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WirtschaftWas die Overather Firma Dienes von der Politik erwartet

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Zu sehen sind zwei Frauen und zwei Männer in einer Industriehalle.

Die Geschwister Maja und Julian Supe-Dienes (v.l.) erklärten Gitta Connemann, MdB der CDU, gemeinsam mit Dr. Siyuan Wang, Produktionsleiter bei Dienes, was sie von der Politik erwarten.

Beim Besuch von Gitta Connemann (MdB) ging es unter anderem um Arbeitskosten und Kündigungen.

Über den aktuellen Stand der Dinge bei der Unternehmensgruppe Dienes, die im Bereich Schneid- und Ventiltechnik agiert und ihren Hauptsitz in Overath-Vilkerath hat, informierte sich Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann (CDU) bei einem Besuch vor Ort. Seit 2025 ist sie auch Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und Beauftragte der Bundesregierung für den Mittelstand. Maja Supe-Dienes, Mitglied der Geschäftsleitung des Familienunternehmens in vierter Generation, und ihr Bruder Julian Supe-Dienes, Geschäftsführung, präsentierten dabei nicht nur ihr Geschäftsmodell, sondern auch, was sie sich von der Regierung erhoffen.

Zunächst aber gab es eine Führung durch die Werkshallen, wo Julian Supe-Dienes und Produktionsleiter Dr. Siyuan Wang zeigten, womit sich das Unternehmen beschäftigt. Besonders die Bandbreite an Produkten, weit über 100.000 Artikel, ermögliche es, in vielen Branchen Absatz zu finden. Folie, Aluminium, Vlies oder Papier seien zum Beispiel Materialien, für die sie Schneidwerkzeug herstellen. So könne man Branchen, die sich im Abstieg befinden, mit wachsenden kompensieren. „Die Folien für Fotofilme zum Beispiel waren bis in die 2000er-Jahre ein großer Umsatztreiber. Das hat sich seither grundlegend geändert, wir uns daher auch“, betonte Julian Supe-Dienes. Dienes biete auch Produkte, die möglichst einfach in der Handhabung und intelligent seien. Damit ist gemeint, dass die Werkzeuge beim Schneiden Daten erfassen, die zur weiteren Optimierung dienen. Ein Netzwerk sorge außerdem für die Kundenbindung, indem es anbiete, benutzte Messer zu schärfen, so dass kein neues angeschafft werden muss. Das halte auch die Konkurrenz fern.

Patente sind wichtiger Faktor

Ein wichtiger Faktor für das Unternehmen seien die mehr als 200 Patente, die Dienes weltweit im Bereich Messer, Messerhalter und Schneidsysteme halte, wie Maja Supe-Dienes erklärte. Die Bundestagsabgeordnete erkundigte sich, wie viele der Patente mit Förderungen entstanden seien, da Dienes einst die sogenannte ZIM-Förderung (Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand) vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie erhielt.

Nur eines sei mit Förderung entstanden, erklärte Julian Supe-Dienes. Grund dafür seien hohe bürokratische Hürden. „Wir haben für den Antrag externe Leute beauftragt, die die Formulare für uns ausgefüllt haben“, meinte Maja Supe-Dienes. Die müssten zunächst bezahlt werden. Connemann berichtete, dass man auf Bundesebene seit 2025 Verbesserungen, wie Digitalisierung oder niederschwelligere Antragsvoraussetzungen erarbeitet habe. Das sei zwar gut, fand Julian Supe-Dienes, aber „Förderungen sind bei uns kein Entscheidungskriterium“. Schließlich müsse ein Unternehmen auch ohne Förderung Investitionen tätigen können. Das Problem seien die Rahmenbedingungen. „Die Frage ist nicht, ob wir investieren, sondern wo“, ergänzte Maja Supe-Dienes.

Arbeitskosten im Vergleich zum Ausland

In einem Vergleich zeigte sie exemplarisch die Bedingungsunterschiede zwischen Deutschland und Ungarn auf, wo Dienes bereits einen Standort hat. So belaufen sich die durchschnittlichen Arbeitskosten je geleistete Stunde in Deutschland laut der unternehmenseigenen Übersicht auf 45 Euro, in Ungarn 15,20 Euro. Die Regelarbeitszeit liege hier zwischen 35 und 40 Stunden bei 218 bis 221 Arbeitstagen im Jahr, in Ungarn seien es 40 Stunden bei 229 bis 232 Tagen. Die Unternehmensbesteuerung bei den Gehältern liege hier bei 15 Prozent Körperschaftssteuer, plus Solidaritätszuschlag und Gewerbesteuer (damit circa 30 Prozent) und dem Gewerbesteuer-Hebesatz von 550 Prozent. In Ungarn betrage die Unternehmensbesteuerung 9 Prozent.

Was sich das Unternehmen deshalb erhofft? Dazu hat die Dienes-Gruppe verschiedene Vorschläge. So gehe es zum einen um Arbeitskosten. Die Mitarbeitenden würden angesichts der gestiegenen Lebenshaltungskosten nach Gehaltserhöhungen fragen. Ihr Ansatz sei deshalb ein höheres Nettoeinkommen. Dabei sollte nicht nur die Einkommenssteuer, sondern auch die steigenden Sozialabgaben betrachtet werden.

Mehr Flexibilität bei Kündigungen

Zudem möchte die Firma mehr Flexibilität bei Kündigungen. Neue Mitarbeiter einzustellen sei kostenseitig betrachtet schwer, wenn man an andere Mitarbeiter gebunden sei. Kosten durch Aufhebungsverträge oder Anwälte könnten vermieden werden, wenn Befristungen einfacher und Kündigungen kalkulierbarer seien. Flexiblere Arbeitszeiten wären ebenfalls hilfreich.

Ein großer Faktor sei der Bürokratieabbau. Der komme, auch wenn die Richtung stimme, noch nicht bei den Unternehmen an. Man warte lange auf Genehmigungen, besonders beim Bauen, und kämpfe sich durch einen Dschungel an Formularen. Hinzu kämen Umwelt- oder Lärmfaktoren, die gerade auf kommunaler Ebene Prozesse beim Neubau verzögerten. Die Abschaffung von Bürokratie müsse schneller gehen, sonst seien viele Unternehmen bereits im Ausland, bevor in Deutschland Besserung eintrete und was hier verkauft werde, gehe oft an ausländische Konkurrenz.

Mehr Bürokratie abbauen

Connemann betonte, dass sie die Innovationstätigkeiten in Deutschland ebenfalls als wichtigen Wettbewerbsfaktor sehe, weshalb der Bürokratieabbau entscheidend sei. Besonders die Kommunen stünden deshalb unter Druck, so dass der Bauturbo bisher nicht überall angekommen sei. Eine Stichtagsregelung zur Einführung von Regelungen wie dem Bauturbo sei daher dringend notwendig.

Hohe Energiekosten, besonders bei Strom und Gas, und das Thema Erbschaftssteuer belasteten die Gruppe ebenfalls, wie Maja Supe-Dienes ausführte. Als Nachwuchs in Familienunternehmen käme man sich in Deutschland nicht mehr so willkommen vor, wegen des Risikos einer Erbschaftssteuer. Das Unternehmen brauche Planungssicherheit und Eigenkapital.

Dennoch, so Maja Supe-Dienes, seien sie motiviert, den Standort in Deutschland zu stärken, weshalb auch die Sanierung der Werkshalle in Angriff genommen wurde. Wie lange das jedoch noch der Fall sei, hänge von den weiteren Entwicklungen ab.