Lokale Autorinnen und Autoren haben Bücher für Kinder und Jugendliche veröffentlicht – Last-Minute-Ideen zu Ostern.
Buchtipps zu OsternNeue Kinder- und Jugendbücher aus der Region

Die Leverkusenerinnen Verena Schüller und Myria Stricker haben sich für ein Kinderbuch zusammengetan.
Copyright: privat
Christian Linker: „Fische sind scheiße“
Einrichtung. „Ich dachte immer, das sind Schränke oder Tische und so Sachen, die du bei Ikea kaufst“, denkt der elfjährige Till. Doch dann erfährt er, dass der Sozialarbeiter Selim damit „das ganze Haus mit Zimmern und allen Kindern und Jugendlichen darin“ meint. Ein Heim also. „Aber Heim klingt einfach nur scheiße“, denkt sich Till.
Und das Schlimmste daran: Im Heim sind Haustiere verboten. Bis dahin sind Till und sein Hund Flocke ein Spitzenteam gewesen und immer irgendwie zurechtgekommen. Obwohl der Vater zu Hause es mit dem Einkaufen und Putzen nicht so genau nimmt. Und das Geld für „kleine weiße Kristalle“ ausgibt, von denen er manchmal Nasenbluten bekommt. Als es einmal mehr als Nasenbluten ist und der Vater ins Krankenhaus kommt, werden Till und Flocke getrennt – einer geht ins Kinder-, der andere ins Tierheim. Doch als Till Flocke dort besuchen will, erfährt er: Sein Hund wurde von einer Familie mitgenommen. Till und sein neuer Freund Pawel, der noch nie am Meer war, schmieden einen Plan, um Flocke zurückzuholen. Als Flockes neue Familie in den Urlaub an die Nordsee fährt, reisen die beiden Jungs kurzerhand hinterher.

Das neue Buch von Christian Linker: „Fische sind scheiße“
Copyright: Deutscher Taschenbuchverlag
Wenn ein Buch „Fische sind scheiße“ heißt, bekommt man direkt die Ahnung: Das wird kein braver Jugendroman. Und tatsächlich traut der Leverkusener Autor Christian Linker seinem Publikum einiges zu – so wie er es seit über zwei Jahrzehnten tut.
Den Buchtitel hat Linker von einer Fachtagung der stationären Erziehungshilfe NRW mitgebracht, bei der er zu einem Schreibworkshop eingeladen war. Dort setzte er sich erstmals mit dem Thema der stationären Jugendhilfe auseinander. Und dem Problem, dass in Wohngruppen keine Haustiere erlaubt sind. Ausnahme: Fische. Unter dem Slogan: „Fische sind scheiße“ machte dort die Interessenvertretung „Jugend vertritt Jugend“ auf diesen Missstand aufmerksam. „Da dachte ich mir: Das ist doch ein unglaublich toller Romantitel“, sagt Linker. Dafür bekommt er das Einverständnis der Jugendlichen, die sich auch noch einmal mit ihm treffen, um vom Alltag in Wohngruppen zu berichten. Entstanden ist ein Jugendroman, in dem es vor allem um Freundschaft geht – zwischen Kindern, aber auch zwischen Mensch und Hund.

