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Oster-Aktion der „Youngcaritas“Fast 1000 Briefe gegen Einsamkeit werden in Leverkusen verteilt

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Die Koordinatorin fürs Ehrenamt und Initiatorin der Aktion Esther Henning hat alle Briefe gelesen und sich dafür eingesetzte, dass sie pünktlich vor Ostern verteilt wurden.

Die Koordinatorin fürs Ehrenamt und Initiatorin der Aktion Esther Henning hat alle Briefe gelesen und sich dafür eingesetzte, dass sie pünktlich vor Ostern verteilt wurden.

Die Resonanz auf die Aktion hat die Organisatoren überwältigt.

Bunte Karten mit handgeschriebenen Zeilen, aufwändig verziert mit Stickern, Bildern von kleinen Hasen oder Ostereiern und immer wieder ein Satz, der sich durch viele der Briefe zieht: „Du bist nicht allein, jemand denkt an Dich.“ In der Geschäftsstelle beim Caritasverband Leverkusen in Schlebusch stapeln sich kurz vor Ostern Umschläge voller kleiner Botschaften. Fast 1000 sind es am Ende. Geschrieben von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen – für Menschen, die sich nicht kennen, aber sonst oft niemanden haben.

Was als Aufruf über Flyer, Plakate und in den sozialen Medien begann, entwickelte sich in wenigen Wochen zu einer Welle der Anteilnahme. Die Youngcaritas, die Jugendplattform des Deutschen Caritasverbandes, hatte dazu eingeladen, anonym Briefe gegen Einsamkeit zu schreiben. Die Resonanz: deutlich größer als erwartet.

Briefe aus Klassenräumen und Wohnzimmern

„Wir haben aus der Erfahrung von anderen Städten mit 700 Einsendungen gerechnet. Unsere Erwartungen wurden weit übertroffen“, sagt die Koordinatorin fürs Ehrenamt und Initiatorin der Aktion Esther Henning. Sie hat jeden Brief selbst geöffnet und gelesen. Die Post kam aus ganz Leverkusen: aus Kitas, Schulen oder von Privatpersonen, einige aber auch aus ganz Deutschland.

Fast 1000 Briefe aus Leverkusen und ganz Deutschland wurden einsamen Menschen zugestellt.

Fast 1000 Briefe aus Leverkusen und ganz Deutschland wurden einsamen Menschen zugestellt.

In den Schulen wurde die Aktion in den Unterricht oder AGs integriert. Im Deutschunterricht ging es begleitend darum, wie man einen Brief schreibt, oder um die Frage, was Einsamkeit bedeutet. Die Ergebnisse sind so vielfältig wie die Absender selbst: gemalte Bilder, kleine Gedichte oder Sprüche und sorgfältig formulierte Texte. Manche Kinder schreiben vom Osterhasen, der hoffentlich auch beim Empfänger vorbeischaut. Andere erzählen von ihrem Alltag und der Wertschätzung gegenüber der eigenen Großeltern: „Mein Lieblingstag ist Donnerstag, weil ich da nach der Schule zu Oma fahre“, schreibt ein Schüler. Oder: „Mein Lieblingsessen ist alles was Oma kocht“, so eine junge Frau.

Texte aus ganz unterschiedlichen Lebenswelten

Besonders berührend sind laut Henning auch die Briefe von Teilnehmern von Deutsch-oder Integrationskursen vom katholischen Bildungsforum. Hier sind Texte aus ganz unterschiedlichen Lebenswelten entstanden. „Die Menschen haben sich beim Schreiben geöffnet und über sich selbst gesprochen. Da besteht viel Vertrauen, auch wenn man das Gegenüber nicht kennt. Es werden wenige Floskeln, mehr Persönliches und Wertschätzendes über das Alter geschrieben“, so  Initiatorin Esther Henning. 

Die Briefe werden von den Fachstellen-Mitarbeitern der Caritas an Menschen weitergegeben, die von Ihnen zum Beispiel beim Ambulanten Pflegedienst, beim Hausnotruf oder der Seniorenarbeit betreut oder beim Mahlzeitendienst beliefert werden. Außerdem gehen die Briefe in mehrere Leverkusener Altersheime oder werden gezielt von Mitarbeiterinnen der Seelsorge der katholischen Kirche in Schlebusch und Opladen an Senioren oder Alleinstehende verteilt. Jede Post kommt mit einem Begleitschreiben zur Erklärung der Aktion.

Für die Organisatoren ist bereits jetzt klar: Die Aktion ist mehr als ein einmaliges Projekt. Viele Jugendliche habe das Thema Einsamkeit nicht losgelassen und einige wünschen sich sogar eine Brieffreundschaft. Dieses Interesse wolle man künftig nutzen, um Begegnungen zwischen den Generationen zu fördern.

Eine wirklich herzerwärmende Aktion, die uns nachhaltig überwältigt. Sie zeigt, wie schön es ist, wenn Menschen aneinander denken und anderen selbstlos eine Freude bereiten.
Carsten Wellbrock, Stadt-Caritasdirektor

Auch Stadt-Caritasdirektor Carsten Wellbrock zeigt sich beeindruckt: „Eine wirklich herzerwärmende Aktion, die uns nachhaltig überwältigt. Sie zeigt, wie schön es ist, wenn Menschen aneinander denken und anderen selbstlos eine Freude bereiten.“

Die Aktion passt zur Jahreskampagne der Caritas: „Zusammen geht was“. Ein Satz, der in diesen Tagen nicht wie ein Slogan wirkt, sondern wie eine Beschreibung dessen, was in Leverkusen tatsächlich passiert ist.


Das ist die Youngcaritas

Die Youngcaritas ist die Jugendplattform des Deutschen Caritasverbandes. Sie richtet sich an junge Menschen, die sich sozial engagieren möchten. Mit Aktionen wie den „Briefen gegen Einsamkeit“ setzt sie sich für gesellschaftlichen Zusammenhalt ein und schafft konkrete Begegnungen, auch zwischen Generationen. (chb)