Auch wenn die Zahlen, die das Statistische Bundesamt zuletzt vorgelegt hat, auf eine leichte Erholung der deutschen Wirtschaft hindeuten, ist die Stimmung bei der Industrie- und Handelskammer Köln (IHK) nach wie vor nicht besonders gut. Zumindest nicht bei den insgesamt 464 Unternehmen, die die IHK im gesamten Kammerbezirk für ihre Konjunkturumfrage befragt hat.
Zwar erhole sich die Wirtschaft in der Region im Herbst leicht, steht im IHK-Bericht. Auch die Gesamtstimmung verbessere sich im Vergleich zur Vorumfrage ein wenig. Aber: Mit 91 Punkten „verbleibt [die Gesamtstimmung, An. d. Red.] damit jedoch weiterhin unterhalb des neutralen Werts von 100 Punkten“. Das sei zwar die erste Verbesserung seit einem Jahr, es sei aber „eindeutig zu früh, um von einer Trendumkehr zu sprechen“.
Wir sind weit davon entfernt, dass es aufwärts geht.
IHK-Hauptgeschäftsführer Uwe Vetterlein drückt das im Pressegespräch so aus: „Wir sind weit davon entfernt, dass es aufwärts geht.“ Man sei nach wie vor im Keller und diskutiere, wie tief die Kellertreppe sei. Erst ab den erwähnten 100 Punkten könne man vielleicht leicht Entwarnung geben.
Die größten Sorgen der Unternehmen sind auch trotz angestoßener Reformen nicht ausgeräumt: Die Energie sei zu teuer, die Lohnnebenkosten zu hoch, ebenso die bürokratischen Hürden. Zudem sei der „Steuerstandort zu teuer im internationalen Vergleich“, sagte Vetterlin. Man habe in Deutschland kein Technologie- oder Innovationsproblem, sagte der Hauptgeschäftsführer und sprang exemplarisch der häufig kritisierten Autoindustrie bei. Man habe ein Kostenproblem. Deutschland sei nie der günstigste Standort gewesen. Aber so wie es jetzt laufe, „ist der Standort Deutschland schlicht zu teuer“.
Und daran könne man politisch etwas ändern, sagt er. Im Gegensatz zu geopolitischen Faktoren, die sich auf die Wirtschaft auswirken. Trumps Zoll-Politik zum Beispiel. Dabei sei aber vor allem „das Erratische“ des US-Präsidenten das Problem, weniger die Zollhöhe. Denn mit außenpolitischen und damit wirtschaftspolitischen Schwierigkeiten könnten die Unternehmen umgehen – „gelernt, geübt“, sagte Vetterlein. Aber, und da stimmte ihm der IHK-Geschäftsstellenleiter für Leverkusen und Rhein-Berg, Alexander Felsch, zu: Man müsse in Deutschland daran arbeiten, wettbewerbsfähig zu sein.
Für den Gesamtbezirk bezeichnen 22 Prozent der befragten Unternehmen ihre Lage als besser im Vergleich zum Zeitpunkt der vorigen IHK-Umfrage. 27 Prozent sagten, sie sei schlechter. Für 51 Prozent ist sie befriedigend oder zumindest gleichbleibend. Auffällig beim Blick auf die Gesamtzahlen: 30 Prozent erwarten eine Verschlechterung beim Export, nur acht Prozent glauben, dass es in dieser Hinsicht besser wird. Auch was die Beschäftigungsaussichten angeht, ist die Seite derer, die sie als schlecht bewerten, mit 28 zu 13 Prozent deutlich größer als die Seite derer, die optimistisch auf das Thema Arbeitsplätze schauen. Bei den Investitionsabsichten ist die Diskrepanz im Gesamtbezirk nicht ganz so hoch: 32 Prozent bei schlecht, 28 Prozent bei gut.
Zahlen für Leverkusen
16 Prozent der befragten Unternehmen bezeichnen ihre Lage als „gut“, bei der Umfrage zuvor waren es 28 Prozent. 22 Prozent haben mit „schlecht“ geantwortet (32 Prozent zuvor). „Die Geschäftserwartungen haben sich zwar verbessert, bleiben jedoch überwiegend pessimistisch“, so die IHK. Zwischen denen, die mit einer Verbesserung (elf Prozent) ihrer Geschäftslage rechnen, und denen, die mit einer Verschlechterung rechnen (20 Prozent), liegen immer noch neun Prozent, auch wenn die Differenz in der Umfrage zuvor sogar bei 16 Prozent gelegen hatte. 28 Prozent wollen mehr investieren, 20 Prozent weniger. Die Beschäftigungsaussichten haben sich im Saldo um 4,7 Prozent verschlechtert. In Leverkusen sei vor allem die Inlandsnachfrage schlecht, die Kosten für Energie und Rohstoffe zu hoch. (nip)
Zahlen für Rhein-Berg
In allen Bereichen deutlich schlechter ist das Saldo von guten im Vergleich zu schlechten Umfrageergebnissen bei den Unternehmen im Rheinisch-Bergischen Kreis. 39 Prozent verzeichnen schlechte Beschäftigungsaussichten, neun Prozent gute. 31 Prozent bezeichnen die Lage als gut, 20 als schlecht. 46 Prozent wollen weniger investieren, 18 Prozent mehr. 24 Prozent glauben, dass es schlechter wird, zehn Prozent, dass es besser wird. Die Hauptrisiken sind für die Unternehmen dieselben wie in Leverkusen: Energie- und Rohstoffpreise, Inlandsnachfrage und Arbeitskosten. (nip)