Christian Linker gibt häufig Schreibworkshops für Jugendliche, wie hier 2022 im Sensenhammer. Bei einem dieser Workshops kam ihm die Idee zu seinem neuen Buch.
Copyright: Ralf Krieger
Christian Linker, 1975 geboren, ist seiner Leverkusener Heimat bis heute treu geblieben. Sein erstes Kinderbuch erschien bereits 1999, sein Romandebüt „Raumzeit“ 2003 wurde prompt für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Für „Blitzlichtgewitter“ erhielt er 2009 den Hansjörg-Martin-Preis, den Kinder- und Jugendkrimipreis der Autorenvereinigung Das Syndikat. „Der Schuss“ brachte ihm 2018 den rheinland-pfälzischen Jugendbuchpreis Goldene Leslie ein.
Was Linker auszeichnet: Er weicht unbequemen Themen nicht aus. Jugendromane über den IS („Dschihad Calling“), die AfD („Der Schuss“), das Darknet („Scriptkid“) – Linker schreibt über Dinge, über die Erwachsene häufig ungern mit Kindern reden.
Hier reiht sich auch „Fische sind scheiße“ ein – die Drogenprobleme, die Tills Vater ins Krankenhaus und Kind und Hund ins Heim bringen, werden ebenso eingeflochten wie das Schicksal weiterer Heimkinder. Aber nicht, ohne dabei warmherzig und witzig zu bleiben. Eine wohldosierte Ladung harte Weltrealität, verpackt in eine spannende Geschichte für Kinder ab zehn Jahren.
„Fische sind scheiße“, Christian Linker, Deutscher Taschenbuchverlag, 15 Euro, online und im Buchhandel, ISBN 978-3-423-76629-6
Verena Schüller: „Ach und Oh“
Ein Igel namens Ach und ein Schmetterling namens Oh leben auf derselben Blumenwiese. Und doch könnten sie kaum unterschiedlicher sein: Ach sieht das Schlechte, Oh das Schöne. Dann treffen sie aufeinander – und staunen, wie verschieden man dieselbe Welt betrachten kann.

Kinderbuch von Verena Schüller und Myria Stricker
Copyright: Repro Schmidt
So einfach ist die Idee hinter „Ach und Oh“, dem neuen Kinderbuch von Verena Schüller. Und so tiefgründig ist sie gleichzeitig. Denn Schüller hat das Buch aus einer eigenen Motivation heraus geschrieben. Die Autorin, in Leverkusen geboren und heute in Köln lebend, wollte etwas ansprechen, das sie als Mutter zweier Kinder täglich beschäftigt: dass Kinder heute von klein auf mit Themen wie Krise, Krieg und Krankheit aufwachsen – und sich dabei oft ohnmächtig fühlen. Ihre Antwort: Wir können die Welt nicht immer verändern, aber wir können entscheiden, wie wir sie betrachten. Eine Botschaft, die nicht nur für Kinder gilt.
Das Buch ist auch ein Plädoyer dafür, den eigenen Blickwinkel zu hinterfragen – ohne dabei den pessimistischen Igel zu verurteilen oder den optimistischen Schmetterling zu idealisieren. Ach und Oh brauchen einander.
Zum Leben erweckt hat sie die Leverkusener Illustratorin Myria Stricker. Sie ist seit Jahren fest in der regionalen Kreativszene verwurzelt, hat unter anderem das Leverkusen-Wimmelbuch und ein Ausmalbuch über die Stadt gestaltet. Mit Aquarellfarben auf Papier gibt sie Ach und Oh eine besondere Wärme.
„Ach und Oh“, Verena Schüller und Myria Stricker, 19,99 Euro; Books on Demand, Hardcover, ISBN 978-3-6957-1073-7
Annette Langen: Felix’ großer Weltatlas

Neu aus dem Felix-Universum: Der große Weltatlas
Copyright: Coppenrath Verlag / Repro Schmidt
Dass der Hase Felix sich nach 19 Büchern, von denen die meisten ihn rund um die Welt geführt haben, auf dieser wirklich gut auskennt, das kann bestimmt jedes Kind verstehen. Wer also könnte die Erde dem jungen Publikum besser erklären? Die Leichlinger Kinderbuchautorin und „Mutter von Felix“ Annette Langen hat gemeinsam mit Illustratorin Constanza Droop „Der große Felix-Weltatlas“ herausgebracht. Darin findet sich nicht nur eine ausfaltbare Weltkarte und viel weiteres Kartenmaterial, sondern es beantwortet auch die Fragen, die Kinder interessieren: Warum gibt es Tag und Nacht? Wie entstehen Jahreszeiten? Warum ist das Meer salzig?

