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„Wozu sind Kriege da?“Schüler aus Leverkusen setzen zu Lindenberg-Klassiker Zeichen für den Frieden

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Die Aufführung zum Stück „Die Wette zwischen Krieg und Frieden“ am Jungen Theater.

Die Aufführung zum Stück „Die Wette zwischen Krieg und Frieden“ am Jungen Theater.

Die Klasse O4 von der Schule an der Wupper stellte gemeinsam mit dem Schauspieler Oliver Grice ein eigenes Theaterstück zusammen.

1981 und 1993 – das waren die Erscheinungsjahre der beiden Lieder, die am Donnerstagabend, 27. November, im Jungen Theater in Leverkusen-Opladen zu hören waren. Die Stars des Abends waren da noch längst nicht geboren, sie sind gerade einmal 15 oder 16 Jahre alt – und sind Schüler der Klasse O4 an der Schule an der Wupper. Sie führten ein Stück mit dem Titel „Die Wette zwischen Krieg und Frieden“ auf.

Im Rahmen des Projektes „Kultur und Schule“ der Förderschule hatten die Schüler in den vergangenen Monaten mit dem in Leverkusen lebenden Schauspieler und Regisseur Oliver Grice zusammen gearbeitet. Ursprünglich hatte er ein Stück zum Thema Naturschutz im Kopf. Im Austausch mit der Klasse wurde Grice, der schon seit einigen Jahren mit der Schule zusammenarbeitet, aber schnell klar: Die Jugendlichen wollen in eine andere thematische Richtung.

Idee des Theaterstücks zum Thema Krieg kam aus der Klasse

Sie schlugen ein „schweres Thema“ vor, wie auch ihre Lehrerinnen, Frau Borgstädt und Frau Plug vor der Aufführung betonten vor: Krieg. „Seid ihr euch sicher?“, war Grices erste Reaktion, wie er im Gespräch mit dem „Leverkusener Anzeiger“ verriet. Die besondere Konstellation: Einige der Schüler haben selbst schon Kriegs- und Fluchterfahrung in ihren jungen Leben sammeln müssen, das wurde auch im Stück thematisiert.

Nach dem rund halbstündigen Stück, das die Schüler auch schon in der Aula der Schule aufgeführt haben, gab es von den knapp 50 Personen vor Ort im Jungen Theater stehende Ovationen. Viele stolze Eltern waren mit dabei, während der Aufführung waren immer wieder Reaktionen aus dem Publikum zu hören, in erster Linie war Rührung und Stolz zu vernehmen. Im Anschluss an den Applaus gab es dann viele Umarmungen.

Grice betont, wie speziell die Situation für die Schüler ist, erstmals in einem Theater aufzutreten – der Scheinwerfer leuchtet ihnen ins Gesicht, alle Blicke aus dem Publikum auf sie gerichtet. Entsprechend gerührt und stolz war auch der Schauspieler: „Da ist auch bei mir eine Träne gekullert.“

Gemeinsam mit Grice stellten die Schüler ein komplett individuelles Stück zusammen – keine Orientierung an Klassikern der Vergangenheit, wie bei Schulaufführungen zu „Romeo und Julia“ oder ähnlichem. Das erzeugte zweifelsohne eine Authentizität, weil auch in den 30 Minuten auf der Bühne Charakterzüge und Hobbys der Schüler offensichtlich wurden. Von den Einschränkungen des Alltags der Förderschüler, wie etwa eine verhältnismäßig kurze Aufmerksamkeitsspanne, war hingegen keine Spur.

Als ein Leitfaden des Stückes fungierte dabei der Song „Wozu sind Kriege da?“ aus dem Jahr 1981 von Udo Lindenberg. Diesen dürften die Schüler aufgrund ihres Alters zuvor wahrscheinlich nicht gekannt haben, er setzt sich aber mit derselben Frage auseinander, die sie auch beschäftigt hat: „Wieso fallen immer wieder, gerade junge, Menschen Kriegen zum Opfer, ist das nötig?“

Aufgeführt wurden unter anderem Szenen, bei denen sich bewaffnete Soldaten, hier leisteten Plastikpistolen Abhilfe, zweier Kriegspartie darauf verzichteten, aufeinander zu schießen – und stattdessen erst ins Gespräch kamen und dann zusammen spielten. Als zweiter Song wurde „Wünsch dir was“ von den Toten Hosen eingespielt, es wurde deutlich: Der Wunsch der Schüler in den aktuell von mehreren Kriegsgebieten geprägten Zeiten ist Frieden. Das ist ihre Hoffnung für die Zukunft.

Die nahe Zukunft der Klasse O4 führt sie allerdings zu einer Reise in die Vergangenheit – und auch wieder in Berührung mit Kriegen. Denn für die Schüler geht es ab Montag auf Klassenfahrt in Bonn und da dann ins Haus der Geschichte. Auf dem Plan steht da schon ein Besuch in der Ausstellung „Nach Hitler: die deutsche Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus“.