Die kleinere Stadtratsfraktion macht sich auch in der Kasse bemerkbar.
ParteienMehr Mitglieder, aber weniger Geld bei den Grünen in Leverkusen

Einer der Vorsitzenden, Markus Holzapfel (Mitte), berichtete über das vergangene Jahr. Auf dem Podium: Kreisgeschäftsführer Nicolai Jacobs und Co-Vorsitzende Julia Länder.
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Wie viele Wahlkämpfe hält die Parteikasse aus? Diese Frage stellten sich die Mitglieder der Grünen am Sonntag. Der Kassenbericht von Michael Hill für das vergangene Jahr zeigte, dass die nicht geplante Bundestagswahl ein ziemliches Loch in die Finanzen gerissen hat. Das mit 2750 Euro außergewöhnlich hohe Spendenaufkommen konnte die höheren Ausgaben bei Weitem nicht ausgleichen – auch wenn statt der befürchteten 30.000 nur 17.000 Euro ausgegeben werden mussten.
Günstiger als geplant war auch der Kommunalwahlkampf im vorigen Herbst: 45.000 Euro waren veranschlagt, knapp 35.000 flossen dann ab. Was allerdings erneut die Frage aufwarf, ob es wirklich klug ist, vor der Stadtratswahl auf Plakate mit den Konterfeis der Kandidaten und Kandidatinnen im Wahlkreis zu verzichten. „Die Kommunalwahl ist eine Persönlichkeitswahl“, unterstrich Christoph Kühl im Treibhaus. Vielleicht wäre spezifische Wahlwerbung gut angelegtes Geld.
Knapp 40.000 Euro Defizit
Insgesamt überstiegen die Ausgaben mit 209.000 die Einnahmen voriges Jahr um knapp 40.000 Euro. Das Eigenkapital des Kreisverbands Leverkusen schmilzt damit zusehends. Für das laufende Jahr hat Michael Hill nur ein Defizit von gut 11.000 Euro geplant. Was daran liegt, dass aller Voraussicht nach kein Urnengang ansteht. Es sei denn, in Berlin geht gehörig was schief. Ob man allerdings mit Vorlaufkosten von nur 2.000 Euro für die Landtagswahl 2027 auskommt, wurde bezweifelt. Gut möglich also, dass die Kasse doch stärker strapaziert wird.
Aus einer sicheren Einnahmequelle sprudelt seit dem vergangenen Spätherbst weniger Geld. Die Stadtratsfraktion der Grünen ist kleiner geworden, obwohl sich das Gremium aufgrund der vielen Direktmandate für die CDU insgesamt vergrößert hat. Mit zuletzt 66.000 Euro waren die Abgaben aus der Fraktion dennoch weiterhin der größte Einnahmeposten. Die rund 230 Mitglieder zahlten rund 62.000 Euro. Das war mehr als ursprünglich kalkuliert: Die Grünen, auch in Leverkusen, verzeichneten einen deutlichen Mitgliederzuwachs.
Blick auf Leverkusens Finanzen
Und einige von ihnen haben sich sofort persönlich stark eingebracht. Mark Bodenstein zum Beispiel ist einer der beiden Kassenprüfer. Der Hochschulangestellte hätte die Leverkusener Grünen auch gerne auf der Landesdelegiertenkonferenz vertreten. Im ersten Wahlgang zog er allerdings den Kürzeren. Die 23 Mitglieder statteten vielmehr Claudia Schulte und Christoph Kühl mit Mehrheiten aus. Letzterer ist seit Langem im Stadtrat. Mit Blick auf die extremen Haushaltsprobleme der Stadt Leverkusen will er sich auf Landesebene dafür einsetzen, dass die Ausstattung der Kommunen mit Steuermitteln besser wird: Es gibt immer mehr und neue Aufgaben – aber nicht die erforderliche finanzielle Kompensation. Das betrifft nicht nur Aufträge vom Bund, sondern auch vom Land.
Mit Blick auf die vielen Wechsel im Kreisvorstand stellte Markus Holzapfel der Partei ein gutes Zeugnis aus. Er teilt sich mit Julia Länder jetzt den Vorsitz bei den Leverkusener Grünen. Der neue Geschäftsführer Nicolai Jacobs habe sich sehr schnell eingearbeitet. Er musste für den schwer erkrankten Sven Weiss ran, der als OB-Kandidat der Grünen zunächst einen sehr guten Wahlkampf hingelegt habe, so Holzapfel.
Ein weiteres Thema am Sonntag betrifft wiederum die Parteifinanzen. Die Grünen können jetzt doch in ihrem angestammten Quartier, dem Treibhaus auf der Mülheimer Straße, bleiben. Gespräche mit dem Vermieter seien gut verlaufen; das Gebäude wird saniert. Trotzdem muss auch die Partei rund 20.000 Euro in das Haus investieren. Ein Umzug, so Kassenwart Michael Hill, wäre aber auch teuer geworden. Vor allem: „Einen besseren Standort konnten wir nicht finden.“ Im Sommer soll mit der Sanierung des Treibhauses begonnen werden. Was die Kasse weiter leeren wird.