Briefe von echten Kindern wie Audrey aus Jamaika.
Copyright: Coppenrath Verlag / Repro Schmidt
Wer Felix kennt, der weiß, was nicht fehlen darf: Natürlich die Briefe. Die schreibt Felix in diesem Fall nicht selbst, sondern sie kommen von Kindern aus aller Welt. Es handelt sich um echte Kinderbriefe, wie Langen betont. Etwa von Shauna aus Irland, die erzählt, wie man den Saint Patrick’s Day feiert. Von Stanley aus Ghana, der erklärt, warum er, wie jedes Kind hier, drei verschiedene Namen hat. Oder von Audrey aus Jamaika, die von echten Piraten abstammt. Damit beantworten sie die interessanteste Frage selbst: Wie leben Kinder anderswo auf der Welt?
„Der große Felix Weltatlas“, Annette Langen und Constanza Droop, 62 Seiten, Coppenrath Verlag, 28 Euro, ISBN 978-3-649-65229-8
Annette Langen: Meine Taufbibel
Zu Ostern stehen natürlich christliche Bücher besonders im Fokus. Auch hier hat Annette Langen ein neues, im Februar erschienenes Werk für die Kleinsten im Angebot: „Meine Taufbibel“. Hier werden interessante biblische Geschichten wie die Schöpfung, die Erzählung von Daniel in der Löwengrube, der Arche Noah oder vom Stall in Bethlehem für Kleinkinder erzählt.

Die neue „Taufbibel“ von Annette Langen
Copyright: Herder Verlag
Die leicht verständlichen und farbenfroh illustrierten Geschichten sollen den Kleinsten eine erste Entdeckungsreise in die Welt der Bibel ermöglichen.
Meine Taufbibel, Annette Langen, Illustration Frauke Weldin, Verlag Herder, 64 Seiten, 15 Euro; ISBN: 978-3-451-71789-5
Annette Langen: Wichtel-Post zum Schulanfang
Wichtel sind schwer angesagt bei jüngeren Kindern. In vielen Zimmern finden sich mittlerweile nicht nur zur Weihnachtszeit geheimnisvolle Türchen, hinter denen die zauberhaften Mitbewohner hausen. Diese kleinen Helfer zu nutzen, um Kindern die Angst vor dem Schulstart zu nehmen, ist eine clevere Idee von Annette Langen.

„Wichtel-Post“ von Annette Langen
Copyright: Coppenrath Verlag / Repro Schmidt
In „Wichtelpost zum Schulstart“ übernimmt das Willo von und zu Wichtel, gemeinsam mit seiner Freundin Lotte, der Motte. Beide sind ganz aufgeregt, als Willo zum ersten Mal Post aus dem Wichtelbüro bekommt. „Pack fix wie nix deine Siebensachen und richte dir hinter der kleinen Wichteltür in der Schule ein gemütliches Zuhause ein“, steht dort. Der Auftrag: Dafür sorgen, dass sich die kleinen Menschen in ihrer neuen Schule wohlfühlen.
Während sie mit Willo und Lotte das Schulgebäude erkunden, lernen angehende Erstklässler, was sie da so alles vorfinden werden. Im Stile vom Hasen Felix schreibt auch Willo Briefe an die Kinder, die im Buch zu finden sind – dazu gibt es eine kleine Wichtelpuppe als handfesten Mutmacher für die Hosentasche.
Wichtelpost zum Schulanfang, Annette Langen, Illustration Anne Grobe, Coppenrath Verlag, 32 Seiten, 18 Euro, ISBN: 978-3-649-64632-7.
Eine Blumenvase war wohl noch selten der Star eines Kinderbuches. In „Mich kriegt nichts kaputt“ erweckt Annette Langen die Vasen in einem Porzellanladen nachts zum Leben. Sie stricken, tauschen Geschichten aus und haben, bis auf die kleine Vase, fürchterliche Angst – vor dem Sturz vom Regalbrett, vor dem Umfallen und vor allem, was ihr Dasein erschüttern könnte.

„Mich kriegt nichts kaputt“ von Annette Langen
Copyright: Magellan Verlag
„Angstvasen“ nennt Langen sie – und erzählt eine lustige Geschichte für Kinder ab vier Jahren darüber, dass jeder, egal, ob groß oder klein, sich vor etwas fürchtet. Am Ende aber ist das, wovor wir Angst haben, vielleicht doch gar nicht so schlimm wie gedacht.
Mich kriegt nichts kaputt, Annette Langen, Illustration Kristine Ortmeier, Magellan Verlag, 32 Seiten, 16 Euro, ISBN 978-3-7348-2172-1
