Abo

Nach der PleiteSo viel Lindner steckt noch im Hotel am Leverkusener Stadion

3 min
Das Lindner Hotel heißt jetzt The Curve.  Bild: Ralf Krieger

Der Schriftzug auf dem Dach ist noch da. Tatsächlich heißt das Linder-Hotel Bay-Arena jetzt „The Curve“.

„The Curve“ legt einen Neustart hin. Ein Nachfahre des Gründers und Erfinders der Herberge an der Arena sitzt mit an den Schalthebeln.

Lindner steht noch auf dem Dach – aber das sieht man nur am Tage gut. Beleuchtet wird die Reklame nicht mehr. Denn das Hotel an der Bay-Arena heißt seit dem Jahreswechsel „The Curve“. Das ist eine Anspielung auf die Architektur. Das Mitte 1999 eröffnete und damals einzigartige Haus schmiegt sich an die Nordkurve des Stadions an, auch wenn diese Tribünenseite schon lange keine Kurve mehr beschreibt. Das Leverkusener Stadion ist – wie fast überall – längst eine reine Fußballarena mit geraden Seiten.

Die Kurve gekriegt hat das Haus auch im übertragenen Sinn: Im Dezember 2024 hatte die Düsseldorfer Hotelgruppe Lindner wegen drohender Überschuldung die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Kurz darauf erwischte es auch die Immobilienverwaltungsfirma der Gruppe, die Gebau. In allen Unternehmen waren Nachfahren des Firmengründers Otto Lindner senior engagiert. 

Insolvenz in Eigenverwaltung

Das Verfahren durchlief das Unternehmen, zu dem ursprünglich 41 Hotels gehörten, unter Aufsicht des Düsseldorfer Insolvenzspezialisten Frank Kebekus dann in Eigenverwaltung. In dessen Verlauf wurde das Angebot gestrafft; Häuser in Frankfurt, Oberstaufen und Wiesensee wurden abgegeben. 

In Leverkusen waren am Tag der Insolvenzeröffnung 73 Beschäftigte betroffen. Im benachbarten Köln, wo Lindner das City-Plaza an der Magnusstraße sowie im Schatten des Kölner Doms an der Ecke Stolkgasse/An den Dominikanern betrieb, waren es weitere 138. An ihrem Gründungsort Düsseldorf war und ist Lindner mit Häusern am Flughafen und am Seestern vertreten, wo auch die Unternehmenszentrale beheimatet ist. 

Adrian ersetzt Frank Lindner in Düsseldorf

Vorigen August konnte das Insolvenzverfahren abgeschlossen werden. Dabei gab es weitere Veränderungen im Management: Bei Lindner hat mit Adrian Lindner ein weiterer Nachfahre des Gründers als Vorstandsvorsitzender und Chief Executive Officer die Leitung des Unternehmens übernommen. Ihm zur Seite steht mit Christoph Scherk der frühere Finanzvorstand. Der ehemalige Technische Vorstand Frank Lindner ist dagegen aus der Führung der Gruppe ausgeschieden. 

Auch in Leverkusen spielt die Gründerfamilie weiter eine wichtige Rolle: Otto Konstantin Lindner steht mit Jochen Fehn und Tobias S. Oberdieck als Geschäftsführer im Impressum der Stadion Hotel Leverkusen Betriebs-GmbH, deren Sitz ebenfalls in Düsseldorf ist. Anfragen zu weiteren Details ließ man am Montag unbeantwortet.

1999 war das Haus eine Sensation

Das Haus war am 4. Juni 1999 eröffnet worden – allerdings nicht mit einem Spiel der heute so bezeichneten Werkself, sondern mit einem Länderspiel: Deutschland trat in der EM-Qualifikation gegen Moldawien an. In diesem Zusammenhang diskutierten der damalige DFB-Vizepräsident Franz Beckenbauer, Günter Netzer, Ministerpräsident Wolfgang Clement und der Sportbeauftragte der Bayer AG, Jürgen von Einem, unter der Leitung von Sportmoderator Waldemar Hartmann ein Thema, das sich erst in Umrissen abzeichnete: die Bewerbung des Deutschen Fußball-Bundes um die Weltmeisterschaft 2006.

Otto Lindner senior, Gründer der Hotel-Gruppe und damals ihr Aufsichtsratsvorsitzender, hatte am Leverkusener Fußballstadion, das viele Jahre  nach dem Bayer-Granden Ulrich Haberland benannt war, eine Idee verwirklicht, die eines gelernten Architekten würdig war: ein Hotel mit Aussicht auf das Spielfeld. Das gab es noch nirgendwo. In das Haus mit damals 122 Zimmern und diversen Tagungsräumen, die mit ihren Panoramafenstern zum Innenraum den Clou des Konzepts bilden, investierte die Lindner-Gruppe seinerzeit umgerechnet gut zwölf Millionen Euro.  

Das Haus mit seiner speziellen Ausrichtung sollte aber von vornherein nicht nur auf Fußball-Publikum zielen und Konferenzen, die dann in einem Heimspiel von Bayer 04 ihren Abschluss finden. Die verkehrsgünstige Lage machte das Haus auch attraktiv für Besucher und Beschicker der Messen, vor allem in Köln, aber auch in Düsseldorf. 

Beim Betrieb hatten die Bayer AG und der Verein Bayer 04 ursprünglich eng mit Lindner zusammengearbeitet. Selbst das Essen kam bei Großereignissen von der Bayer-Gastronomie. Diese enge Verschränkung war im Lauf von gut zweieinhalb Jahrzehnten aufgegeben worden.