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HaushaltskriseIn Leverkusen droht Kahlschlag im Industriemuseum Sensenhammer

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Freudenthaler Sensenhammer Foto: Ralf Krieger

Personalberater schlagen vor, schon im nächsten Jahr alle drei Stellen im Freudenthaler Sensenhammer zu streichen.

Personalberater schlagen vor, schon im nächsten Jahr alle drei Stellen zu streichen. Der frühere Bürgermeister Bernhard Marewski ist entsetzt.

Kommt es so, wäre es wohl das Aus für den Freudenthaler Sensenhammer. Im Rathaus kursiert der Vorschlag, die drei von der Stadt bezahlten Stellen in dem Schlebuscher Industriemuseum zu streichen. Das würde die Museumsleitung betreffen, den Schmied und Techniker sowie die Museumspädagogik. Urheber der Idee sind die Personalberater der PD. Das Unternehmen, das sich komplett in Händen von Bund, Ländern und Kommunen befindet, berät Leverkusen beim Stellenabbau. Die Stadt gehört ebenfalls zu den Teilhabern des Unternehmens.

Im Haushaltsentwurf für 2027 findet sich ein entsprechender Vermerk: „künftig wegfallend“ bei allen drei Stellen. Für den früheren Schlebuscher Ratsherrn Bernhard Marewski ist das Anlass, Alarm zu schlagen. Vehement widerspricht der frühere Christdemokrat der Annahme, dass die Stellenstreichung „keine wesentlichen Auswirkungen auf den Betrieb“ haben werde. Diese These wird von den PD-Beratern vertreten – möglicherweise mit Blick auf die Geschichte des Industriemuseums, das viele Jahre ausschließlich vom Engagement seines Fördervereins getragen wurde. Marewski sieht das völlig anders: „Diese Annahme widerspricht den tatsächlichen Strukturen, Aufgaben und Anforderungen des Museumsbetriebs sowie der Denkmalpflege.“

Profis haben das Angebot erweitert

Die Einrichtung der drei hauptamtlichen Stellen im Sensenhammer sei „der entscheidende Hebel für die positive Entwicklung der letzten Jahre“ gewesen. Das Team um Jürgen Bandsom habe die Museums- und Bildungsarbeit professionalisiert, außerdem das denkmalgeschützte Ensemble am Hammerweg durch fachgerechte Instandsetzung gesichert.

Die Profis hätten zudem das Angebot in den Bereichen Bildung, Kultur und Vermittlung massiv ausgeweitet, neue Formate eingerichtet. Gemeint sind Workshops, Vorträge, Ausstellungen und Konzerte. Das alles habe für einen starken Besucherzuwachs gesorgt, so Marewski: 2025 seien rund 8000 Menschen gekommen. Auch der Förderverein sei viel stärker aufgestellt; die Mitgliederzahl habe sich inzwischen auf gut 260 verdoppelt.

Blick in den Sensenhammer

Industriekultur pur: Dafür steht der Freudenthaler Sensenhammer in Schlebusch.

Der Freudenthaler Sensenhammer sei auch wegen der vielen Veranstaltungen viel präsenter in den Medien. Auch das habe dabei geholfen, mehr Fördermittel einzuwerben. Als Treffpunkt der Schmiede- sowie der Kunst- und Literaturszene sei das Museum etabliert.

Ersteres hat wohl mit zwei Dingen zu tun. Als Jürgen Bandsom 2020 die Leitung zunächst auf einer halben Stelle übernahm, traf er ein Problem an: Die altgedienten Schmiede aus der Ära Kuhlmann waren nicht mehr da. Also fehlte es an Kenntnissen in der alten Technik. Umso wichtiger war es, auf diesem zentralen Gebiet für Nachwuchs zu sorgen. Was mit der zweiten, von der Stadt Leverkusen getragenen Stelle dann geschah.

Ehrenamt allein kann diese Leistungen nicht tragen.
Bernhard Marewski zum Angebot des Sensenhammers

Darauf fußt auch Bernhard Marewskis Befund: Die in den vergangenen Jahren gesehene Fortentwicklung des Museums „ist direkt an die hauptamtlichen Stellen gebunden. Ehrenamt allein kann diese Leistungen nicht tragen.“ Vielmehr breche „der Betrieb des Museums in seiner heutigen Form zusammen“.

Jürgen Bandsom, Leiter des Industriemuseums Freudenthaler Sensenhammer

Seit 2020 leitet Jürgen Bandsom das Industriemuseum Freudenthaler Sensenhammer. Hier hat er einen alten Wetzstein in der Hand.

Denn weder die Bildungsarbeit noch die Denkmalpflege und der Veranstaltungsbetrieb seien ohne professionelle Strukturen machbar. Auch Fördermittel könne man in Hobbystrukturen nicht akquirieren, ist Marewski überzeugt. Als außerschulischer Lernort für Naturwissenschaften müsse man den Sensenhammer ebenfalls abschreiben.

Wenn die Stadt die drei Stellen nicht mehr finanziere, verliere sie nicht nur einen lebendigen Kultur- und etablierten Lernort. Das Denkmal werde auch baulich gefährdet, der Wegfall von Fördermitteln sei zudem finanziell ein Minusgeschäft: Die zufließenden Beträge seien viel höher als die Personalkosten. Schließlich trage Leverkusen einen Imageschaden davon, wenn die Stadt sich aus einem überregional bekannten Vorzeigeprojekt zurückzieht.

Wie ernst die Empfehlung der Berater vom Museumsteam genommen wird, zeigt ein Beispiel: Die vom ADFC aufgegriffene Idee, im Museum neben anderen regelmäßigen Veranstaltungen einen Markt für ältere Fahrräder zu etablieren, verfolgt Jürgen Bandsom erst einmal nicht weiter: Zu unsicher seien die Aussichten. Zum konkreten PD-Vorschlag, der am Dienstag öffentlich wurde, äußerte sich der Museumsleiter nicht. Eine entsprechende Anfrage ließ er unbeantwortet.

Von der Stadtspitze wurde der Beratervorschlag am späten Nachmittag so eingeordnet: „Ich will das auch nicht“, sagte auf Nachfrage Oberbürgermeister Stefan Hebbel. Aber der Betrieb des Industriemuseums sei unstreitig eine freiwillige Leistung. Dass der Förderverein – „ich bin da selbst Mitglied“ – in Schlebusch ungemein wertvolle Arbeit leiste, sei unbestritten. Auch der kulturelle Wert des Museums für Leverkusen könne kaum überschätzt werden. Trotzdem werden die drei Stellen nach dem jetzigen Konzept nicht wiederbesetzt. Wenn Jürgen Bandsom und seine beiden Kollegen ausscheiden, sind ihre Jobs weg.

Kulturdezernent Marc Adomat sagte zu dem Fall: „Wir haben dem nichts entgegenzusetzen“, wenn die Personalberater den Vorschlag auf den Tisch legen. Der Betrieb eines Museums sei nun mal keine Pflichtaufgabe. Deshalb müsse man da nun ran, zwangsläufig. Der OB ließ am Nachmittag durchklingen, dass auch im Museum Morsbroich und im Forum an Personal gespart werden müsse: Programm, Öffnungszeiten und im Kunstmuseum auch die Zahl der Ausstellungen würden eingeschränkt. Leverkusen ist schließlich seit Herbst 2025 überschuldet.