungsspiel teil, also einem Musikwettbewerb. Dazu hatte sich das BBO nach Italien an den Gardasee aufgemacht, um auf dem Wettbewerb „Flicorno d’oro“ (Goldenes Flügelhorn) mitzumachen. Nach Hause gekommen ist das Orchester mit einem guten dritten Platz.

Das Bayer Blasorchester im Winter 2021: Dirigent Tobias Schütte (l.) übernahm von Pierre Kuijpers.
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Das „musikalische Zuhause“ ist das Erholungshaus, hier probt das Orchester jeden Dienstag um 19 Uhr. Hier geben die Musikerinnen und Musiker auch ihr großes Jubiläumskonzert am 28. November. Wie lange das Orchester noch dort probt, ist ungewiss. „Wir haben natürlich die Hoffnung, dass es weitergeht“, sagt Westfeld. Bekanntlich verlässt Bayer Kultur zum Jahresende das bislang konzerneigene Konzerthaus. Was dann mit dem Gebäude passiert, weiß noch niemand. Die Stadt kann sich den Betrieb nicht leisten, derzeit laufen im Hintergrund Gespräche. Sollte das BBO tatsächlich raus müssen aus dem Erholungshaus, müsse man nach Alternativen suchen.
Das BBO ist ein eigenständiger Verein, der von Bayer unterstützt wird. Das soll auch so bleiben, sagt der Vorstand. Die Kulturabteilung des Konzerns hatte einigen Vereinen, die er lange unterstützt hatte, die Nutzungsrechte für den Markennamen und manchen auch die finanzielle Unterstützung gekündigt. Das BBO soll aber weiterhin im Bayer-Schoß bleiben.

Im vergangenen Jahr spielten die Musikerinnen und Musiker mit dem Klarinettisten David Orlowsky.
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Nach Corona, so berichten die beiden, hatte man eine Art Neustart gewagt. Etwa 40 Leute waren damals im BBO. Daraufhin hatte sich das Orchester konsequent daran gemacht, neue Mitglieder zu gewinnen. Man habe die digitale Präsenz erhöht, sei auf Social Media aktiver geworden, habe aber auch klassische Schnupperproben veranstaltet und nicht über schon bestehende Mitglieder weitere Mitglieder gewonnen. Und offenbar hat es funktioniert. Das Orchester ist mit 65 Mitgliedern fast überall sehr gut besetzt, lediglich im Schlagwerk könnte man noch Musikerinnen und Musiker gebrauchen, sagen Westfeld und Fliß. Auch das Niveau habe man in den vergangenen Jahren etwas anheben können.
Ein Jugendorchester oder eine andere Nachwuchsgruppe gibt es nicht. „Wir sind ein Erwachsenenorchester“, sagt Sebastian Fliß. Durch den Mitgliederzuwachs habe sich das Orchester aber automatisch etwas verjüngt. Das jüngste Mitglied sei 18 und das älteste Ende 70.
Für das Jubiläumskonzert Ende November gibt es schon Karten bei Kölnticket. Auf dem Programm steht im ersten Teil die dritte Symphonie von James Barnes. Den vier Sätzen des Stückes werden verschiedene Epochen aus 125 Jahren BBO zugeordnet, unterstützt durch Textbeiträge. Im zweiten Teil wartet ein Best-of aus Stücken, die das Orchester in den vergangenen Jahrzehnten gespielt hat. Ausgewählt von den Musikerinnen und Musikern selbst.
Schlaglichter des BBO
1901 Gründung als „Orchester-Verein der Farbenfabriken vorm. Fried. Bayer & Co. Leverkusen“.
20. Oktober 1901 Erstes Stiftungsfest, damit offizieller Gründungstag.
1902 Erster Auftritt des Werksvereins auf der Chemikertagung.
1903 Karl Rüdiger übernimmt die Leitung.
1950 Gustav Haseke übernimmt den Orchester-Verein.
1968 Erstmals werden Frauen aufgenommen.
1996 Pierre Kuijpers wird neuer Leiter des Orchesters.
2021 Tobias Schütte löst Kuijpers als Dirigent ab.
