Abo

Haftbefehl beantragtLeverkusener soll tausende Kinderpornos im Darknet verteilt haben

2 min
Der Seiteneingang des Kölner Landgerichts mit Baustelle

Die 10. Große Strafkammer am Kölner Landgericht kam am Montag vergebens zusammen. Ein Leverkusener, dem wegen Kinderpornographie der Prozess gemacht werden sollte, erschien nicht.

Der 44-Jährige kam nicht zum Prozessauftakt. Jetzt wird nach ihm gefahndet.

Als die Polizei seine Wohnung durchsuchte, fand sie knapp 30.000 Fotos und rund 2500 Videos mit Kinderpornographie. Dem 44-jährigen Leverkusener wirft die Staatsanwaltschaft vor, im Darknet massenhaft Inhalte verteilt zu haben, die teils schweren sexuellen Missbrauch von Jungen und Mädchen zeigen. Seit Ende 2021 sei er Mitglied einer Bande gewesen, die eine Plattform betrieb, auf denen Pädophile zusammenkommen konnten. Dort hätten unter anderem mehr als 50.000 Videos zum sofortigen Abruf bereitgestanden. Mit Hilfe des Tor-Browsers kam man dorthin. Gefüttert wurde die Kinderporno-Plattform laut Ermittlungen unter anderem von Timur T. (Name geändert). 

Aber zur Sache konnte es am Montag nicht gehen. Der Angeklagte erschien nicht vor der 10. Großen Strafkammer des Kölner Landgerichts. Versuche ihres Vorsitzenden Alexander Linke, den Mann telefonisch zu erreichen, schlugen fehl: Weder ging der Mann an sein privates, noch an sein Diensthandy. Auch seine Anwältin Nicole Stuckmann konnte keinen Kontakt herstellen. Also wurde die Polizei losgeschickt, um den Mann in Köln vorzuführen.

In Urlaub oder auf der Flucht?

Aber nach mehr als zwei Stunden war nur dies klar: Der Angeklagte war nicht an seinem Arbeitsplatz bei Covestro. Vielmehr berichtete sein Vorgesetzter dort, dass Timur T. vom 8. bis 15. Juni Urlaub habe. Am Freitag sei er noch ganz normal zur Arbeit gekommen. Aus Sicht des Arbeitgebers hatte also alles seine Richtigkeit.

Zu Hause – das stellten die Streifenbeamten dann fest – war der Mann aber auch nicht. Der Hausmeister, den sie dort zufällig antrafen, konnte immerhin einen weiteren Hinweis geben: Das Auto des Angeklagten war nicht an seinem Stellplatz. Vielleicht ist Timur T. nur in den Urlaub gefahren. Vielleicht will er sich aber auch dem Verfahren entziehen. Davon geht die Staatsanwältin aus, die folglich einen Haftbefehl beantragte. 

Dem stimmte die Kammer nach Beratung zu. Seit Montagmittag wird also nach dem Mann gefahndet. Bisher geht man davon aus, dass Timur T. nächsten Dienstag vor dem Kölner Landgericht erscheint: Für den 16. Juni ist der zweite Prozesstag anberaumt.