Ein Sondereinsatzkommando erwischte den Lützenkirchener wie geplant. Seit Jahrzehnten konsumiert er Sexvideos mit Kindern.
ProzessLeverkusener lag nackt auf dem Bett und guckte Pornos

Das Logo des Kölner Landgerichts. Dort verhandelt die 10. Große Strafkammer gegen einen Lützenkirchener wegen des massenhaften Verteilens von Kinderpornografie.
Copyright: Rolf Vennenbernd/dpa
Das will man dem verdruckst wirkenden, nicht sonderlich gepflegten Mann sofort glauben: „Ich hatte Angst“, ist seine Antwort auf die Frage von Alexander Linke, warum er vorige Woche nicht vor Gericht erschienen ist. Der Vorsitzende Richter der 10. Großen Strafkammer unternimmt am Dienstag in Köln den zweiten Anlauf in dem Prozess um das massenhafte Bereitstellen von Kinderpornografie. Das geht, weil Timur T. (Name geändert) vorige Woche festgenommen worden ist.
Der heute 44-Jährige hat laut Anklage Fotos und Videos auf zwei einschlägige Plattformen hochgeladen. Das war zwischen Dezember 2021 und August 2022. Am 3. Februar 2025 schließlich stürmte ein Sondereinsatzkommando der Polizei seine Wohnung in einem Lützenkirchener Block. Und fand rund 30.000 Fotos und zweieinhalbtausend Videos auf Festplatten und seinem Laptop.
SEK in Lützenkirchen
Wenn es um Kinderpornografie und deren Nachweis geht, sei ein SEK Standard, berichtet ein Ermittler in Saal 32 des Kölner Landgerichts: Es gehe darum, den Verdächtigen am Rechner zu überraschen. Und man müsse verhindern, dass durch eine kleine Geste der Computer gesperrt und nicht mehr zu öffnen ist. Es habe schon einen Fall gegeben, in dem ein Herunterdrücken der Toaster-Taste alles gesperrt habe, berichtet der Kriminaloberkommissar.
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In der Wohnung von Timur T. sei so etwas nicht passiert. Aber man sei natürlich vorsichtig gewesen. Sobald sich das SEK Zugang zur Wohnung verschafft hatte, wurden ihm die Augen verbunden und ein Kopfhörer aufgesetzt. Außerdem wurde er vom Schlafzimmer ins Wohnzimmer auf einen Stuhl bugsiert und fixiert. Unterdessen sicherten die Polizisten den Laptop und diverse Festplatten.
Auf frischer Tat ertappt – wie geplant
Der nächtliche Zugriff war erfolgreich. Timur T. lag untenrum nackt auf seinem Bett und schaute Pornos. Rechner und zwei Bildschirme stehen direkt vor seiner Schlafstatt. An der Decke hängt eine Befestigung für eine Action-Kamera. Damit hat sich der alleinstehende Mann ausweislich der Daten auf seinem Rechner immer wieder auch selbst gefilmt.
Zuerst, das hatte der Angeklagte vorher gesagt, habe er an einen Überfall geglaubt. Insofern sei ihm fast ein Stein vom Herzen gefallen, als sich herausstellte, dass es Polizisten waren, die zu nächtlicher Stunde in seine Wohnung eingedrungen waren. Das bestätigt der Ermittler: „Er war sehr kooperativ. Ich konnte sehr gut mit ihm reden.“ Bereitwillig habe er auch Passwörter genannt. Das habe die Ermittlungsarbeit sehr erleichtert.
Das war ekelhaft. Sowas hab’ ich noch nie gesehen.
Was dort gespeichert war, hat allerdings sogar sehr erfahrene Ermittlerinnen schockiert. „Das war ekelhaft. Sowas hab’ ich noch nie gesehen“, sagt die Leiterin der Einsatzgruppe.
Das steht im krassen Gegensatz zu dem Eindruck, den der Angeklagte kaum eine Stunde zuvor erweckt hatte. Kinderpornos mit expliziten Gewaltszenen interessierten ihn nicht, „das habe ich mir nicht angeguckt“. Fast hätte man es dem verschüchterten Einzelgänger geglaubt.
Seit zwei Jahrzehnten sammelt er
„So seit 20 Jahren“ habe er Pornovideos und Fotos gesammelt und sich für einschlägige Foren im Internet interessiert. Wie spezialisiert der Leverkusener war, demonstriert die Leiterin der Ermittlungsgruppe: Als er sich im Dezember 2021 auf „Kidflix“ betätigte, war die Kinderporno-Plattform erst ein paar Tage im Netz. Sie ist längst geschlossen, genauso wie „Alice in Wonderland“. Dafür mussten Ermittler in ganz Deutschland sehr hart arbeiten.
Dass Timur T. massenhaft verbotenes Material konsumiert und hochlädt, hatten die Kölner Spezialermittler aus Bayern erfahren. Aus der IP-Adresse ging hervor, dass der Anschluss in oder um Köln sein muss. Der Angeklagte hatte sich zwar immer wieder über geschützte Verbindungen eingeloggt – und für den Zugang zum Darknet natürlich den Tor-Browser benutzt. Trotzdem konnten die Ermittler ihn ausfindig machen und monatelang überwachen.
Es sei gar nicht so einfach gewesen, einen passenden Zeitpunkt zu finden, an dem man Timur T. auf frischer Tat erwischen kann, sagt die Leiterin der Ermittlungsgruppe: Wegen seiner Wechselschichten bei Covestro und weil er unregelmäßig Homeoffice machte, sei er auch nicht zu immer gleichen Zeiten im Netz gewesen. Deshalb habe man „drei Durchsuchungstermine vorbereitet“, berichtet der Polizist. Zum Glück habe es schon beim ersten Mal geklappt.
Timur T. ist geständig: „Ja, ich habe das alles gemacht.“ Nächsten Dienstag will das Gericht noch etwas mehr erfahren über den Mann, der nach eigener Aussage mit neun Geschlechtsverkehr mit seinem zwei Jahre älteren Cousin gehabt hat und nie mit Frauen zusammen war. Richter Alexander Linke hat auch die „Inaugenscheinnahme“ von einschlägigem Material vor. Das wird hinter verschlossenen Türen geschehen. Das ist der Öffentlichkeit nicht zuzumuten. Das Urteil will die 10. Große Strafkammer am 13. Juli sprechen.
