Jochen Ott, designierter SPD-Herausforderer von Hendrik Wüst, besuchte die Jobservice Beschäftigungsförderung Leverkusen.
Jochen Ott zu BesuchWas die Arbeit der Leverkusener JSL ausmacht

Geschäftsführer Thomas Schorn (r.) berichtete Jochen Ott (l.), SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2027, in Opladen von den JSL-Projekten.
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Schon die Zahl klingt eindrucksvoll: 122 Menschen konnte das Team der Jobservice Beschäftigungsförderung Leverkusen (JSL) im vergangenen Jahr in den Arbeitsmarkt vermitteln. Was diese Zahl aber wirklich bedeutet und sichtbar macht, bringt JSL-Geschäftsführer Thomas Schorn am Donnerstagnachmittag mit einem Beispiel auf den Punkt: Wenn Leute, die vorher bei ihm auf dem Hof gearbeitet hätten, irgendwann zum Beispiel als Busfahrer an der Humboldtstraße in Opladen vorbeikämen und grüßten – das sei ein tolles Gefühl.
Als Schorn das erzählt, lächelt sein Gesprächspartner: Ihm gegenüber sitzt Jochen Ott, designierter SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2027. Der ist offenbar schon früh im Wahlkampf unterwegs und besucht die JSL, um sich die dortige Arbeit zeigen zu lassen.
Die kann sich absolut sehen lassen. 1999 gegründet, will die JSL Menschen erreichen, die von gesellschaftlicher Teilhabe lange ausgeschlossen waren und sind. Langzeitarbeitslose vor allem. Sie bekommen bei der JSL einen Job – bezahlt wird laut Schorn etwas mehr als der Mindestlohn –, verrichten vor allem Helfertätigkeiten für die Stadt. Die beauftragt die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der JSL nämlich zum Beispiel damit, die Radwege zu pflegen. 300 Kilometer prüften die zehn Mitarbeiter jeden Tag, berichtet Schorn. Sie schneiden die Wege frei und entsorgen Müll. Eines der Projekte, die Schorn dem Sozialdemokraten erklärt.
Arbeitslosigkeit geht oft mit Einsamkeit einher
Das langfristige Ziel der Arbeit der JSL sei, dass die Leute irgendwann „den Kopf heben und formulieren, was sie sich wirklich wünschen“. Denn die 150 Personen, die derzeit Teil der Stadt-Tochter, haben mit großen Problemen zu kämpfen, wenn sie kommen. Häufig sind sie süchtig, trinken beispielsweise zu viel, manche haben keine Schulausbildung, andere haben Migrationsgeschichte und dadurch Sprachprobleme. Rund 3800 solcher Menschen, die für die JSL infrage kämen, gebe es in Leverkusen, sagt Schorn.
Und ihre Probleme gingen häufig einher mit Einsamkeit. Sie fühlen sich isoliert. „Ich kann nix“, „mich mag keiner“ – das seien Sätze, die er in Bewerbungsgesprächen dauernd höre. Und diese Menschen sollen durch die Beschäftigung lernen, wieder einen strukturierten Tagesablauf zu bekommen. Sodass sie im besten Fall irgendwann wieder in den Arbeitsmarkt integriert werden können. Bei der JSL können sie das in mehreren Schritten tun, es gibt mehrere Beschäftigungen. Zum Beispiel die Arbeit für die Tafel der Dinge. Eine Erfolgsgeschichte, die nach dem Hochwasser im Sommer 2021 entstanden ist.
Es hat immer Gründe, wenn Leute nicht arbeiten
Begleitet werden die Menschen von 33 Festangestellten: von Fachanleitern und Pädagogen. Garten- und Landschaftsbauer, Maurer, Schlosser, Sozialarbeiter und mehr arbeiten dort. Und besonders schön: Die neun Vorarbeiter, die es derzeit gibt, waren alle vorher für die JSL tätig. Die nächste Erfolgsgeschichte.
Jochen Ott wollte qua Parteizugehörigkeit von Schorn auch wissen, ob er schlechte Erfahrungen gemacht habe. Ob er viel mit Menschen zu tun gehabt habe, die keinen Bock auf Arbeit hätten, wenn sie zu ihm kämen. Das wies der JSL-Geschäftsführer mit einem entschiedenen „Nein“ ab, und er arbeite schon seit 26 Jahren dort.
Es handele sich um Menschen, die sonst keine Chance mehr bekämen. „Es hat immer Gründe, wenn Leute nicht arbeiten“, sagt Schorn. Die, die kämen, wollen ihre Situation ändern. Und: „Sie wollen jemanden, der sie sieht.“ Das zu knacken – das „Ich kann doch nix, keiner mag mich“ –, das sei der eigentliche Kern der Arbeit.
