Abo

HitdorfLeverkusener Yachtclub schaut auf drei Jahrzehnte zurück

4 min
Hafenmeister Johannes Mießeler mit seiner Frau vor dem eigenen Boot

Hafenmeister Johannes Mießeler mit seiner Frau vor dem eigenen Boot

Der „Motor-Yacht-Club Leverkusen Tonne 701“ feiert runden Geburtstag.

Der kleine Yachthafen liegt ein wenig versteckt am Rheinufer, nur wenige Meter entfernt von der „Wacht am Rhein“. Eine Schranke soll das unbefugte Betreten des Geländes verhindern. Gleich dahinter liegen rund 30 Boote auf ihren Plätzen. Das Vereinshaus des „Motor-Yacht-Clubs Leverkusen Tonne 701“ schaukelt gemächlich auf dem Wasser. Ein großer Tisch, ein großer Kühlschrank, eine Eismaschine, ein Fernseher, es ist alles da, um gemütliche Wochenenden am Rhein verbringen zu können.

Im August wird der Jachtclub 30 Jahre alt. Ein Geburtstag, den der Verein gebührend feiern wird. In diesen 30 Jahren ist viel passiert. Aus der Taufe gehoben wurde er aus einer Notlage heraus. „Der damalige Betreiber, der sogar noch eine Tankstelle unterhielt, wollte den Hafen aufgeben. Eine Nachfolge war nicht in Sicht. Der Hafen wäre geschlossen worden“, weiß Hafenmeister Johannes Mießeler zu berichten. „Da haben einige der damaligen Mitglieder Geld in die Hand genommen, den Hafen übernommen und den Verein Motor-Yacht-Club-Leverkusen Tonne 701 gegründet.“

Er selbst ist vor etwa 15 Jahren zum Verein gestoßen. Sein Boot musste zur Reparatur nach Hitdorf.  „Auf dem Rückweg wollte ich das Boot testen, bevor ich es in den Heimathafen zurückbringe“, erinnert er sich. Ein Kumpel half ihm dabei. „Da haben wir dann einen naheliegenden Hafen gesucht und den hier gefunden.“ Er ging aufs Gelände und fragte die Anwesenden, ob sie diesen Test erlauben würden. Das war kein Problem. So holte er das Boot ans Wasser. „Als wir mit dem Boot hier unten ankamen, standen bereits drei Leute mit Watthosen im Wasser“, erzählt er weiter. „Ich war kaum vom Boot runter, da war das schon im Wasser. So viel Hilfsbereitschaft hatte ich noch nicht erlebt.“

Johannes Mießeler (l.), hier mit einigen Vereinsmitgliedern, ist vor 15 Jahren zum Verein dazugestoßen.

Johannes Mießeler (l.), hier mit einigen Vereinsmitgliedern, ist vor 15 Jahren zum Verein dazugestoßen.

Man verstand sich und schließlich blieben Mießeler und seine Frau im kleinen Hafen in Leverkusen. Der Mann konnte anpacken und ehe er sich es versah, war er Hafenmeister. Den Posten hat er nun bereits seit rund 14 Jahren inne und es wird nie langweilig. Einmal zogen sie einen Mann kurz vor der Brücke aus dem Wasser, der die Strömung unterschätzt hatte. „Der war in den Rhein gesprungen, um seinen Freunden zu imponieren“, erzählt der Hafenmeister. Ein andermal fragte ein TV-Sender für Dreharbeiten an. Die „WaPo Duisburg“ kam und verwandelte einen Teil der Räume in einen Tatort.

Eine Flaschenpost brachte eine ganze Grundschulklasse an den Rhein in Leverkusen. „Die schwamm hier“, erinnert sich Mießeler. Leider stand nicht drin, wer der Absender war. „Aus den gemalten Bildern in der Flasche konnten wir aber erkennen, dass es sich wohl um eine Schulklasse handelte.“ Eine Recherche führte den umtriebigen Hafenmeister auf die richtige Spur. Er machte die Schule ausfindig, besuchte sie und lud die Klasse in den Hafen ein. Es wurde ein unvergesslicher Nachmittag mit Boot fahren, Eis essen und anderen Abenteuern.

Deshalb gibt es eine Vorschrift, die besagt, dass Sportboote vor den Hafenanlagen vom Gas gehen müssen
Johannes Mießeler, Hafenmeister

Die 30 Mitglieder genießen die Saison. Zu Beginn der Saison zelebrieren sie gemeinsam die „Anfahrt“. Dafür werden die Boote geschmückt und alle fahren gemeinsam raus. Ziel ist der Mülheimer Hafen. Die Boote legen in Päckchen an, Boot an Boot, und die Vereinsmitglieder trinken gemeinsam Kaffee. Zurück im Hafen wird gemeinsam gegrillt. Die „Abfahrt“, das Ende der Saison, sieht ebenso aus.

Im Sommer gibt es immer ein Sommerfest, das Mießeler vor etwa neun Jahren ins Leben gerufen hat. In diesem Jahr wird genau dieses Sommerfest zur großen Jubiläumsfeier genutzt. „Wir werden einige Überraschungen bereithalten“, verrät der Hafenmeister.

Neben vielen tollen Momenten gibt es aber auch einige Probleme, die durch Unwissenheit entstehen. Die Strecke vor dem Hafen wird gerne von schnellen Booten genutzt. Der durch die schnelle Geschwindigkeit erzeugte Sog und der Wellenschlag erzeugen schnell schwere Schäden am Hafengelände. „Deshalb gibt es eine Vorschrift, die besagt, dass Sportboote vor den Hafenanlagen vom Gas gehen müssen.“, erklärt der erfahrene Bootsinhaber. Das werde in vielen Fällen leider nicht eingehalten. Auf den Schäden blieb der Verein dann sitzen. Diese Missachtung wird mit einem Bußgeld geahndet. Das kann bis 1500 Euro oder mehr betragen.

Gestiegene Kosten für den Betrieb bereiten dem Verein Sorgen. Den Hafen zu unterhalten, werde immer herausfordernder. „Leider haben wir keine Sponsoren, wie andere Häfen“, erzählt Mießeler. Bei Interesse am Sponsoring des Vereins kann der Kontakt über die Website hergestellt werden.

www.mycl-tonne-701-ev.de