Am 19. April endet der Bürgerentscheid über die Bewerbung der Region „Köln/Rhein-Ruhr“ für die Austragung der Olympischen und Paralympischen Spiele.
Köln/Rhein-RuhrWüst wirbt in Leverkusen mit Paralympiker Markus Rehm für die Spiele

Ministerpräsident Hendrik Wüst lässt sich von Tim von Hagen (M.) und Markus Rehm die Besonderheiten von Rehms Wettkampfprothese erläutern.
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Auf der Countdown-Uhr bis zum Ende des Bürgerentscheids stehen am Mittwochmorgen noch 45 Tage und 19 Stunden, als Ministerpräsident Hendrik Wüst am Mittwochvormittag in die Kalkstraße in Manfort kommt. Wüst tourt in diesen Tagen und Wochen durch die Region, weil er will, dass sich die Region „Köln/Rhein-Ruhr“ für die Austragung der Olympischen und Paralympischen Spiele bewirbt. Am 19. April endet der Bürgerentscheid über das Riesen-Sportprojekt.
An Leverkusen als traditionsreichem Bundesstützpunkt für die Para-Leichtathletik führt da für Wüst kein Weg vorbei. Zumal mit dem TSV Bayer 04-Sportler Markus Rehm der prominenteste Vertreter des paralympischen Spitzensports im „Mannschaftsrat“ für die Bewerbung um die Spiele sitzt. Gemeinsam mit Rehm besucht Wüst zunächst Lentes Prothesenwerkstatt, die seit zehn Jahren ihren Sitz direkt auf der Sportanlage hat. Wüst lässt sich von Lentes-Geschäftsführer Tim vom Hagen und Rehm die einzelnen Schritte bei der Produktion einer Beinprothese erstellen, stellt immer wieder Fragen, etwa, inwieweit computergestützte 3D-Programme und -Verfahren den Herstellungsprozess unterstützen können.
Das ist immer noch viel Handarbeit. Die Haptik ist wichtig.
Vom Hagen und ein weiterer Mitarbeiter machen deutlich, dass 3D-Verfahren zwar komplexe Oberflächen exakt darstellen und in Formen umsetzen können, aber die Computertechnik erkenne eben nicht, wo die Haut eines Prothesenträgers weicher und wo sie härter sei, an welchem Stellen eines Beinstumpfes der Knochen relativ dicht unter der Haut liegt und wo viel Muskelgewebe zwischen Haut und Knochen liegt, kurz: „Das ist immer noch viel Handarbeit. Die Haptik ist wichtig.“
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Einen Raum weiter erläutert Rehm, der selbst einen Meisterbrief in Orthopädietechnik hat, die Besonderheiten seiner Wettkampfprothese. Grundsätzlich, so wollen es die Wettkampf-Statuten, handelt es sich bei den Einzelteilen der Prothese um„ seriengefertigte Produkte. Jeder Athlet auf der ganzen Welt muss sich die Produkte kaufen können“. Aber dann kommt es eben auf die genaue Einstellung zum Beispiel des künstlichen Kniegelenks oder der Carbonfeder an. Rehm: „Das machen wir dann in der Halle beim Laufen. Wir sprechen auch mit dem Biomechaniker über Bewegungsabläufe.“

Hendrik Wüst unterhält sich in der Leichtathletik-Halle mit Johannes Floors und dessen früherem Trainer Karl-Heinz Düe.
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Von der Prothesenwerkstatt geht die Besuchstour hinüber in die Leichtathletikhalle. Dort erläutert Jörg Frischmann, Geschäftsführer für den Para-Sport bei Bayer 04, Stützpunktkoordinator und Goldmedaillengewinner im paralympischen Kugelstoßen, dem Ministerpräsidenten die Vorzüge der Messplatte, die seit zwei Jahren in der Weitsprunganlage installiert ist. Kombiniert mit einer Lichtschranke hilft die Messtechnik Antworten auf die Frage zu finden, welcher der optimale Absprunkwinkel beim Weitsprung ist.
Beim Rundgang durch die Halle hält Wüst ein Schwätzchen mit Trainerlegende Karl-Heinz Düe und dem Para-Olympioniken Johannes Floors. Die Para-Kugelstoßerin Kim Vaske und der Para-Mittelstreckler Moritz Raykowski schenken Wüst ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Road to LA“.„ Das steht dafür, dass da vielleicht mal Road to Köln/Rhein-Ruhr draufgedruckt wird“, sagt Vaske. Der Ministerpräsident lacht und bedankt sich. Nach seiner abschließenden Stellungnahme muss er weiter nach Mönchengladbach. Auch da will er die Werbetrommel für Köln/Rhein-Ruhr rühren.
Rehm hingegen reist nach Verona. Er gehört am Freitag zu den Trägern der paralympischen Fackel, die von Venedig nach Verona gebracht wird.
Bürgerentscheid bis zum Sonntag, 19. April
Bis Sonntag, 29. März, sollen alle Einwohner der 17 an der Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Spiele beteiligten NRW-Städte ihre Briefwahlunterlagen für den Bürgerentscheid erhalten. Die Abstimmung geschieht ausschließlich per Briefwahl. Von Montag, 30. März, bis Freitag, 3. April, können alle Leverkusenerinnen und Leverkusener wie die Menschen in den anderen Kommunen im öffentlich ausgelegten Abstimmungsverzeichnis nachsehen, ob sie eingetragen sind. Am Sonntag, 19. April, ist der Bürgerentscheid beendet und es wird ausgezählt. Die Entscheidung darüber, welche deutsche Stadt/Region sich bewerben darf für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 fällt eine außerordentliche Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes am 26. September. (ps)
Zehn-Punkte-Offensive für mehr Barrierefreiheit
Zusätzlich zu der Sport-Milliarde, mit der die NRW-Landesregierung in den kommenden fünf Jahren Neubau, Sanierung und Modernisierung von Anlagen für den Breitensport fördern will, hat Ministerpräsident Hendrik Wüst am Mittwoch in der Leichtathletikhalle auf der Fritz-Jacobi-Sportanlage eine Zehn-Punkte-Offensive für Inklusion vorgestellt. Damit will die Landesregierung Barrierefreiheit an den Olympischen und Paralympischen Austragungsorten erreichen, die Barrierfreiheit in den Sportstätten voranbringen, NRW als Paralympisches Zentrum ausbauen und dafür neben den drei bestehenden bis 2029 drei weitere Bundesstützpunkte für die Para-Sportarten Rudern, Schwimmen und Radsport einrichten und auch das Zahl der Talentscouts für Para-Sportlerinnen und -Sportler vergrößern. Mit Blick auf den Breitensport soll Kinder und Jugendlichen mit Behinderung an den Sportschulen in NRW ein gleichberechtigter Zugang mit Hilfe eines speziellen Motoriktests gewährt werden. (ps)

