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150 aus 150Wie Mary Bauermeister die Kölner Kunstszene prägte

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Verleihung des ersten Kunstpreises des Landes Nordrhein-Westfalen an die Künstlerin Mary Bauermeister für ihr überragendes künstlerisches Gesamtwerk. Der Preis wurde vom Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen Wüst übergeben. +++ dpa-Bildfunk +++

Verleihung des ersten Kunstpreises des Landes Nordrhein-Westfalen an die Künstlerin Mary Bauermeister für ihr überragendes künstlerisches Gesamtwerk. Der Preis wurde vom Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen Wüst übergeben. +++ dpa-Bildfunk +++

Mary Bauermeister war eine bedeutende Künstlerin in der Fluxus-Bewegung. Museen wie das Guggenheim oder das Museum of Modern Art erwarben ihre Werke.

Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im ersten Teil der Serie geht es um die Künstlerin Mary Bauermeister.

Bedeutung

Mary Bauermeister wirkte weit über die Grenzen Kölns und prägte entscheidend die Kunstrichtung Fluxus mit. Durch ihre Ausstellungen in Amsterdam und New York Anfang der 1960er Jahre sowie die Kunstaktionen in der Stadt hatte sie wesentlichen Einfluss auf den Ruf Kölns als Kunststadt. Im Sommer 1962 zog sie nach New York und lernte dort zahlreiche Künstler der Pop Art kennen.

1964 gestaltete sie den ersten „Linsenkasten“: In weißen Holzkästen schuf sie kleine Räume mit Naturobjekten und literarischen Texten, die durch Glas, Linsen und Prismen neue Sichtweisen ermöglichten. Mehrere US-amerikanische Museen, wie das Guggenheim oder das Museum of Modern Art, erwarben ihre Werke.


Mary Bauermeister:

Geboren: 7. September 1934 in Frankfurt/Main

Gestorben: 2. März 2023 in Bergisch Gladbach


Wirken in Köln

Während ihrer Schulzeit in Köln-Kalk von 1946 bis 1954 besuchte Bauermeister die Galerie „Der Spiegel“ von Eva und Hein Stünke, die ihr Interesse für Kunst weckten. Nach drei Jahren Studium in Ulm und Saarbrücken kehrte sie nach Köln zurück und lebte vom Verkauf ihrer Zeichnungen. Sie lernte 1958 den Komponisten und Musiker Karlheinz Stockhausen kennen, den sie 1967 heiratete. Stockhausen inspirierte sie, musikalische Kompositionsprinzipien auf ihre Kunst zu übertragen.

In ihrem Atelier im Haus Lintgasse 28 in der Kölner Altstadt veranstaltete Mary Bauermeister 1960/61 Veranstaltungen unter dem Titel „Musik – Texte – Malerei – Architektur“. Die Miete zahlte sie mit ihren Kunstwerken. Hier entstanden die ersten Fluxus-Aktionen mit Künstlern wie Wolf Vostell, Naim Jun Paik, John Cage und Christo. Die Mischung von Aktion und Kunst sowie der unterschiedlichen Kulturstile stellte eine völlig neue Richtung dar.

Mary Bauermeister in ihrem Altelier in der Lintgasse, frühe 60er Jahre

Mary Bauermeister in ihrem Atelier in der Lintgasse in den frühen 60er-Jahren.

Nach ihrer Zeit in New York und San Francisco, wo sie mit den Beatles und Pink Floyd zusammentraf, erwarb sie Anfang der 1970er Jahre ein Grundstück in Rösrath-Forsbach, wo sie ein Gesamtkunstwerk aus Garten, Atelier und Wohnhaus schuf. Bis an ihr Lebensende war die Künstlerin äußerst produktiv und suchte den Austausch mit Künstlern, die von ihr beeinflusst wurden. „All things involved in all other things”, so lautet der Titel einer Arbeit von Mary Bauermeister aus den Jahren 1966/68, der ihr universales Denken treffend umschreibt.

Bemerkenswert auch, dass neben den Kunstaktionen in ihrem Atelier ihre Bratkartoffeln legendär waren. Aus ihrer Ehe mit Karlheinz Stockhausen, die 1973 geschieden wurde, stammten zwei Kinder. Eines ist der 1967 geborene Komponist Simon Stockhausen. Zwei weitere Kinder hatte sie mit zwei anderen Künstlern. Mary Bauermeister wurde 2021 als erste Preisträgerin mit dem „Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen“ ausgezeichnet.

Spuren in der Stadt

Das Museum Ludwig erwarb anlässlich ihres 70. Geburtstags 2004 Bauermeisters mehrteilige Wandarbeit „Needless needles“ (1963).


Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.