Die Wiesdorfer Kirche lädt ein zu einer Schau mit Arbeiten von Peter Rech, einem der Initiatoren der Kunsttherapie in Deutschland.
AusstellungMaria und Alice im Wunderland begegnen sich in der Wiesdorfer Christuskirche

Claus Richter und Birgit Wunschik, alte Weggefährten von Peter Rech, vor dessen künstlerischer Auseinandersetzung mit Pfingsten
Copyright: Peter Seidel
„Kümmert euch um meine Bilder!“ Diese schlichte Aufforderung im Testament von Peter W. Rech war für Birgit Wunschik und Claus Richter Auftrag und Verpflichtung. Wunschik und Richter, beides langjährige Freunde des 2019 gestorbenen Professors für Kunstpädagogik und Künstlers Rech, kümmerten sich und suchten Rechs Hürther Zuhause auf, das heute ein Enkel bewohnt. Im Keller des Hauses fanden sie zusammengerollt etwa 75 Leinwände, alle unsigniert und ohne Datum, aber alle von Rech gemalt.
Unerwarteter Fund
Wunschik und Richter waren einigermaßen überrascht. „Ich wusste, dass er gemalt hatte. Aber ich wusste nicht, dass im Keller dort so viele Werke von ihm liegen würden“, berichtete die pensionierte Kunsterzieherin, die bei Rech studiert hatte, am Mittwoch in der Wiesdorfer Christuskirche über den Fund. Hinzu kam, dass bei vielen Bildern gar nicht klar war, was eventuell erst zueinander geordnet werden musste, um gemeinsam ein Werk zu ergeben oder wo oben oder unten war. Wunschik und Richter machten sich an die Arbeit – und da Birgit Wunschik seit einer Ausstellung von Rechs Arbeiten in Bonn-Friesdorf im Jahr 2009 auch mit dem Wiesdorfer Pfarrer Siegfried Eckert bekannt war, nahm sie auch diesen Kontakt wieder auf.
Denn „Um Bilder kümmern“ heißt ja nicht nur: ordnen, zuordnen und vor Schäden bewahren, sondern auch ausstellen. Und so sind nun von Sonntag, 7. Juni, an in der Christuskirche an der Dönhoffstraße 2 für gut zwei Monate Arbeiten von Peter W. Rech zu sehen. Die Schau unter dem Titel „Umkreisungen“ nimmt im Untertitel den testamentarischen Wunsch des Künstlers wieder auf. Im Altarraum der Kirche beeindruckt ein Bilderzyklus zur Kreuzigungsszene. Auf dem ersten Bild ganz links sind Maria, eine weitere Frau und der Jünger Johannes zu sehen, zwischen ihnen eine gekreuzigte Figur, die nur von der Taille abwärts dargestellt ist. Schritt um Schritt und von Bild zu Bild hat Rech die konkret erkennbaren Inhalte dann reduziert.

Alice im Wunderland als schwebendes Mädchen in Blautönen und der Beginn des Kreuzigungszyklus von Rech in der Christuskirche
Copyright: Peter Seidel
Von froher, farbiger Pracht ist dagegen Rechs Darstellung des Pfingstfestes. In strahlendem gelben Licht fährt der Heilige Geist auf die Jünger herab, die auf leuchtendem grünem Grund als abstrakte Figuren gemalt sind. Die Leinwand des großformatigen Bildes ist leider etwas gewellt – Tribut an ihr jahrelanges eingerolltes Schattendasein in Hürth.
Rech setzte sich, so Wunschik, über viele Jahre hinweg immer wieder mit zwei Frauenfiguren auseinander, kreiste um ihr Wesen: mit der biblischen Maria und mit Alice im Wunderland, die in der Christuskirche als schwebendes Mädchen in zarten, aquarelligen Blautönen zu sehen ist. Aber Rech hatte nicht nur einen Blick für überzeitliche Frauenfiguren, sondern setzte sich künstlerisch auch mit der Zurschaustellung des weiblichen Körpers in der Werbewelt auseinander. Auch dazu sind einige Arbeiten in der Christuskirche zu sehen.
Vernissage nach dem Gottesdienst
Die Ausstellung „Umkreisungen – Kümmert euch um meine Bilder“ wird am Sonntag, 7. Juni, 10 Uhr, mit dem Gottesdienst unter Leitung von Pfarrer Siegfried Eckert eröffnet. Birgit Wunschik führt in das Werk Peter W. Rechs ein, zu dessen zahlreichen Aktivitäten auch die Mitgründung der Deutschen Gesellschaft für Kunsttherapie gehört. Rech zählt mit dem Bonner Karl-Heinz Menzen auch zu den Initiatoren der Kunsttherapie, einer besonderen psychotherapeutischen Richtung, in Deutschland. Die Ausstellung ist bis 9. August zu sehen. Öffnungszeiten sind mittwochs bis freitags von 15 bis 18 Uhr und samstags von 11 bis 15 Uhr. (ps)
